Am Königssee

Frank Rommel gewinnt Bronze bei der Skeleton-WM

Mit einer furiosen Fahrt im vierten Lauf hat sich Frank Rommel noch auf das Podest bei der Skeleton-WM am Königssee gefahren. Gold ging nach Lettland.

Unterschiedlicher konnte die Gefühlswelt im deutschen Skeleton-Team nicht sein: Hier Jubel nach WM-Bronze für Frank Rommel, dort bittere Tränen der Enttäuschung bei Lokalmatador Mirsad Halilovic, der im Finallauf in Königssee vom zweiten auf den fünften Rang zurückfiel.

Dies berührte die deutschen Frauen nur wenig. Sie stürzten sich hochkonzentriert in den Eiskanal und fuhren zur Halbzeit ihres Rennens eine komfortable Doppelführung heraus. Titelverteidigerin Marion Thees aus Oberhof liegt mit 15/100 Sekunden Vorsprung vor Lokalmatadorin Anja Huber. Dritte ist die Kanadierin Mellisa Hollingsworth. Katharina Heinz aus Winterberg geht als Fünfte in den dritten Lauf am Samstag.

Selbst der Teamkollege Rommel hatte am Freitag Mitleid mit Halilovic. „Das sind natürlich zwiespältige Gefühle. Der Michi hätte die Medaille genauso verdient gehabt. Ich selbst hatte die Medaille schon abgehakt, als Tretjakow im Ziel war“, meinte Frank Rommel, der am Freitag nach vier Läufen 1,98 Sekunden Rückstand auf den siegreichen Letten Martins Dukurs hatte, der seinen ersten WM-Titel gewann. Zweiter wurde der Russe Alexander Tretjakow. Der Winterberger Sandro Stielicke wurde Vierter, Junioren-Weltmeister Alexander Kröckel aus Oberhof Achter.

Ein fataler Fehler im oberen Bahnabschnitt kostete „Michi“ Halilovic seine erste WM-Plakette. „Ich hatte einen Fehler Ausfahrt Teufelsmühle. Mich hatte es unheimlich stark nach rechts rübergedrückt, und ich konnte es nicht mehr korrigieren“, sagte Halilovic und fügte an: „Wenn ich eine Nacht drüber schlafe, dann freue ich mich auch über das Klasse-Mannschaftsergebnis. Der Arsch-Klatscher macht mich hoffentlich stärker für die nächste Saison.“

Als „Luftkoteletts“ bezeichnet Skeleton-Bundestrainer Jens Müller seine eher leichtgewichtigen Jungs Rommel und Halilovic. Während er die Konstanz des Thüringers Rommel seit Jahren schätzt, räumte der Rodel-Olympiasieger von 1988 die Unbeständigkeit des Bayern ein. „Er ist oft zu nervös auf dem Schlitten, zu zappelig“, betonte Müller.

"Professionell arbeitenden Amateur"

Der 26-jährige Rommel weiß hingegen genau, was er will. Er geht seinen eigenen Weg, bezeichnet sich unter den Profis als „professionell arbeitenden Amateur“, der nur von Jahr zu Jahr denkt, aber noch nicht bis Olympia 2014. „Sotschi ist noch weit weg – weiß ich, ob ich dann noch in der Weltklasse mitfahren kann?“

Die favorisierten deutschen Frauen ließen zum Auftakt nichts anbrennen. Zwar lag Thees am Start mit 5,29 Sekunden im hinteren Bereich des Feldes. Doch mit einer Spitzengeschwindigkeit von 105,70 Stundenkilometern fuhr sie im unteren Bereich schneller als Weltmeister Dukurs bei den Männern – und im ersten Lauf Bahnrekord in 52,22 Sekunden. Diesen schraubte Huber dann im zweiten Durchgang auf 52,14 Sekunden, doch für die Führung reichte es nicht. „Marion hat super vorgelegt, doch ich konnte mit Bahnrekord kontern. Das wird morgen eine richtig enge Kiste“, sagte Huber.