Glücksspiel

DOSB legt eigenen Entwurf für Staatsvertrag vor

Eine Viertelmilliarde Euro durch eine Sportwettenabgabe, Millionen-Einnahmen beim Sponsoring, lizenzierte Wett-Anbieter – der deutsche Sport hat einen eigenen Entwurf für den neuen Glücksspielstaatsvertrag vorgelegt und könnte davon in ganz erheblichem Maße profitieren.

Selbst konservativ geschätzt könnte eine Einigung auf die Öffnung des Wettmarktes für private Anbieter dem gemeinnützigen Sport jährlich etwa 80 Millionen Euro einbringen, ohne weitere positive Nebeneffekte berücksichtigt zu haben. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Sporthilfe haben den Vorschlag gemeinsam entwickelt. Erstes Ziel ist, den Sportwettenmarkt kontrolliert auch privaten Anbietern zu öffnen. Damit soll verhindert werden, dass die milliardenschweren Sportwetten-Umsätze weiter zu 95 Prozent am Staat vorbeifließen. Zunächst soll das „duale Modell“ für zwei Jahre getestet werden.

„Der gemeinnützige Sport lebt im Wesentlichen von Einnahmen aus den Lotterie-Erträgen. Da gibt es ein staatliches Monopol, das beibehalten werden soll. Im wachsenden Bereich Sportwetten funktioniert das jedoch nicht“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper: „Der staatliche Anbieter Oddset hat 200 Millionen Euro Umsatz, der Gesamtumsatz wird aber auf drei bis sieben Milliarden Euro geschätzt.“

Künftig sollen Lizenzen für private Anbieter ausgestellt werden, die drei bis zehn Prozent des Wett-Umsatzes als Sportwettenabgabe zahlen könnten. „Das Konzessionsmodell ist an Auflagen gebunden, alle würden somit unter denselben Bedingungen arbeiten. Den Abgabensatz müsste der Staat erst definieren“, sagte Vesper.

Ein Drittel dieser Einnahmen (besagte 80 Millionen Euro) könnte schließlich in den Breitensport und gemeinnützigen Sport fließen – aber ausdrücklich nicht in den Fußball, der sich dafür jedoch hohe Sponsoring-Einnahmen (z.B. Trikot und Banden) verspricht. Im Raum steht eine Summe im dreistelligen Millionenbereich. Bisher darf für Sportwetten nicht geworben werden.

Der Bereich Lotto soll laut Vesper auf eine „neue Begründung gestellt werden“. Bislang wurde das staatliche Monopol mit der Suchtgefahr begründet, was sich allerdings als „nicht haltbar erwies. Künftig lautet die Begründung: Schutz vor Manipulation und Betrug.“

Die DFL wünscht sich schnellstmöglich „Rechtssicherheit im europäischen Kontext. Gefragt ist eine Lösung, die Lotto und Sportwetten in einer Form neu ordnet, dass alle davon profitieren“, sagte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung. „Mit der Ausarbeitung eines Entwurfs hat der Sport der Politik jetzt einen konkreten Vorschlag gemacht, der die Vorteile des dualen Systems für alle Akteure herausstellt.“

Der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag läuft Ende 2011 aus und muss der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) angepasst werden, der das staatliche Monopol in der jetzigen Form gekippt hatte. Am 12. März berät die Ministerpräsidenten-Konferenz über eine neue Lösung. Alle 16 Bundesländer müssen dem neuen Glücksspielstaatsvertrag zustimmen.