Torwarttausch

Derbysieg gegen HSV – Stanislawskis Meisterleistung

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Christian Görtzen

Im Derby gegen den HSV war der FC St. Pauli krasser Außenseiter. Den Sieg verdankte der Aufsteiger vor allem einer überraschenden Personalie.

Er hat sehr viel riskiert und alles gewonnen. Und noch dazu hat St. Paulis Cheftrainer Holger Stanislawski auf dem Gebiet der vertrauensbildenden Maßnahmen für ein Novum im deutschen Profifußball gesorgt. Fünf Wochen vor dem Derby beim HSV, das mit einem 1:0 für St. Pauli endete, hatte der Fußballlehrer mit dem Faible für psychologische Finessen seinem nominell dritten Torhüter, Benedikt Pliquett, zu verstehen gegeben, dass er im Spiel beim Stadtrivalen im Tor stehen werde. Pliquett sollte sich fokussiert auf diese Partie vorbereiten. Kein anderer Spieler war eingeweiht. Auch für sie war es eine große Überraschung, als sie zwei Stunden vor dem Anpfiff erfuhren, dass nicht der zuletzt tadellose Thomas Kessler oder Routinier Mathias Hain das Tor hüten würden, sondern dass Pliquett sein Bundesliga-Debüt geben würde.

Letztlich entwickelte sich das vermeintliche Vabanquespiel im Tor zu einer taktischen Meisterleistung. Sie war vielleicht nicht ganz so zugespitzt wie jene Maßnahme, die Hans Meyer vor fast genau vier Jahren als Trainer des 1. FC Nürnberg getroffen hatte, als er im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Hannover 96 (4:2) vor dem Elfmeterschießen seine Nummer eins Raphael Schäfer gegen den Ersatztorwart Daniel Klewer auswechselte und Letzterer zum Pokalhelden avancierte. Sie ging aber in die Richtung. Pliquett, den beim HSV niemand auf der Rechnung hatte, entwickelte sich im Derby zu einem Rückhalt des Aufsteigers. Seine Anwesenheit auf dem Platz besaß etwas Verwirrendes, seine ersten Paraden - aus Sicht des HSV - etwas Unheilvolles, dass er womöglich zu einem der Helden des Abends werden könnte.

Stanislawski setzte konsequent um, was er stets predigt. Er hatte in den vergangenen Wochen häufig betont, dass er seinem Kader voll und ganz vertraue, dass jeder Spieler die Qualität für die Bundesliga besitze und er deshalb keine Verstärkungen brauche. Im Derby gegen den HSV lebte er Verlässlichkeit und Vertrauen in seine Spieler vor. Und die werden das erkannt haben. Für Stanislawski gibt es jenseits der drei Punkte den Mehrwert, dass das Vertrauen der Spieler in seine Entscheidungen und Worte nochmals enorm gewachsen ist.