Deutscher Ski-Triumph

Eric Frenzel – Mit flauem Gefühl im Magen zum Titel

Die deutschen Kombinier Eric Frenzel und Tino Edelmann feiern in Oslo einen überraschenden Doppelsieg. Aber ein DSV-Athlet vergießt trotzdem Tränen.

Auf einmal spürte Eric Frenzel so ein „flaues Gefühl in der Magengegend“. Nur noch eine von vier Langlauf-Runden, nur wenige Minuten bis zum größten Triumph seiner Karriere als Nordischer Kombinierer – wären da nur nicht die Verfolger, vor denen er sich fürchtete. Die Anfeuerungsrufe seines Vaters, der an der Strecke mitzitterte, übertönten alle anderen, spornten ihn an. Dann bog der 22-Jährige auf die Zielgerade und hörte den Jubel der Zuschauer. „Da ist mein Herz gehüpft“, sagte der erste deutsche Weltmeister der Titelkämpfe in Oslo.

Im Ziel umarmten sich dann gleich drei deutsche Kombinierer: Tino Edelmann, 25, hatte auf den letzten Metern den Österreicher Felix Gottwald abgehängt und für einen Doppelsieg gesorgt. Juniorenweltmeister Johannes Rydzek, 19, war als Vierter über die Ziellinie gesprintet. „Es war traumhaft, hier zu laufen“, sagte der jüngste im ohnehin sehr jungen deutschen Team. Nur der Älteste von ihnen, Björn Kircheisen, hatte Tränen in den Augen: Platz 28 entsprach nicht gerade den Vorstellungen des 27-Jährigen, der bereits drei Einzelmedaillen bei Weltmeisterschaften geholt hat.

Dass es für die anderen drei so gut laufen würde, hatte kaum einer gedacht, denn zuletzt hatten die Kombinierer fünf Mal in Folge das Podest verpasst. „Ich wünsche mir ein bisschen mehr den Glauben an sich selbst“, hatte Bundestrainer Hermann Weinbuch gesagt und wollte in der fünfwöchigen Wettkampfpause vor der WM „das Ego wieder aufbauen“. Bei drei seiner Sportler gelang ihm das bestens. Frenzel trat beim Skispringen sogar so befreit auf, dass er mit 109,5 Meter Schanzenrekord sprang und als erster in die Loipe musste.

Noch bevor er dort die Flucht vor der Konkurrenz antrat, hatten seine größten Fans schon einiges hinter sich. Während Freundin Laura mit Sohn Philipp (4) zu Hause in Deutschland vor dem Fernseher mitfieberte, sind seine Eltern, Freunde und Verwandte in Oslo. Sie hatten sich morgens den 20.000 zumeist norwegischen Fans anschließen müssen, die sich dicht gedrängt den Holmenkollen hinaufschoben. Wer mit der U-Bahn fahren wollte, musste schon mal eine Stunde warten, bis er sich in einen Waggon quetschen konnte. Für Frenzels Fans jedenfalls lohnte sich der Kampf bis zum Ski-Stadion.

Aber auch für die Norweger zahlte sich der beschwerliche Weg aus. Marit Björgen dominierte die Langlauf-Konkurrenz erneut und holte in der Doppelverfolgung über 15 Kilometer ihr zweites Gold dieser WM. Evi-Sachenbacher-Stehle meldete sich als 13. zurück, Nicole Fessel überzeugte mit Platz sieben, nachdem sie zu Beginn des Rennens gestürzt war. „Ansonsten wäre es vielleicht richtig geil geworden“, sagte sie. Für die Kombinierer wurde es das. Im Mannschaftswettbewerb heute sind sie Mitfavorit.