Bob-WM

Bundestrainer Langen würde am liebsten selbst fahren

Am Freitag beginnt am Königssee die Bob-WM. Im Interview mit Morgenpost Online erklärt Christoph Langen, warum er als Bundestrainer neue Wege gehen möchte.

Foto: picture-alliance / Camera4 / picture-alliance / Camera4/Camera4

Wenn Christof Langen früher als Bobpilot den Eiskanal hinunter raste, galt er stets als einer der Favoriten. Bei den Weltmeisterschaften, die am Freitag am Königssee beginnen, möchte der zweimalige Olympiasieger und siebenmalige Weltmeister ebenfalls Medaillen holen – in seinem neuen Job als Bundestrainer, den er im Juli vergangenen Jahres antrat. Zunächst schickt der 48-Jährige in den Zweierkonkurrenzen am Freitag und Samstag die Frauen sowie Samstag und Sonntag die Männer ins Rennen.

Morgenpost Online: Herr Langen, wie ist es denn, neben der Bahn zu stehen und die ganze Verantwortung zu tragen – möchten Sie nicht manchmal gern selbst wieder in den Bob springen?

Christoph Langen: Doch, ich sag’s ganz ehrlich: Manchmal denke ich, ich wäre jetzt lieber Aktiver, dann wüsste ich, was ich jetzt mache. Natürlich ist es erst mal eine riesengroße Verantwortung, denn wir sind ja nicht gerade eine kleine Bob-Nation. Das rein Sportliche macht mir keine Sorgen, da kenne ich mich aus, aber alles andere ist neu. Als Chef läuft ja alles über meinen Schreibtisch. Da muss ich mich genauso einarbeiten wie die Aktiven bei einem neuen Trainer.

Morgenpost Online: Wie kanalisieren Sie denn jetzt Ihren Ehrgeiz?

Langen: Ich versuche, dass die Jungs so wenig Fehler wie möglich machen, dass sie ihr Potenzial abrufen und von den Erfahrungen des Trainerteams profitieren. Immer innovativ sein, ist ebenso wichtig. Mein Ziel ist es, den Trend vorzugeben und nicht, ihm hinterherzulaufen.

Morgenpost Online: Und wann ist Ihr Sport der Wintersport Nummer eins in Deutschland?

Langen: Ich denke, nach den olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi/Russland. (lacht)

Morgenpost Online: Sie legen ein ordentliches Tempo vor.

Langen: In unserer Sportart kämpfen die Athleten um Hundertstel- und Zehntelsekunden, da gibt es keine lange Vorlaufzeit.

Morgenpost Online: Ihr Ziel als aktiver Sportler liegt jetzt beim Golf, war zu hören.

Langen: Mein Ziel ist, in unserer Golf-Clique der Beste zu sein – das ist wichtig. Der Peter Angerer (Olympiasieger im Biathlon 1984; die Red.) ist zum Beispiel im Moment noch besser als ich.

Morgenpost Online: Welches Handicap haben Sie?

Langen: Mein Handicap ist 18 – aber ich werde trainieren!

Morgenpost Online: Das haben Ihre Athleten auch getan. Im Zweier- und im Vierer-Wettbewerb der Männer starten jeweils vier deutsche Teams – ein schöner Einstieg für Sie als Bundestrainer.

Langen: Ja, in der Tat! Viel Arbeit, vier Teams, aber das war so gewollt, wenn wir schon zu Hause die Weltmeisterschaften haben.

Morgenpost Online: Was sind Ihre WM-Ziele?

Langen: Ganz klar: Platz eins bis vier, da brauchen wir nicht zu diskutieren (lacht). Ich sehe sehr große Chancen, dass wir genauso erfolgreich sind wie auf anderen Bahnen – natürlich auch bei den Frauen. Es werden enge Rennen, bei denen der Start eine große Auswirkung haben wird.

Morgenpost Online: Aber gerade den haben Sie kürzlich bei den Deutschen bemängelt.

Langen: In den vergangenen Rennen hatten wir am Start ein Manko. Deswegen hatten die Jungs vergangene Woche auch frei, damit sie mal nach Hause kommen und dann heiß auf die WM sind.

Morgenpost Online: Hatten Sie geahnt, dass Neuling Manuel Machata gleich den Gesamtweltcup im Viererbob gewinnt?

Langen: Ich hätte ihm zugetraut, dass er vorn mitfährt, aber dass er so eine Saison hinlegt, hätte ich nicht gedacht. Es ist aber auch ein bisschen Gefahr dabei, weil er immer an dieser ersten Saison gemessen werden wird. Wir müssen schauen, dass er von den Medien nicht aufgefressen wird, denn es wird auch mal nicht so gut laufen.

Morgenpost Online: Wie ist das zu schaffen?

Langen: Indem wir ihn normal behandeln, denn von meiner Seite aus gibt es bei uns keine Nummer eins, zwei und drei. Alle werden gleich behandelt und bekommen von mir jegliche Unterstützung.

Morgenpost Online: Was ist dieser Machata für ein Typ?

Langen: Ein zielstrebiger Typ, der genau weiß, was er will, der auch mal seine Meinung sagt und technisches Verständnis besitzt – er bringt alles mit, was ein Bobfahrer benötigt, auch eine gewisse Lockerheit. Er ist ein kleiner Lausbub.

Morgenpost Online: Wie meinen Sie das?

Langen: Er versucht, das ein oder andere herauszuhauen. Das fängt mit dem Frühstück an, wenn wir früh aufstehen müssen. Er schläft einfach sehr gerne; da muss man ihn schon mal zu sich holen und sagen: ‚So geht es nicht.’ Wenn um 5 Uhr Essenszeit ist, ist um 5 Uhr Essenszeit.

Morgenpost Online: Sie haben selbst im Bobsport viel erreicht, Ihr Vorgänger Raimund Bethge als Bundestrainer ebenso. Wie schwer wiegt die Last?

Langen: Der Raimund hat über 20 Jahre Sensationelles erreicht. Aber wir sollten nicht in der Vergangenheit wühlen. Wir müssen nach vorn schauen, andere Strukturen schaffen. Wir haben 20 Jahre einen gewissen Weg eingeschlagen, einen sehr erfolgreichen – da muss auf irgendeine Art und Weise aber mal etwas Neues kommen, sodass ein Ruck durch das Team geht. Die größte Veränderung war jetzt sicherlich der Trainerstab.

Morgenpost Online: Veränderungen machen nicht alle glücklich...

Langen: Dass nicht alle in die Luft gesprungen sind, als sie gehört haben, dass ich Cheftrainer werde, war mir im Vorfeld klar. Wenn es nicht hinhaut, weiß sowieso jeder besser Bescheid, und wenn es hinhaut, sind sie erst mal ruhig. Mich interessiert das aber relativ wenig.