Saisonstart am 27. März

Formel-1-Auftakt in Melbourne statt in Manama

Politische Unruhen und Militäraufmärsche verhindern den Grand Prix am Persischen Golf. Ex-Weltmeister Niki Lauda begrüßt die Verlegung.

Foto: dapd/DAPD

Zum ersten Mal seit langer Zeit war Norbert Vettel wieder einmal schneller als sein Sohn. Während der Weltmeister in Barcelona scheinbar unbeirrt Trainingsrunden absolvierte, um optimal präpariert die Mission Titelverteidigung zu beginnen, stornierte sein Vater seinen Flug nach Bahrain. Die Branche wertete das als handfestes Indiz für das, was seit Tagen im Raum stand und nun Fakt ist: Der Saisonstart der Formel 1 wird um zwei Wochen nach hinten verschoben; die politischen Unruhen in Bahrains Hauptstadt Manama inklusive aufmarschbereitem Militär und mindestens vier toten Zivilisten machen einen Start am 13. März unmöglich.

„In Bahrain kämpfen die Menschen um Demokratie. Ein Sportspektakel wie die Formel 1 hat da im Moment nichts zu suchen“, sagte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda im Gespräch mit der „Welt“. Der Aufstand gegen die Herrscherfamilie sei auch ein Aufstand gegen den Grand Prix. „Die Formel 1 in Bahrain ist ihr Projekt. Allein deshalb wäre es unglücklich, dort ein reguläres Rennwochenende durchzuführen.“

Nun müssen Teams und Fahrer schnellstens einen alternativen Vorbereitungsplan aus der Tasche ziehen, einen, der auf den 27 März und den Albert Park Circuit von Melbourne/Australien zugeschnitten ist. Dort wird nun das erste Rennen der Saison ausgetragen.

Die für kommende Woche angesetzten Testfahrten hatten die Teams bereits abgesagt. Stattdessen könnten vom 28.?Februar bis zum 2. März erneut in Barcelona Proberunden gedreht werden. Denkbar sind auch weitere Testfahrten in Jerez. „Für die Fahrer und Teams ist es ein Nachteil, dass sie die neuen Reifen nicht bei großer Hitze testen können. Andererseits müssen alle Rennställe gleichermaßen damit zurechtkommen“, sagte Lauda. „Die Pirelli-Mitarbeiter müssen sich nun in der Simulation ansehen, wie ihre Reifen reagieren, wenn sie 20 Grad wärmer werden. Das ist nicht optimal, aber auch keine unlösbare Aufgabe.“

Das Rennen in Bahrain soll in diesem Jahr komplett ausfallen und nicht – wie in den vergangenen Tagen spekuliert – Mitte November entweder vor oder nach dem Grand Prix im benachbarten Abu Dhabi ausgetragen werden. Das Saisonfinale würde demnach wie geplant am 27. November in Sao Paulo/Brasilien ausgetragen werden.

Gestern stimmte sich Chefpromoter Bernie Ecclestone mit Scheich Salman bin Hamad al-Chalifa ab. Laut Medienberichten oblag die Entscheidung, ob das Rennen stattfindet oder nicht, allein dem Königshaus. „Der Streckenbetreiber hat heute mitgeteilt, dass das Königreich Bahrain auf eine Austragung des diesjährigen Formel-1-Grand-Prix verzichtet, so dass sich das Land dem nationalen Dialog widmen kann“, hieß es in einem offiziellen Statement der Organisatoren des Rennens. Für Niki Lauda ist die Verlegung „die richtige Entscheidung. So entsteht niemanden ein finanzieller Schaden, und alle Beteiligten konnten ihr Gesicht wahren“.

Dieses Problem ist nun vorerst gelöst, ein ganz anderes wird den Sport wohl noch einige Monate begleiten. Die einfache Frage lautet: Wie klug ist es, Sportveranstaltungen von der Größe eines Formel-1-Rennens an Länder zu vergeben, die zwar eine prall gefüllte Staatskasse, aber wenig politische Stabilität bieten können? Die blutigen Unruhen in Bahrain mögen überraschend ausgebrochen sein, und wahrscheinlich sind sie bis zu einem Nachholtermin im November abgeebbt, aber womöglich wird dann schon das ebenfalls nichts besonders demokratisch organisierte Emirat Abu Dhabi von Aufständen erschüttert; es wäre dieses Jahr nicht das erste Land in der arabischen Welt.

Dass das russische Sotschi direkt an der brisanten Grenze zum verfeindeten Georgien liegt und jederzeit Schauplatz einer militärischen Auseinandersetzung werden kann, weiß Ecclestone spätestens seit 2008, als wie aus dem Nichts der Kaukasus-Krieg ausbrach. Trotzdem erhielten die Russen den Zuschlag: Von 2014 an, dem Jahr der olympischen Winterspiele in der Schwarzmeerstadt, gastiert dort auch die Königsklasse des Motorsports. Zumindest planen die Formel-1-Bosse das.