Experten-Tipps

Bayern gewinnt – aber Dortmund holt den Meistertitel

Jürgen Kohler, Thomas Helmer und Stefan Reuter spielten sowohl beim Meister als auch bei der Borussia. Die Prognosen der Ex-Profis vor dem Schlagerspiel am Samstag.

Foto: pa/dpa/Ulmer/Eibner

Die wahren Experten sind sich einig: Bayern München kann am Samstag vielleicht das Top-Duell gegen Borussia Dortmund gewinnen - mehr aber auch nicht. „Deutscher Meister wird hundertprozentig Borussia Dortmund“, sagt Jürgen Kohler und teilt damit die Meinung vieler Profis, die in ihrer Karriere bei beiden Schwergewichten der Fußball-Bundesliga ihr Geld verdient haben. „Der BVB hat die Meisterschaft absolut verdient, und selbst wenn die Bayern gewinnen, hätten sie noch zehn Punkte Rückstand. Da wird für den BVB nichts mehr anbrennen“, betont auch Thomas Helmer.

Der Europameister von 1996, der vier Jahre vor dem größten Erfolg seiner Karriere vom BVB an die Isar gewechselt war, sieht die Dortmunder in einem entscheidenden Bereich im Vorteil: „Dortmund ist in der Defensive wesentlich stärker als die Bayern, Neven Subotic und vor allem Mats Hummels haben mich absolut überzeugt, und auch die Doppel-Sechs mit Sven Bender und Nuri Sahin gehört zur absoluten Liga-Spitze.“ Helmer tippt auf ein Unentschieden oder einen knappen Sieg der Bayern, und liegt damit auf einer Wellenlänge mit Stefan Reuter. Auch der Weltmeister von 1990, einer der erfolgreichsten Spieler, der für die beiden Klubs auflaufen durfte, ist sich allenfalls über den Ausgang des Spiels am Samstag im Unklaren.

„Die Bayern hatten ein schwieriges, kraftraubendes Spiel in Mailand. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass Dortmund so dominant spielen kann wie sonst, weil sie auch beschäftigt werden von dieser Klasse-Offensive. Das wird eine richtig harte Nuss für den BVB. Doch ganz egal, was passiert: Dortmund wird Meister“, sagt Reuter, der zweimal mit den Bayern und dreimal mit dem BVB Meister wurde. Mit den Dortmunder triumphierte er zudem 1997 in der Champions League und holte den Weltpokal.

An einen langfristigen Machtwechsel im deutschen Fußball glaubt Reuter aber nicht: „Auch wenn die Dortmunder Meister werden, ist es noch ein ganz weiter Weg, bevor man sagen könnte, dass sie auch langfristig die Vormachtstellung der Bayern gefährden könnten.“ Noch erfolgreicher als Reuter war „Fußballgott“ Kohler, der mit den Bayern zwar nur einmal deutscher Meister wurde (1990), dann aber nach seiner Zeit bei Juventus Turin die goldene Dortmunder Ära zwischen 1995 und 2002 maßgeblich prägte. „Ich habe lange in Dortmund gespielt und viele Erfolge gehabt. Das ist natürlich klar, dass viel Sympathie für diesen Klub mitschwingt. Aber auch die Bayern sind ein toller Verein, der bestgeführte in Deutschland, vielleicht sogar in Europa“, sagt der Weltmeister von 1990 und 105-malige Nationalspieler diplomatisch. Am Samstag, glaubt er, gewinnt die Mannschaft, die das erste Tor schießt.

Michael Rummenigge, der nach sieben Jahren bei den Bayern 1988 die Seiten wechselte, hat schon früh in der Saison auf den BVB als Meister gewettet. „Als Dortmund am fünften Spieltag 2:0 gegen Bayern gewonnen hat, habe ich so ein komisches Gefühl gehabt, dass die Mannschaft einen Lauf bekommt. Da habe ich intern und privat gewettet. Ich freu mich schon jetzt auf die Flasche Champagner“, sagt Rummenigge. Ob er mit seinem Bruder Karl-Heinz, dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern, gewettet hat, wollte er nicht verraten.

Zahlreiche weitere Profis standen auf den Gehaltslisten beider Klubs. Ex-Nationaltorwart Toni Schumacher hatte die wohl ungewöhnlichste Karriere in Rot und Schwarz-Gelb. 1991 gab der „Tünn“ im Alter von 37 Jahren bei den Bayern sein Debüt als Ersatz für die verletzten Raimond Aumann und Sven Scheuer. Anfang 1992 beendet er seine Karriere und wurde erfolgreicher Torwarttrainer in beiden Klubs. Seine Schützlinge Aumann (Bayern München), Stefan Klos (Borussia Dortmund) und Jörg Butt (Bayern München) wurden Meister - und auch er selbst noch mal. Am letzten Spieltag der Saison 1995/96 wurde er für Teddy de Beer im Spiel des BVB gegen den SC Freiburg in der 88. Minute eingewechselt und wurde mit 42 Jahren zum zweiten Mal deutscher Meister.

Über die Maßen parteiisch wird Christian Nerlinger das Spiel am Samstag verfolgen. Der ehemalige Mittelfeldspieler, der 1998 von den Bayern nach Dortmund gewechselt ist, fungiert mittlerweile als Sportdirektor beim Rekordmeister. Bei seinem Vater Helmut sind die Vorlieben wahrscheinlich weniger ausgeprägt. Der Ex-Profi, der am Tag nach dem Topduell 63 Jahre alt wird, kam bei den Bayern nur auf fünf Einsätze (1969/70). Mit Borussia Dortmund erlebte er den größten Erfolg seiner Spielerkarriere: Den Aufstieg 1977 nach vier Jahren Zweitklassigkeit.