"Auszeit"

Ski-Weltmeisterschaft im Zeitalter des Recalls

Bei der Ski-WM in Garmisch konzentriert sich das Interesse zwar auf die Stars, aber auch talentfreie Exoten pochen auf ihre Minute im Rampenlicht.

Ob der Literatur-Nobelpreisträger Paul Heyse Ski fahren konnte, tut nichts zur Sache. Aber zu dichten wusste er, so viel ist sicher. Heyse schrieb: „Dilettant heißt der kuriose Mann / der findet sein Vergnügen dran / etwas zu machen / was er nicht kann.“

Wenn so einer auf Gleichgesinnte trifft, wird es besonders interessant. Das deutsche Fernsehunterhaltungsabendprogramm hat das erkannt und führt Männer und Frauen bar jedweden erkennbaren Talents am Nasenring durch den Dilettantenstadl, der allerdings nicht so heißt, sondern „DSDS“ oder „Das Supertalent“.

Eine Art inoffizielles Casting gibt es auch in Garmisch-Partenkirchen: es sind die Riesenslalom- und Slalomwettbewerbe der Ski-Weltmeisterschaften. Weil gar zu viele Länder auf die große Bühne drängen, gibt es dazu eine Vorqualifikation.

Um Aufnahme ins gestrige Riesenslalomrennen beispielsweise bewarben sich tags zuvor 123 Männer unter illustren Flaggen wir Irland, Haiti und Brasilien. Heute in der Slalom-Qualifikation wird es ähnlich sein. Um den Ansturm der als Exoten titulierten tollkühnen Männer auf zwei Latten zu bewältigen, findet die Vorausscheidung auf einer separaten Piste statt. Das findet nicht jeder gut.

„Man sollte uns feiern, nicht rausschicken“, sagte Hubertus von Hohenlohe (52) in der ARD: „Die Zuschauer wollen die Ersten und Letzten sehen. Das war schon bei den Gladiatoren im alten Rom so.“ Mexikos Pistolero der Piste bekleckerte sich allerdings auch nicht mit Ruhm – zum zweiten Durchgang trat er nicht mehr an. Recall verpasst, sozusagen.