Goldenes Tor von Gomez

Bayerns Sieg fürs Ego bei Titelverteidiger Inter

Ehrenpräsident Beckenbauer schwärmte an der Vorstandstafel von einem mitreißenden Spiel, Vorstandschef Rummenigge nach dem 1:0 vom „besseren Ausgang" als im Finale.

Schnell hatten die Bayern-Profis nach der gefühlten Revanche gegen Inter Mailand das nächtliche Bankett verlassen. Das Team um den Siegtorschützen Mario Gomez und den herausragenden Torwart Thomas Kraft sollte sich schon auf den Liga-Gipfel gegen Borussia Dortmund einstimmen. Darauf wies Karl-Heinz Rummenigge im Saal „Islas Baleares“ des Mannschaftshotels bei seiner Ansprache nach der „Wiederauflage des Finalspiels mit einem diesmal besserenAusgang“ nachdrücklich hin.

„Eigentlich müsste man nach solchen Spielen wie heute Abend sagen, macht einen drauf, genießt den Augenblick und dann geht es weiter. Nur leider haben wir Samstag schon wieder ein sehr wichtiges Spiel“, betonte der Vorstandschef, „ich bin überzeugt, das Spiel heute wird uns Selbstvertrauen geben und wir haben beste Voraussetzungen geschaffen, die Saison dahin zu bringen, wo wir sie hinbringen wollen.“

Nach dem 1:0 imAchtelfinal-Hinspiel inItalien durften alle Pizzateilchen und Pasta, Lachs und andere Leckereien genießen, noch viel besser hatte den Bayern-Verantwortlichen und Trainer Louis van Gaal aber zuvor der Sieg gegen Inter geschmeckt. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer schwärmte an der großen Vorstandstafel gestenreich von einem spannendenSpiel, in dem es „rauf und runter“ gegangen war - und in dem Gomez in der 90. Minute glücklich, aber verdient eine glänzende Ausgangsposition für das Rückspiel am 15. März geschaffen hatte. Zumal die Münchner noch nie im Meister-Pokal ausschieden, wenn sie das Hinspiel auswärts gewannen.

„Wir sind jetzt im Vorteil, aber das heißt noch lange nichts“, warnte Bundesliga-Toptorjäger Gomez, der sich mit seinem siebten Treffer im laufenden Wettbewerb auch an die Spitze der Königsklassen-Torschützenliste setzte. Nach einem Schuss von Arjen Robben hatte er einen Patzer von Mailands Schlussmann Julio Cesar eiskalt genutzt. Ein anderer Torwart war im stimmungsvollen San-Siro-Stadion vor 75 925 Zuschauern bei seinem ersten K.o.-Spiel in der Champions League fehlerfrei geblieben und hatte die Bayern mehrfach vor einemRückstand bewahrt: Thomas Kraft.

„Ich freue mich unheimlich für ihn. Es ist nicht einfach, bei Bayern München Torwart Nummer eins zu sein nach der Ära Oliver Kahn“, sagte Gomez über den 22-Jährigen. „Er ist sehr klar in der Birne, hat alle Fähigkeiten, die man braucht für unser Spiel.“ Auch van Gaal lobte den von ihm beförderten Kraft. „Er hat seine Qualitäten gezeigt. Er ist ein sehr guter Reflextorwart, aber nicht nur das.“

Kraft war stets auf dem Posten, ganz stark seineRettungstat nach 32 Minuten gegen Samuel Eto'o. Ähnlich unaufgeregt wie während des Spiels war das Torwarttalent („Nervosität kenn' ich nicht wirklich“) auch nach dem Schlusspfiff. „Von der Atmosphäre und vomStadion her war es das schönste und größte Spiel – bis jetzt. Aber es gab auch andere schöne Spiele“, sagte Kraft, dessen Vertrag bis zumSaisonende läuft. Sollte sich das anhaltende Gerücht eines Wechsels von Manuel Neuer von Schalke nach München bewahrheiten, dürfte Kraft für die neue Saison wohl nicht verlängern. Beckenbauer bezeichnete Neuer im Interview mit Sat.1 jedenfalls als „besten Torwart der Welt“.

So weit in die Zukunft mochte der Bayern-Torhüter am Mittwoch nicht schauen, aber zumindest sprach er schon einmal über das Saisonende, wenn am 28. Mai das Champions League-Finale im Londoner Wembley-Stadion ansteht. „Da wollen wir unbedingt hin. Es ist ein weiter Weg, aber wir sind auf einem guten Weg“, sagte Kraft. Und dabei „einen Tick reifer als letzte Saison“, ergänzte Kapitän Philipp Lahm mit Blick auf die vergangene Spielzeit, die mit einem 0:2 im Endspiel gegen Inter geendet hatte. Damals gab es in Achtel- und Viertelfinale acht Gegentore, zumAuftakt hielt diesmal die „Null“.

Dass man den Sieg vor dem Prestige-Duell gegen den designiertenMeister BVBund dem Pokal-Schlakger gegenSchalke nicht ausgelassen feiern könne, war das einzige, das Rummenigge nicht ganz passte. „Das ist das Wasser, was man leider heute Abend in diesem eigentlich so schönen Wein hat – wenn ich Louis hier neben mir sitzen sehe, der ja schon fast gierig auf den Rotwein schaut.“