Kino

Was Menschen tun, um Fußball zu sehen

Im Dschungel des Amazonas kraxeln Indianer mit einer Satellitenschüssel auf dem Rücken in Regenwaldbäumen herum. In der afrikanischen Wüste nehmen Tuareg mehrstündige Umwege in Kauf. Und das alles nur, um "Das größte Spiel der Welt" zu sehen.

Der spanische Dokumentar- und Naturfilmer Gerardo Olivares ist schon viel in der Welt herumgekommen, u.a. in der Himalaja-Region, Bhopal oder den afrikanischen Wüsten. Bei einer Reise 2002 in die Mongolei hatte er ein bemerkenswertes Erlebnis.

Er traf auf Wandernomaden, die auf einem Pferd einen alten Fernseher mit sich führten. Was die Jäger damit im gottverlassenen Altai-Gebirge anstellen wollten? Nun, die mongolischen Nomaden waren auf dem Weg zu einer provisorischen Antenne, die russische Soldaten hinterlassen hatten. Dort wollten sie sich das Endspiel der Fußball-WM zwischen Deutschland und Brasilien anschauen.

Die Königsdisziplin im Sport


Diese Begegnung bildet die Basis für Olivares' Spielfilm „Das größte Spiel der Welt“. Mit seinen Laiendarstellern – Amazonas-Indianern, Tuareg und mongolischen Nomaden – will der Spanier zeigen, dass der Fußball selbst in den hintersten Winkeln der Welt König ist.

Alle wollen das Finale anschauen. Dafür nehmen sie die absurdesten Entbehrungen in Kauf. Im Amazonas-Dschungel kraxeln bemitleidenswerte Indianer mit einer Satellitenschüssel auf dem Rücken in Regenwaldbäumen herum. In der afrikanischen Wüste nehmen Tuareg und Lastwagen-Reisende einen mehrstündigen Umweg in Kauf, um eine improvisierte Antennenanlage zu erreichen.

Schwachstelle: Bemühter Humor

Das sind unterbewusst schöne Gegenentwürfe zu den Bildern aus dem Jahr 2006, zu den deutschen Fanmeilen und dem Public-Viewing-Wahnsinn. Fußball ist eben überall auf dem Globus ein extremes Gemeinschaftserlebnis. Nur die Frauen dieser Welt, will uns Olivares glauben machen, die können mit dem Gekicke grundsätzlich nichts anfangen.

„Das größte Spiel der Welt“ krankt überhaupt an seinem recht bemühten Humor. Dieser stellenweise ziemlich flachwitzige Ethno-Slapstick erinnert an „Die Götter müssen verrückt sein“, nur ohne Cola-Flasche. Die Landschaftsaufnahmen sind allerdings atemberaubend. Man nehme nur die Eingangssequenz, die das Eismeer im Altai-Gebirge aus dem Blickwinkel eines fliegenden Adlers zeigt. Da merkt man: Auf diesem Spielfeld fühlt sich Gerardo Olivares wirklich wohl.