Pleite in Freiburg

Wolfsburg versinkt trotz starkem Diego im Chaos

Vierte Niederlage in Folge erhöht die Abstiegsgefahr. Nur drei Tore trennen die Niedersachsen vom Relegationsplatz. Kommt Rentner Hans Meyer als Retter?

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Pierre Littbarski hatte erneut alle Register gezogen. Diego, der für ein Spiel aussortiert worden war, ließ er wieder ran. Stattdessen wurden diesmal Alexander Madlung und Thomas Kahlenberg suspendiert. Doch auch diese Maßnahme half nicht. Der Interimstrainer des VfL Wolfsburg scheint nach nur zwei Spielen mit seinem Latein am Ende. Auf das 0:1 gegen den HSV folgte trotz eines teils starken Auftritts ein 1:2 beim SC Freiburg. Die Abstiegsgefahr wird ebenso größer wie die Rufe nach einem Retter wie dem pensionierten Hans Meyer.

Ob Manager Dieter Hoeneß allerdings noch einmal die Reißleine zieht, bleibt abzuwarten. Nach der neuerlichen Niederlage gab er sich zuversichtlich: „Was ich heute gesehen habe, macht mich optimistisch. Wenn die Mannschaft so spielt, so engagiert, wird sie die Punkte holen, die nötig sind“, sagte Hoeneß. Der starke Mann beim VfL hatte vor zweieinhalb Wochen Trainer Steve McClaren entlassen und Assistent Pierre Littbarski zum neuen Chef befördert.

Hoeneß und Littbarski zeigten sich nach dem Spiel verärgert über den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer der Freiburger durch Stefan Reisinger (41.), dem nach Meinung der Wolfsburger ein Handspiel von Anton Putsila vorausgegangen war. Schiedsrichter Robert Hartmann hatte bei seinem ersten Bundesligaeinsatz aber auf Tor entschieden. „Wir haben ein irreguläres Tor bekommen“, monierte Trainer Littbarski, „aber wir haben leider die Tore nicht gemacht zum Schluss. Doch auf dieser Leistung können wir aufbauen.“

Sein Team hatte wirklich gut begonnen in Feiburg, nachdem er sich vor der Partie in einem offenen Brief an die Fans gewandt hatte. „Wir brauchen eure Hilfe“, hieß es unter anderem in dem Schreiben. In der 9. Minute kam der VfL erstmals gefährlich vor das Tor von Freiburg. Allerdings wurde Patrick Helmes, den Diego in Szene gesetzt hatte, noch rechtzeitig geblockt. Der VfL, bei dem Marvin Hitz den verletzten Stammtorhüter Diego Benaglio ersetzte, spielte druckvoll. Die Niedersachsen waren präsent und attackierten die Gastgeber früh. Nachdem Helmes in der 21. Minute noch mit einem Schuss an Freiburgs Torhüter Oliver Baumann scheiterte, erzielte er nur sieben Minuten später sein erstes Tor für Wolfsburg. Der Stürmer, der im Winter für rund acht Millionen Euro aus Leverkusen gekommen war, traf auf Vorlage von Tuncay zum 1:0.

Der VfL versäumte es dann, die Führung auszubauen. Was sich kurz vor der Pause schließlich bitter rächte. Nach einem Konter traf der gerade erst eingewechselte Stefan Reisinger zum 1:1 (43.). Ein Tor, das bei den Wolfsburgern für Proteste sorgte. Denn sie monierten ein Handspiel von Vorlagengeber Anton Putsila. Schiedsrichter Robert Hartmann entschied bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz jedoch auf Tor.

Das ärgerte natürlich auch Dieter Hoeneß. Der VfL-Manager, der eine Woche zuvor von den eigenen Fans angefeindet worden war, hatte vor dem Spiel Einblick in die Planungen für die neue Saison gegeben und Ralf Rangnick als „strategische Lösung“ in der Trainerfrage bezeichnet. „Ralf Rangnick ist natürlich neben anderen auch für den Sommer wieder ein Thema“, sagte Hoeneß der „SZ“. Statt Rangnick, der laut Hoeneß „nicht zur Verfügung“ stand, hatten die Wolfsburger nach der Trennung von Steve McClaren dessen Assistenten Pierre Littbarski dann als neuen Trainer präsentiert. Littbarski soll als Interimslösung nur bis Juli im Amt bleiben und den Abstieg verhindern.

Nach dem Seitenwechsel zeigten sich die Wolfsburger gehemmt. Die zuvor so dominierende Mannschaft, bei der Diego ein sehr gutes Spiel machte, konnte sich kaum noch befreien. Jetzt machte Freiburg Druck und hatte in der 58. und 61. Minute gleich zwei gute Möglichkeiten. Erst scheiterte Johannes Flum mit einem Kopfball am glänzend reagierenden Hitz, dann scheiterte Reisinger mit einem Schuss aus halbrechter Position am guten VfL-Keeper.

Es war erstaunlich, wie lethargisch die Wolfsburger plötzlich wieder spielten. Sie agierten verunsichert und ideenlos, wie sie das Spiel noch zu ihren Gunsten entscheiden könnten. Dafür waren sie zu passiv und die Freiburger Führung nur eine logische Folge: Demba Papiss Cisse traf in der 78. Minute nach Vorlage von Reisinger aus zwölf Metern zum 2:1. Erst jetzt erhöhte Wolfsburg noch einmal das Tempo. Doch Freiburgs Torhüter Baumann entschärfte gute Schüsse, wie etwa den von Dieudonne Mbokani in der 86. Minute. In der 90. hatte Cicero dann auch noch Pech mit einem Kopfball an die Latte.