Golf

Erst eine Familie macht Kaymer wunschlos glücklich

Mit Morgenpost Online spricht Shootingstar Martin Kaymer über Werte im Golf, seine Zukunft als Stilikone und Vater und ein Leben abseits der Grüns.

Es war eine bewegende Woche für den deutschen Profigolfer Martin Kaymer. In Abu Dhabi erhielt er den Laureus World Sports Award als „Newcomer des Jahres“. Im Anschluss spielte die Nummer zwei der Welt in Dubai in einem Flight mit Lee Westwood (Nummer eins) und Tiger Woods (Nummer drei).

Morgenpost Online: Als Lee Westwood die Nummer eins der Welt wurde, haben Sie ihm eine SMS geschickt. Hat er darauf geantwortet?

Martin Kaymer: Ja, direkt zwei Minuten später. Er hat sich vielmals bedankt und mir geschrieben, ich würde ganz sicher auch eines Tages mal die Nummer eins werden. Aber halt nicht so bald. Und dann hat er die SMS mit einem Smiley beendet.

Morgenpost Online: Sie haben mit ihm und Tiger Woods in Dubai gespielt. Wie ist Ihr Verhältnis zu Westwood?

Kaymer: Wir haben wirklich eine gute Beziehung. Er ist ein echt netter Typ. Lee hat mir im Ryder Cup sehr geholfen. Ich war damals schon sehr nervös, als ich am ersten Loch aufgeteet habe. Ich finde, dass er es absolut verdient hat, die Nummer eins zu sein.

Morgenpost Online: In Doha hatten Sie die Gelegenheit, ihn vom Thron zu stoßen. Wäre Ihnen das sehr wichtig gewesen?

Kaymer: Nee, also ganz ehrlich: Wenn man einmal die Nummer eins ist, will man auch ganz oben bleiben. Ich spiele meine Turniere so weiter wie bisher und versuche so viele wie möglich zu gewinnen. Dann werde ich hoffentlich automatisch irgendwann die Nummer eins. Dass die Nummer eins auf lange Sicht mein Ziel ist, ist doch klar. Aber ich bin erst 26 Jahre alt und hoffe, noch häufiger die Chance dafür zu bekommen.

Morgenpost Online: Sie haben den Laureus World Sports Award gewonnen, den Sport-Oscar, als bester Nachwuchssportler des Jahres. In Ihrer Dankesrede haben Sie explizit Ihren Bruder Philip erwähnt, wieso?

Kaymer: Weil mir das sehr wichtig war. Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft. Gerade die Anfangszeit war echt hart. Wenn man da mit 21 auf einmal durch die Weltgeschichte reist und alles selber organisieren muss. Mir ist das ziemlich schwer gefallen, deshalb war ich glücklich, als mein Bruder sagte: Komm, ich fliege ab und zu mit und helfe dir, wo du es für nötig hältst. Er war sogar mein Caddy.

Morgenpost Online: Und Ihr Berater in allen Lebenslagen. Sie haben einmal gesagt, Ihnen sei es wichtig, Menschen um sich zu haben, die Sie auf den Boden zurückholen.

Kaymer: Nicht nur das. Ich meinte damit auch die Menschen, mit denen ich über wirklich alles sprechen kann. Dazu zählen Johan Elliot, mein Manager, und natürlich meine Familie. Das sind alles Personen, die mir sehr geholfen haben, dort hinzukommen, wo ich jetzt bin. Viele Sportler machen da meiner Meinung nach einen großen Fehler, indem sie auf zu viele Leute hören und die Meinungen zu vieler Berater annehmen. Ich finde, man sollte bei seinen engsten Vertrauten bleiben, am besten bei seiner Familie. Dann bleibt man automatisch auf dem Boden. Ich glaube, ohne diese Einstellung wäre ich nicht so erfolgreich geworden wie ich es jetzt bin.

Morgenpost Online: Der Boulevard schrieb nach Ihrem Majorsieg „Unser neuer Golf-Gigant“. Macht Sie so etwas stolz, oder macht es Ihnen eher Angst, plötzlich ein deutscher Superstar des Sports zu sein?

Kaymer: Angst auf gar keinen Fall. Manche benutzen halt sehr gerne krasse Worte, um Aufmerksamkeit zu erregen, und nutzen die ein oder andere Übertreibung eben als Mittel zum Zweck. Ich nehme das aber alles sehr positiv auf. Es gibt mir sogar zusätzliche Motivation, noch besser zu werden. Zum Beispiel habe ich neulich den Artikel in der „Morgenpost Online“ gelesen, in dem Lee Spencer über mich geschrieben hat . Der war super zu lesen. Toll, dass er sich nicht nur so detailliert erinnert hat, sondern dass er das sogar bei euch veröffentlichen konnte. Das hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Morgenpost Online: Es gibt Menschen, die von sich sagen, dass Sie wunschlos glücklich sind. Was gehört bei Ihnen dazu?

Kaymer: Mehr als Golf. Ich denke, das Schönste, das es auf der Welt gibt, ist Vater zu werden. Seine Kinder aufwachsen zu sehen. Bei mir wird das wahrscheinlich noch ein paar Jahre dauern, aber ich denke, das ist es, was mich am Ende des Tages wunschlos glücklich machen wird – es kann sich schließlich nicht immer alles nur ums Golfspielen drehen.

