Fussball

Staatsanwalt widerspricht DFB-Präsident Theo Zwanziger

Theo Zwanzigers Aussage vor dem Sportausschuss des Bundestages hat bei der Bochumer Staatsanwaltschaft für Diskussionen gesorgt. Im Gegensatz zum DFB-Präsident glauben die Ankläger im Wettskandal-Prozess daran, dass es Anhaltspunkte für manipulierte Spiele in Deutschland gibt.

Schwalben, Fehlgriffe und provozierte Platzverweise: Die Bochumer Staatsanwaltschaft geht nach wie vor von manipulierten Fußballspielen auch in Deutschland aus. „Es gibt Anhaltspunkte, dass es tatsächlich passiert ist – auf jeden Fall", sagte Ankläger Andreas Bachmann am Donnerstag am Rande des Bochumer Wettskandal-Prozesses. Damit ging der Staatsanwalt auf Distanz zu Theo Zwanziger. Der DFB-Präsident hatte am Vortag vor dem Sportausschuss des Bundestages von fehlenden Beweisen gesprochen. Es gebe „keine greifbaren Merkmale", dass Partien im nationalen Spielbetrieb wirklich illegal beeinflusst worden seien. Weitere Aufklärung soll Zwanziger selbst liefern. Udo Klaus Duits, Verteidiger des angeklagten ehemaligen Zweitligaspielers Kristian S., beantragte, den DFB-Chef als Zeugen zu laden. Wie das Bochumer Landgericht darüber denkt, ist unklar. Staatsanwalt Andreas Bachmann bezeichnete den Antrag allerdings als „völlig bedeutungslos". Es spiele rechtlich überhaupt keine Rolle, ob Spieler absichtlich schlecht gespielt oder Torhüter extra daneben gegriffen hätten. Für eine Verurteilung reiche die Abrede aus, auf die Zahl der tatsächlich manipulierten Spiele komme es dagegen nicht an.

Vor allem Thomas Cichon, Ex-Profi des VfL Osnabrück, war im Prozess in diesem Zusammenhang schwer belastet worden. Ante Sapina, Deutschlands wohl bekanntester Wettbetrüger, hatte bei seiner Zeugenvernehmung im Januar erklärt, dass Cichon zumindest bei der Partie gegen Augsburg vom 17. April 2009 eindeutig in den Spielverlauf eingegriffen habe: „Das erste Tor ging meiner Meinung nach glasklar auf die Kappe von Cichon." Cichon selbst weist alle Manipulationsvorwürfe zurück.

Wann vor dem Bochumer Landgericht die ersten Urteile gesprochen werden könnten, ist wieder offen. Staatsanwalt Bachmann war am Donnerstag überraschend auf Konfrontationskurs gegangen und hatte sich geweigert, einen Teil der Vorwürfe fallen zu lassen. Das hatten die Richter der 13. Strafkammer zuvor angeregt. Nach Ansicht des Anklägers spreche viel dafür, dass sich die Angeklagten in der Grauzone der organisierten Kriminalität bewegt haben. Konspirative Telefonate, internationale Geldflüsse, Strohleute und Gewalt – die kriminelle Energie der Wettbetrüger sei enorm. Der frühere Torwart des Regionalligisten SC Verl habe sogar regelrecht ausgeschaltet werden sollen.

Den insgesamt vier Angeklagten wird vorgeworfen, in die Manipulation von über 30 Fußballspielen verstrickt gewesen zu sein. Über die genaue Höhe der Wetteinsätze und Gewinne besteht noch keine Einigung. Der Prozess wird am 2. März fortgesetzt.