"Lage der Liga"

Als nächstes ködert Bayern die Dortmunder Jungstars

Bald wird der FC Bayern höchstwahrscheinlich seine Fühler nach den Dortmunder Himmelsstürmern ausstrecken. Hoffentlich erfolglos.

Es gab Momente im Leben von Jürgen Klopp, in denen er die Contenance verlor und wie ein Berserker durch seine Coachingzone tobte. Am Samstag war davon nichts zu sehen. Stattdessen spiegelte sich etwas Großes, Mächtiges in den Gesten des Dortmunder Trainers. Eine Gewissheit, an die er zuvor nicht glauben mochte. Als er die drei Tore gegen den FC Bayern München bejubelte, tat er das in der Gewissheit, nun Deutscher Meister 2011 zu werden.

Die Münchner hatten zuvor in die Waffenkammer gegriffen, sie hatten Blendgranaten abgefeuert, mit denen sie in kritischen Phasen für gewöhnlich den Konkurrenten aus dem Tritt bringen. Mit „mindestens zwei Toren Differenz“ wollte Bayern-Präsident Uli Hoeneß gegen den BVB gewinnen, alles andere hielt er für „vollkommen ausgeschlossen“. Doch selbst Hoeneß’ Attacken prallten am neuen deutschen Fußballwunder ab.

Die junge Dortmunder Mannschaft hat im Münchner Stahlbad ihre Feuertaufe erhalten, sie hat dem Druck und den Sticheleien getrotzt. Sie hat sich gegen eine aufstrebende Münchner Mannschaft behauptet, die mit dem Selbstbewusstsein aus dem Champions-League-Sieg gegen Inter Mailand angetreten war.

Und so ist es an der Zeit, die größte Sensation seit dem Titel des Aufsteigers Kaiserslautern 1998 zu würdigen. Trainer Klopp hat im Doppelpass mit Sportdirektor Zorc und Geschäftsführer Watzke ein Team erschaffen, das den Rekordmeister nicht nur am Samstagabend vorgeführt hat. Dortmund hat es geschafft, im Schatten des Branchenriesen eine Mannschaft aus jungen, überwiegend deutschen Spielern zu errichten, die individuell wie kollektiv überragend sind.

Der FC Bayern wird nach den Dortmunder Himmelsstürmern bald die Fühler ausstrecken. Es ist dem deutschen Fußball zu wünschen, dass sie damit keinen Erfolg haben werden und der BVB die Schönheit des Moments noch ein bisschen bewahren kann.