Kein Heimsieg

Pfiffe für Schalkes Profis von den eigenen Fans

Raul rettet gegen Nürnberg die Generalprobe für das Pokal-Halbfinale gegen die Bayern. Doch die Fans verhöhnen ihren Trainer Felix Magath.

Die Fans senkten den Daumen: Seiner Internet-Kampagne zum Trotz verliert Felix Magath auf Schalke rasend schnell die Freunde. Nach dem enttäuschenden 1:1 (0:1) gegen den 1. FC Nürnberg, das dem Vizemeister die letzte Chance auf einen Europapokalplatz in der Bundesliga raubte, fiel das Votum des königsblauen Anhangs ziemlich eindeutig aus: „Felix gefällt uns nicht mehr.“

Das Transparent sprach vielen aus der Seele, wie die gellenden Pfiffe nach dem Schlusspfiff und „Magath raus“-Rufe bestätigten. Der überdimensionale Daumen zeigte mitten in der Nordkurve, wo die Treuesten der Treuen stehen, nach unten. Eine Anspielung auf Magaths Versuch, mit seinem Facebook-Auftritt das Meinungsbild auf Schalke zu schönen. Im Internet hatten bis dahin 140.000 den „Gefällt mir“-Daumen angeklickt - im Stadion war die Stimmung nach der erneut leblosen Vorstellung seiner zusammengekauften Millionen-Truppe dagegen im Keller.

„Eine negative Stimmung im gesamten Verein“ machte denn auch Nationaltorwart Manuel Neuer aus, die er angesichts der schwachen Leistungen in der Bundesliga für „einfach zu erklären“ hält. Ohnehin wurde immer deutlicher, dass auch die Spieler Magaths Ansichten nicht mehr teilen. „Wir müssen anders auftreten“, urteilte Neuer über die langweilige erste Halbzeit, während der Trainer und Manager es für „richtig“ hielt, dass „wir vor den entscheidenden Wochen verhalten begonnen haben“.

„Unterm Strich zu wenig“ nannte Abwehrspieler Christoph Metzelder die auch in der zweiten Hälfte bis auf 20 Minuten kraft- und ideenlose Vorstellung der Königsblauen. „Richtig Gas gegeben“, „nach vorne gespielt“, „viele Torchancen“ - bei Magath hörte sich das anders an.

Einer durfte gar nicht mitteilen, ob er die Meinung des Trainers teilte. „Die haben mir gesagt, ich soll nichts sagen“, äußerte Torlos-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar, der eigentlich doch so viel zu erklären hätte. Seit 1001 Bundesliga-Minuten hat der Niederländer nicht mehr getroffen. Gegen Nürnberg scheiterte der

14-Millionen-Mann viermal an Torhüter Raphael Schäfer, in der 90. Minute sogar allein vor dem Tor. „Wahrscheinlich macht er sich selbst am wenigsten Sorgen“, mutmaßte Metzelder und fragte: „Ich habe in 150 Spielen drei Tore gemacht, wie soll ich ihm helfen?“

Magath kann auf Schalke wohl nur noch ein Sieg im DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch (20.30 Uhr) helfen. Nur dann bliebe die Chance auf einen Europapokalplatz erhalten. Doch wie seine runderneuerte Mannschaft ausgerechnet bei Bayern München gewinnen soll, blieb am Samstag ein Rätsel.

Bezeichnend war, dass die Schalker erst nach der Einwechselung von Julian Draxler Fußball spielten - zwar nur für 20 Minuten, aber immerhin. Mit dem 17-Jährigen kam Leben in ein lebloses Team, in dem einzig der nimmermüde Torschütze Raul (52.) und der vorbildlich kämpfende Peer Kluge herausstachen.

Während Magaths Millionentruppe keinerlei Fortschritte erkennen lässt, ist beim Club ein klarer Plan zu sehen. „Sechs Unter-21-Jährige standen am Ende auf den Platz“, stellte Trainer Dieter Hecking stolz fest, „die Jungen haben ihre Feuertaufe bestanden.“ Selbst Leistungsträger wie Julian Schieber und Ilkay Gündogan konnten die Nürnberger mit ihrem Jugendstil ersetzen. Nach dem Führungstor durch den 23-jährigen Jens Hegeler (37.) hatte kurz vor Schluss der 18-jährige Markus Mendler sogar den Sieg vor Augen, als er mit einem Kopfball die Latte traf (82.).

Nach nur einer Niederlage in den letzten neun Spielen hat der Club nicht nur sechs Punkte mehr als Schalke, sondern auch noch die Chance auf Rang fünf und das internationale Geschäft. Für die Königsblauen ist dagegen die Abstiegszone näher als der Europapokal. „In dieser Saison kann man sehr schnell unten reinrutschen“, warnte Neuer: „Wir müssen aufpassen und Punkte sammeln.“ Sonst könnte Magath, der unter der Woche mit Red Bull Salzburg in Verbindung gebracht worden war, noch schneller seine Freunde verlieren.