Saisonauftakt

Die Formel 1 stößt in Bahrain an ihre Grenzen

| Lesedauer: 4 Minuten
Robert Dunker

Foto: REUTERS

Der kurzfristig aus politischen Gründen abgesagte Saisonauftakt am 13. März in Bahrain zeigt: Die Formel 1 stößt mit ihrem Expansionsstreben an Grenzen.

Die Rolle des Hiob überließ Bernie Ecclestone (80) nur zu gern dem Gastgeber. Bahrains Kronprinz Salman bin Hamad Al-Khalifa machte in einer Presseerklärung das Aus offiziell, und der Formel-1-Chefpromoter war erst mal aus dem Schneider. Wäre Ecclestone Absender der Rennabsage gewesen, hätte er auf die Antrittsgage im Wüstenstaat verzichten müssen. So wird der wegen der blutigen Aufstände geplatzte Saisonstart am 13. März wohl ein Versicherungsfall. „Es ging hier nicht ums Geld“, beteuerte Ecclestone, der die Entscheidung, die Boliden nicht in Bahrain kreisen zu lassen „sehr bedauerte“.

In Verdacht geraten, für die Caritas zu arbeiten, ist der geschäftstüchtige Brite allerdings auch noch nie. Fast jedes Jahr drängten neue Spielorte in den Kalender des PS-Zirkus, seither hält Ecclestone die Hand auf. Wer will, dass die Formel 1 auftritt, muss stolze Antrittsprämie überweisen. Neumitglieder wie Indien dieses Jahr oder Russland 2014 im erlesenen Kreis müssen besonders viel investieren, die Rede ist von hohen zweistelligen Millionendollarbeträgen im Jahr.

Vor zehn Jahren ließ Ecclestone 17-mal in der Saison die Rennautos auffahren, so viele, wie er seinen Vertragspartnern schriftlich zugesichert hatte. Elf Rennen fanden damals in Europa statt. In diesem Jahr gibt es 20 Grands Prix, zwölf davon jenseits des Kontinents, von dem der Sport stammt. Das Expansionstreben ist mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Bahrain ist der erste Grand Prix, der aus politischen Gründen abgesagt wurde. 1995 fiel das Rennen in Aida aus, weil ein Erdbeben Japan verwüstet hatte. Der Grand Prix von Belgien 1985 wurde wegen vergleichbar lapidarer Probleme gestrichen: Der neu verlegte Asphalt hielt nicht. Doch schon die Premiere in Südkorea vergangenes Jahr wäre beinahe geplatzt, weil die Bauarbeiten ins Stocken geraten waren.

Ungeachtet dessen sprach Ecclestone von einer Verschiebung, nicht aber einer Absage des Rennens in Bahrain. Wie aber einen Ersatztermin finden? Das Saisonfinale dauert bis zum 1. Advent und ist nur unterbrochen von einer vierwöchigen Sommerpause im August, eine der wenigen Urlaubsgelegenheiten für Teammitglieder. Ecclestone hätte noch was frei, dann wäre es fast schon Winter. Am 20. November, aber das würde mit Abu Dhabi und Sao Paulo – den Brasilianern hat Ecclestone das Saisonfinale zugesichert – drei Rennen in drei Wochen bedeuten. Vieles deutet daraufhin, dass die Formel 1 erst 2012 an den Persischen Golf zurückkehrt. „Es ist ja nicht so, dass wir knapp an Rennen wären. Wir hatten voriges Jahr 19 Rennen, und es sieht so aus, dass wir dieses Jahr ebenfalls 19 haben“, sagt Ex-Weltmeister Niki Lauda.

Die Piloten halten sich bedeckt. Überhaupt zeichneten sich die Szeneattraktionen am Anfang der Krise nicht durch Meinungsstärke aus. Rekordweltmeister Michael Schumacher fand es am Freitag „zu früh“ für ein Statement, nun schrieb er auf seiner Homepage: „Wie so viele meiner Formel-1-Kollegen finde auch ich, dass die Absage der Veranstaltungen in Bahrain eine gute Entscheidung war.“ Red-Bull-Champion Sebastian Vettel wollte in Bahrain fahren, falls entschieden werde, dass es sicher sei. Teamkollege Mark Webber war einer der wenigen Akteure, der bereits vor der Absage Mitgefühl mit den Bahrainern zeigte und zur Absage riet. „Es ist eine Tragödie.“

Mit der demonstrierten Einigkeit war es schnell dahin. Gestern wurde hinter den Kulissen um strategische Vorteile gefeilscht. Reifenhersteller Pirelli wollte eine heißere Unterlage als den Asphalt von Barcelona durchsetzen, um die schwarzen Walzen zu testen. Auch Ferrari stand der Sinn nach Wärme – die Scuderia hätte es eher ins südspanische Jerez gezogen als nun am 8. März an den Circuit de Catalunya, wo die Teams zum letzten Mal vor Grand-Prix-Start in Australien am 27. März üben. Und selbst in Melbourne ist nicht nur kollektiver Jubel über die unverhoffte Ehre eines Saisonauftakts ausgebrochen. Bürgermeister Robert Doyle rechnete vor, dass das Rennen den Steuerzahler knapp 37 Millionen Euro koste und er eine Fortsetzung des alljährlichen Spektakels über Vertragsende im Jahr 2015 hinaus für fraglich halte.

Bisher gibt es nur einen Sieger: das McLaren-Team. Die Briten mit Lewis Hamilton und Jenson Button am Steuer gewinnen etwas Zeit, ihren noch wenig zuverlässigen und etwas störrischen McLaren auf Kurs zu bringen.