2:0 gegen St. Pauli

Dortmunder Fans feiern schon die Meisterschaft

Dem Tabellenführer gelingt der erste Heimsieg in diesem Jahr. "Wir haben gezeigt, dass wir in keiner Krise stecken", stellt Marcel Schmelzer fest.

Einen besseren Zeitpunkt als den gestrigen Samstag konnte es aus Dortmunder Sicht für diese Premiere gar nicht geben. Mit 2:0 (1:0) bezwang die Borussia den FC St. Pauli. Es war der erste Heimsieg in diesem Jahr, ein Seelenstreichler für den BVB und ein Mundtotmacher für all jene, die bereits von einem Durchhänger beim Tabellenführer gesprochen und die Frage nach dem inneren Gleichgewicht aufgeworfen hatten. Weil nach den zwei Unentschieden zuletzt gegen Kaiserslautern und Schalke der Vorsprung auf die Konkurrenz ein wenig geschmolzen war.

Die mangelnde Chancenverwertung hatten sie in den vergangenen Wochen unisono als zentralen Kritikpunkt ausgemacht. „Verzweifelt nicht, wenn die erste Möglichkeit nicht reingeht“, gab Trainer Jürgen Klopp seinen Spielern am Samstag deshalb mit in die Partie. Und so blieb neben den drei Punkten vor allem das von Verteidiger Marcel Schmelzer gezogene Fazit: „Wir haben jedem gezeigt, dass wir in keiner Krise stecken.“

Dabei hatte sich St. Paulis Trainer Holger Stanislawski im Vorfeld äußerst forsch gegeben. Er werde wieder etwas Verrücktes in Sachen Aufstellung veranstalten so wie beim historischen Derbysieg (1:0) am Mittwoch beim Hamburger SV, als er Ersatztorwart Benedikt Pliquett zwischen die Pfosten beordert hatte. Eine derartige Rochade blieb gestern zwar aus, der etatmäßige Keeper Thomas Kessler durfte wieder in den Kasten und verrichtete seinen Dienst als einziger der Gäste ordentlich. Das eigentlich Verrückte aber war wohl, dass Stanislawski seine erste Elf gegenüber Mittwoch auf sechs Positionen änderte und trotz des Ausfalls von Derby-Torheld Gerald Asamoah eine offensive Ausrichtung versprach. „Wir brauchen ein paar frische Leute, die Druck machen“, hatte Stanislawski befunden.

Doch von den Offensivqualitäten St. Paulis war nichts zu sehen. Ganz anders die Dortmunder. In irrwitzigem Tempo zogen sie ihr Spiel auf und attackierten den Aufsteiger, der gar nicht so recht wusste, wie ihm geschah. „Mit 0:2 sind wir noch gut weggekommen“, sagte Mittelfeldmann Matthias Lehmann. Tatsächlich spielten die Dortmunder unentwegt auf das gegnerische Tor.

Ob Kevin Großkreutz, Nuri Sahin oder Lucas Barrios, in stakkatoartigen Stil schufen sie sich Möglichkeiten, allein das Entscheidende, das Toreschießen, unterließ die Borussia bis zur 39. Minute. Es war einer jener typischen BVB-Angriffe, St. Pauli ließ die Dortmunder gewähren. Sahin zirkelte den Ball in den Strafraum. Dort hatte Barrios alle Zeit der Welt für ein paar Schnörkel um die eigene Achse und einen satten Linksschuss. Kessler ohne Chance, 1:0 für Dortmund. So ging es auch in die Pause, ein äußerst schmeichelhafter Rückstand für St. Pauli.

Die zweite Hälfte begann wie die erste endete: Mit einem Tor für den BVB unter gütiger Mithilfe der Gäste. Wieder durfte Barrios entspannt im Sechzehner dribbeln, seinen Schuss fälschte Gästeverteidiger Ralph Gunesch ins eigene Tor ab. Und weil sich auch in der Folge die Kräfteverhältnisse nicht änderten, bilanzierte Kessler: „Wir haben heute als Mannschaft versagt.“ Gar einige „Totalausfälle“ hatte Stanislawski bei seinen Profis ausgemacht. „Der eine oder andere wird sich noch etwas anhören müssen“, drohte der Trainer.

Und Dortmund? Auf den Tribünen sangen sie bereits, was bei den Oberen noch verpönt ist: „Deutscher Meister wird nur der BVB.“