Erfolg bei Inter

Fabelhaftes Comeback der Mia-san-Mia-Bayern

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Passend zum Bundesliga-Hit gegen Borussia Dortmund am Samstag sind die Münchner um Arjen Robben und Franck Ribery in bester Angriffslaune.

Ein schnelles Siegerbier, für mehr blieb keine Zeit. Nach dem Last-Minute-Triumph von Mailand richtete sich der Blick bei Bayern München umgehend auf den Bundesliga-Schlager gegen Borussia Dortmund. „Normalerweise muss man nach so einem Sieg sagen: Jungs, macht einen drauf, genießt den Augenblick! Aber am Samstag kommt der Spitzenreiter. Da wollen wir unbedingt gewinnen, um mindestens Zweiter zu werden“, sagte ein strahlender Karl-Heinz Rummenigge nach dem 1:0 (0:0) im Achtelfinal-Hinspiel beim Titelverteidiger Inter Mailand. Beim obligatorischen Mitternachtsbankett gab der Vorstandschef gleich die Richtung vor: „Wenig feiern, viel Konzentration ist jetzt gefragt.“

Arjen Robben, Franck Ribery und Co. nahmen sich die Worte zu Herzen. Nur kurz zeigten sie sich den rund 500 Edel-Fans im Saal „Islas Baleares“ im noblen Hotel Melia Milano, dann verschwanden sie auf ihren Zimmern. Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß kosteten dagegen mit Trainer Louis van Gaal und Sportdirektor Christian Nerlinger den ersten Teil der Final-Revanche etwas länger aus; einträchtig genossen sie Rotwein, Lachs, Meeresfrüchte und Rostbraten mit Trüffelsauce.

Nach einem „großen Champions-League-Auftritt von höchster Qualität“ (Rummenigge) fühlt sich der FC Bayern für seine Wochen der Wahrheit gerüstet - vor allem aber für den Bundesliga-Kracher am Samstag. „Wir gewinnen gegen Dortmund. Das steht außer Frage“, betonte Kapitän Philipp Lahm.

Auch Hoeneß ließ keinen Zweifel daran, dass das „Mia-san-Mia“-Gefühl rechtzeitig vor den Spielen in der Liga gegen Dortmund und Hannover 96, im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Schalke 04 und dem Rückspiel gegen Inter am 15. März zurück ist. „Ein Unentschieden oder eine Niederlage halte ich für vollkommen ausgeschlossen. Wir sind die bessere Mannschaft. Im eins gegen eins haben die Dortmunder keine Chance“, sagte Hoeneß.

Für Rummenigge ist es „ohne Frage auch ein Imagespiel. Es geht nicht nur um wichtige Punkte für beide Mannschaften.“ Es sei ein „ganz besonderes Spiel“, das die Bayern durch den verdienten Sieg im Giuseppe-Meazza-Stadion mit „viel Selbstvertrauen“ angehen. Zumal selbst ein Spitzenteam wie Inter „zum Schluss große Probleme hatte, unserem Rhythmus zu folgen. Das stimmt einen schon zuversichtlich“, sagte Nerlinger.

Das 1:0 bei Inter, das im Endspiel noch eine Nummer zu groß gewesen war, hat den Bayern eine glänzende Ausgangsposition verschafft. Zu sicher wähnen sich die Bayern aber nicht. „Das heißt noch lange nichts. Inter ist sehr gefährlich“, urteilte Torjäger Mario Gomez, der die Bayern mit seinem Abstauber in der 90. Minute zum dritten Sieg im dritten Europapokalspiel bei Inter schoss.

Auch Rummenigge warnte davor, „zu glauben, dass die Wiese schon gemäht ist. Inter hat eine hohe Qualität und einen großen Willen. Wir sollten nicht zu euphorisch sein.“ Waren die Bayern auch nicht - stolz waren sie aber, dass ihr Spiel nicht nur aus Ribery und Robben besteht.

Gomez zeigte mit seinem siebten Champions-League-Treffer in dieser Saison erneut seine beeindruckenden Torjäger-Qualitäten, als er nach einem Schuss von Robben und einem schweren Patzer von Julio Cesar gedankenschnell zur Stelle war. 17-Millionen-Einkauf Luiz Gustavo deutete als unerbittlicher Widersacher von Inters Spielgestalter Wesley Sneijder erstmals an, dass er eine wertvolle Verstärkung werden könnte.

Und vor allem sendete Torwart Thomas Kraft ein deutliches Zeichen an Bayerns Wunschkandidaten Manuel Neuer. Mit einigen Paraden rettete der 22-Jährige die Münchner vor einem möglichen Gegentor und verbesserte seine Position im Vertragspoker. „Absolute Klasse. Samuel Eto’o hat seine Weltklasse gezeigt. Aber er hat seinen Meister gefunden. Und der heißt Thomas Kraft“, lobte selbst Franz Beckenbauer.

Jetzt habe wohl auch „der letzte Kritiker gesehen, dass er ein guter Torwart ist“, sagte Gomez. Während auch Nerlinger eine „herausragende Vorstellung“ attestierte, war van Gaal, der Kraft im Winter überraschend zur Nummer eins erklärt hatte, mit seinem jungen Keeper „sehr zufrieden. Er hat seine Qualitäten gezeigt. Er ist ein sehr guter Reflex-Torwart.“

Kraft selbst blieb angesichts der Lobeshymnen gelassen: „Ich mache mich nicht nervös. Ich habe ganz ordentlich gehalten.“ Zum Feiern blieb einfach keine Zeit.

( sid )