Morgenpost Online: Ian Poulter, mit dem Sie zusammen den Ryder Cup gewonnen haben, öffnet sein Privatleben in Facebook. Er schreibt dort regelmäßig, zeigt sogar Filme. Können Sie sich so etwas auch vorstellen?

Kaymer: Na ja, jeder Mensch ist zum Glück anders. Poulter macht auch sehr viel auf Twitter, genauso wie Westwood, McIlroy und McDowell. Das sind einfach andere Charaktere als ich. Für die Leute, die an deren Leben interessiert sind, ist das natürlich super. Aber ich bin da ein bisschen anders.

Morgenpost Online: Denn Sie sind…

Kaymer: …eher der ruhigere Typ, nicht zu verwechseln mit langweilig. Ich verbringe gerne auch Zeit für mich. Entweder, um mir meine Gedanken zu machen und zu reflektieren, oder auch nur, um DVDs zu gucken, am liebsten „24“ oder „Prison Break“.

Morgenpost Online: Sie sagen, jeder bekäme zurück, was er im Leben investiert. Ist das Ihr Lebensmotto?

Kaymer: Schon irgendwo. Ich arbeite sehr hart, aber für mich fühlt es sich nicht wie harte Arbeit an. Ich trainiere wirklich sehr gerne, und wenn man etwas mit viel Liebe und Leidenschaft betreibt, dann macht es einem auch Spaß. Je mehr Energie man aufbringt, desto mehr bekommt man letztendlich zurück. So war es zumindest 2010, als ich sehr viele Erfolge feiern durfte. Und ich hoffe, dass es jetzt auch so weiter geht.

Morgenpost Online: Worin würde es sich noch lohnen, viel zu investieren außer dem Golf?

Kaymer: Ich hoffe doch, dass ich noch viele, viele Jahre spielen kann. Wenn man Bernhard Langer sieht, wie er mit 52 immer noch die Majors gewinnt, dann muss ich sagen: Ich habe mir ganz ehrlich noch keine Gedanken darüber gemacht, worin ich noch meine Kraft investieren sollte. Das hat auch noch Zeit, denke ich.

Morgenpost Online: Abgesehen von der vorhin beschriebenen Vaterschaft.

Kaymer: Ja, klar. Jetzt noch nicht, aber irgendwann wäre das schon schön. Ich sehe gerade bei meinem Manager, wie er mit seiner Tochter umgeht. Es ist einfach schön, Kinder um sich zu haben. Ich liebe Kinder und weiß, dass es irgendwann auch für mich das Größte sein wird, Vater zu sein. Für jemanden die hundertprozentige Verantwortung zu haben, immer da zu sein, darauf freue ich mich. Das ist doch eine tolle Lebensaufgabe.

Morgenpost Online: Sie legen viel Wert auf Ihr Äußeres. Taugen Sie zur Stilikone?

Kaymer: Das sollen die Frauen entscheiden. Mir macht es wirklich Spaß, mich bewusst anzuziehen. Ich habe mit Hugo Boss den perfekten Partner dafür gefunden. Was ich in den vergangenen Wochen alles über Mode gelernt habe. Ich sage Ihnen, ich entdecke da gerade eine ganz neue Seite an mir und freue mich darauf, dass ich eine eigene Linie bekomme. Das finde ich echt spannend.

Morgenpost Online: Gehören Golf und gute Mode zusammen?

Kaymer: Na ja. Zumindest ist es so, dass wenn ich mich gut fühle auf dem Golfplatz, dann spiele ich automatisch besser.

Morgenpost Online: Wären verrückte, grelle Klamotten wie sie Poulter oder Daily tragen denn gar nichts für Sie?

Kaymer: Nee. Also, wer mich als Typ kennt, der weiß: Das bin ich nicht. Ich bin eher so der klassische, elegantere Typ.

Morgenpost Online: In Abu Dhabi trugen Sie Smoking und Fliege.

Kaymer: Und ich habe mich sehr wohl damit gefühlt. Es ist interessant, wie viel Spaß es mir macht, zu solchen Events zu gehen und sich so anzuziehen.

Morgenpost Online: Sind Sie ein Gentleman?

Kaymer: Sehe ich etwa nicht wie einer aus?

Morgenpost Online: Für mich schon. Aber mir mussten Sie ja auch noch nicht die Tür aufhalten.

Kaymer: Ich würde schon sagen, dass ich ein Gentleman bin. Ich wurde zu Hause sehr gut erzogen. Außerdem ist Golf schon immer eine Gentleman-Sportart.

Morgenpost Online: Das heißt, Golf vermittelt Ihnen Werte?

Kaymer: Der Ryder Cup hat gezeigt, dass wir auch Golf wegen der Ehre, Leidenschaft und Liebe spielen. Dazu gehört eine gewisse Etikette. Ich denke, ich kann mich benehmen und bin durch den Golfsport ein Stück weit erwachsen geworden. Natürlich gibt es noch Dinge, die ich zu lernen habe. Etwa, wie ich durch solche Events wie den Laureus gehe und dabei die unterschiedlichsten Menschen kennenlerne.

Morgenpost Online: Wohin führt Ihr Weg in den nächsten Jahren?

Kaymer: Ich hoffe natürlich weiter nach oben. Ein großer Traum wäre zum Beispiel eines Tages die Hall of Fame – aber bis dahin muss ich noch sehr viele Turniere gewinnen.