Bundesliga-Spitzenreiter

Von Krise bei Borussia Dortmund keine Spur

Der BVB hat nach zwei Unentschieden wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden und einen hochverdienten Sieg über Aufsteiger St. Pauli eingefahren.

Schlechte Nachrichten für die Konkurrenz: Borussia Dortmund zeigt keine Anzeichen einer Krise. Dennoch wirkte der Sieg wie ein kleiner Befreiungschlag, auch wenn es nach dem Abpfiff niemand so recht eingestehen wollte. Nach zuletzt zwei Remis und der Diskussion um die schwache Chancenverwertung ging Nationalspieler Kevin Großkreutz nach dem 2:0 (1:0) über den FC St. Pauli fast trotzig in die Offensive: „Noch liege ich mit meinem Tipp richtig, dass wir bis zum Saisonende kein Spiel mehr verlieren."

Zumindest in der Rückrunde blieb der Bundesliga-Tabellenführer als einziges Team weiterhin ungeschlagen. Die indirekte Kampfansage von Großkreutz an Bayern München, Gegner im Top-Hit des 24. Spieltages am kommenden Samstag, sehen die Borussen gelassen. „Kevin darf so etwas sagen. Der trägt das Herz auf der Zunge“, meinte Nuri Sahin. Und im Überschwang der Gefühle nach dem ersten Heimsieg des Jahres legte Großkreutz nach: „Wir spielen den geilsten Fußball. Und was die Ausbeute angeht: Keine Mannschaft der Welt nutzt jede Chance, auch Barcelona nicht.“

Angeblich sei die Abschlussschwäche nie ein Grund zur Beunruhigung gewesen, versuchte Trainer Jürgen Klopp zu versichern. „Es ist doch klar: Wenn du mehr Chancen erarbeitest, ist auch die Chance größer, dass du mehr vergibst. Das wird durch viele Statistiken bestätigt“, dozierte der 43-Jährige, „allerdings gehört auch immer Glück dazu“.

Auch gegen die Gäste aus Hamburg, die mit dem Rückenwind eines historischen Derbysieges am vergangenen Mittwoch beim Hamburger SV (1:0) angereist waren, ließen die Borussen sechs Hochkaräter ungenutzt, bevor Lucas Barrios (39.) mit seinem zehnten Saisontreffer das erlösende 1:0 erzielte und das Eis brach. „Es hat mich gefreut, dass die Jungs das Tor noch vor der Pause gemacht haben“, berichtete Klopp sichtlich erleichtert.

Seine Mannschaft habe „konzentriert und konsequent, gepaart mit großer Leidenschaft gespielt und nach den Diskussionen um Chancen und Ausbeute ihre Prüfung bestanden“, sagte der BVB-Coach. „Die Jungs sind klasse damit umgegangen“, ergänzte Klopp, zumal sie gegen St. Pauli eindrucksvoll ihren Spaß am Fußball demonstrierten.

Von Beginn an sah sich St. Pauli trotz einiger Bemühungen um wirkungsvolle Offensivaktionen im Rückwärtsgang. 28:3 Torschüssen wies die Statistik nach dem Schlusspfiff aus und spiegelte die Kräfteverhältnisse auf dem frisch verlegten Rasen der mit 80.720 Zuschauern ausverkauften Arena wider. „Wir haben wieder 90 Minuten guten Fußball gespielt und gezeigt, dass wir in keiner Krise stecken, wie man uns von außen einreden wollte“, meinte Nationalspieler Marcel Schmelzer.

Kompakt, harmonisch sowie kämpferisch präsentierte sich der designierte Meister gegen St. Pauli und holte die Derby-Helden von ihrer Wolke sieben schnell wieder auf den harten Boden der Realität. „Dortmund war uns in allen Belangen überlegen. Das war indiskutabel, desolat, einfach eine Katastrophe. Wir hatten noch nie so viele Totalausfälle und in keiner Phase die Gelegenheit, das Spiel offen zu gestalten“, meinte ein frustrierter Trainer Holger Stanislawski.

Nach der ersten Rückrunden-Niederlage ließ der Ex-Profi kein gutes Haar an seiner Mannschaft. Mit dem 0:2 sei sie noch gut bedient gewesen, stellte Stanislawski treffend fest. Nun müsse man das Spiel schnellstens verarbeiten, „denn gegen Hannover brauchen wir eine tausendprozentige Leistungssteigerung.“ Dass Eigentor von Ralph Gunesch (49.) kurz nach der Pause passte an diesem Nachmittag ins Bild.