Fußball

Milde Strafen für geständige Angeklagte

Im ersten Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball können die Hauptangeklagten Nürettin G. und Tuna A. auf Haftstrafen von deutlich unter fünf Jahren hoffen.

Im ersten Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball können die Hauptangeklagten Nürettin G. und Tuna A. auf Haftstrafen von deutlich unter fünf Jahren hoffen. Das signalisierte das Bochumer Landgericht am Donnerstag. An Bewährungsstrafen sei jedoch nicht zu denken. Die Zahl der unter Manipulationsverdacht stehenden Spiele stehe dagegen noch nicht fest. „Die Anklagevorwürfe sind zahlenmäßig möglicherweise erheblich zu reduzieren“, sagte Richter Carsten Schwadrat.

Auch die noch nicht geständigen Stevan R. und Kristian S. müssen sich nach vorläufiger Einschätzung des Gerichts auf eine Verurteilung einstellen. Der bereits zwölffach vorbestrafte Stevan R. könnte am Ende sogar die höchste Strafe erhalten. Als besonders verwerflich stufte das Gericht den Versuch ein, Jugendspieler zu bestechen. „Damit haben sie jungen Sportlern möglicherweise die Karriere zerstört“, betonte Schwadrat. Der ehemalige Fußball-Profi Kristian R. könne ebenfalls nicht auf einen Freispruch hoffen. Es gebe konspirative Telefonate, die nicht zu erklären seien, hieß es.

32 verdächtige Spiele in acht Ländern, 23 Wettunternehmen von Mallorca über Lichtenstein bis nach Asien: Nach Ansicht der Richter könne niemand erwarten, dass der Prozess innerhalb weniger Monate abgeschlossen werde. Weil das Verfahren besonders im Fokus der Öffentlichkeit stehe, soll alles restlos aufgeklärt werden. Schwadrat: „Es soll nichts verhackstückt werden oder unter den Tisch fallen.“

Im Zweifel würden sogar noch Zeugen aus Asien geholt. Wie umfangreich der Prozess geworden ist, zeigt auch diese Zahl: Die Verteidigung hat inzwischen 86 Beweis-, Verfahrens- und Befangenheitsanträge gestellt. In der nächsten Woche sollen Angeklagte und Staatsanwalt Gelegenheit bekommen, die Zwischenbilanz der Richter zu kommentieren.

Noch hat Tuna A. die in der Anklage aufgeführten Zahlen zu Wetteinsätzen und Gewinnen nicht bestätigt. Der 55-Jährige erklärte allerdings, dass er bereit sei, Mindestbeträge zu akzeptieren. In diesem Fall könnte er gemeinsam mit Nürettin G. wohl doch noch mit einem zeitnahen Ende des Prozesses rechnen. Auch Stevan R. und Kristian S. sollen noch einmal Gelegenheit erhalten, ihr Verteidigungsverhalten zu überdenken. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag (24. Februar) fortgesetzt.