Selbstmordgedanken

Die Abschieds-SMS hatte Pechstein schon geschickt

Bevor sie mit ihrem Ehemann von einer Autobahn-Brücke springen wollte, schrieb Claudia Pechstein noch eine SMS an ihren Manager.

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Claudia Pechstein hat in ihrer Autobiografie Selbstmordgedanken offenbart. Aus Verzweiflung über die Anklage des Weltverbandes ISU weger erhöhter Blutwerte hatte die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin im März 2009 daran gedacht, gemeinsam mit ihrem Ehemann Marcus Bucklitsch von einer Autobahn-Brücke zu springen. Das schreibt sie in ihrem Buch „Von Gold und Blut – Mein Leben zwischen Olymp und Hölle“, das am Montag in Berlin offiziell vorgestellt wird.

„Mir scheint eine schnelle und sichere Lösung die beste Option, um sich von dieser Welt zu verabschieden“, beschreibt die bis Februar 2011 gesperrte Berlinerin ihre Gedanken auf Seite 138 ihres Buches.

Vor ihrer Krise war sie mit erhöhten Retikulozytenwerten konfrontiert worden, die bei ihr bei der WM im Februar 2009 im norwegischen Hamar festgestellt worden waren. Der Weltverband ISU hatte in den Werten ein Indiz für Blutdoping gesehen und Anklage gegen sie erhoben. „Es ist der Moment, in dem man glaubt, dass das Leben seinen Sinn verliert. Es macht sich eine Leere breit, die droht einen von innen zu verschlucken“, erinnert sich Pechstein in ihrem Buch an die damalige Zeit.

„Ein Sprung, ein Sturz in die Tiefe, ein harter Aufprall. Und schon ist es vorbei“, schildert sie weiter ihre Selbstmordgedanken. Sie verfasste nach eigener Darstellung aber noch eine SMS: „Wir sind gleich unterwegs und suchen uns eine Brücke.“ Adressat war ihr Manager Ralf Grengel.

„Wenn meine SMS wirklich ein Hilferuf kurz vor der möglichen Apokalypse ist, dann verfehlt sie ihre Wirkung nicht“, so die 38- Jährige. Denn sofort nach ihrer Nachricht meldete sich Grengel: „Was soll der Scheiß?“, herrschte er sie an. Grengel redete auf sie ein. „So ein Weckruf hat mir in den letzten Tagen gefehlt“, schreibt Pechstein in ihrer Biografie. Ihr Manager ist auch Co-Autor des Buches.

Am 1. Juli 2009 war Pechstein von der ISU per indirektem Beweis gesperrt worden, die Sperre wurde vom Internationalen Sportgerichtshof CAS am 25. November 2009 bestätigt. Auch alle Versuche Pechsteins, ihre immer wieder beteuerte Unschuld in einer Revision des Urteils vor dem Schweizer Bundesgericht nachzuweisen, scheiterten. Pechstein nennt eine Blutanomalie als Ursache für die erhöhten Werte und beruft sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse von Hämatologen.

Ihre Sperre endet am 8. Februar 2011. Danach will Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin ihre Laufbahn fortsetzen und bei der WM im März in Inzell starten. Ihren Dienst als Bundespolizistin kann Pechstein indes derzeit nicht – wie von Bundesinnenminister Thomas de Maizière gefordert – versehen. Sie ist krankgeschrieben und in psychotherapeutischer Behandlung. Ihr Mann und sie haben sich mittlerweile getrennt