Tottenham Hotspur

England war für Rafael van der Vaart ein Schock

Vor dem Achtelfinale der Champions League gegen den AC Mailand spricht van der Vaart mit Morgenpost Online über die Premier League und den HSV.

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Seit dem vergangenen August steht Rafael van der Vaart (27) in Diensten der Tottenham Hotspur. Nach zwei durchwachsenen Jahren bei Real Madrid spielt der niederländische Mittelfeldprofi beim Tabellenvierten der englischen Premier League groß auf: In der Vorrunde der Champions League erzielte er zwei Tore und bereitete einen Treffer vor. Im Achtelfinalhinspiel heute (20.45 Uhr, Sky) tritt er mit Tottenham beim AC Mailand an, für den der frühere Bayern-München Profi Mark van Bommel, sein Nationalmannschaftskollege, spielt.

Morgenpost Online: Herr van der Vaart, glauben Sie an das Weiterkommen?

Rafael van der Vaart: Wir spielen zuerst auswärts und dann zu Hause an der White Hart Lane gegen Mailand. Diese Konstellation ist für uns von Vorteil.

Morgenpost Online: Sie sind mit den „Spurs“ Gruppensieger geworden, haben dabei vor allem zu Hause mit drei Siegen für Furore gesorgt.

Van der Vaart: Ja. Wir haben bereits in der Vorrunde Titelverteidiger Inter Mailand besiegt (3:1 – d.R.) und gezeigt, wie stark wir sind. Wir wissen, dass wir das auch gegen den AC Mailand schaffen können.

Morgenpost Online: Noch besser als in der Champions League läuft es für Sie in der Premier League. Dort sind Sie mit zehn Toren und sieben Vorlagen torgefährlichster Mittelfeldspieler der Liga. Verraten Sie uns Ihr Torgeheimnis?

Van der Vaart: (lacht) Das Toreschießen ist gar nicht so schwer, wenn du einen Riesenkerl wie Peter Crouch (2,01 Meter – d.R.) im Team hast. Ich schlage den Ball in den Strafraum, und Peter legt ihn mir dann per Kopf auf. Ich muss also zusehen, dass ich stets in seine Nähe komme.

Morgenpost Online: Dabei hat Tottenham Sie nicht als Torjäger, sondern für eine ganz andere Rolle verpflichtet.

Van der Vaart: Ja, ich spiele hier zentral als Spielgestalter, und auf dieser Position fühle ich mich sehr wohl.

Morgenpost Online: Bei Real Madrid mussten Sie auf dem Flügel spielen oder saßen gar auf der Bank. Sind Sie deshalb gegangen?

Van der Vaart: Manchmal gibt es einen Zeitpunkt, an dem du dich entscheiden musst: Bleibst du bei einem Klub? Gehst du besser zu einem anderen? Am letzten Tag der Transferperiode rief Tottenham an, und es war immer mein Wunsch, einmal in England zu spielen. Dennoch war es eine schwierige Entscheidung, weil ich den Klub und die Menschen in Madrid sehr mag.

Morgenpost Online: Wie gefällt es Ihnen und Ihrer Familie in London?

Van der Vaart: Das Leben in London ist schon anders als das in Madrid. In Spanien war immer schönes Wetter, das kann ich von England nicht wirklich behaupten. Aber London ist eine fantastische Stadt. Die Lebensart hier ist ähnlich wie die in meiner niederländischen Heimat.

Morgenpost Online: In England folgen Fotografen den Fußballstars gern auf Schritt und Tritt. Wie gehen Sie damit um?

Van der Vaart: Auch wenn ich Fußballprofi bin, bin ich ein ganz normaler Typ. Ich verstecke mich nicht und möchte essen oder einkaufen gehen, weil ich es gern mache. Und Fotos mit Fans zu schießen oder ihnen Autogramme zu geben, das ist auch kein Problem für mich.

Morgenpost Online: Wie schalten Sie sonst vom Fußball ab?

Van der Vaart: Ich spiele mit meinem Sohn Damian und bringe ihm das Fußballspielen bei. Ansonsten schaue ich Fernsehen oder DVDs. Wenn es die Zeit zulässt, spiele ich auch mal Tennis oder Tischtennis.

Morgenpost Online: Verfolgen Sie die Bundesliga noch regelmäßig?

Van der Vaart: Ja, sicher. Vor allem mein Ex-Team, den Hamburger SV. Ich schaue immer, wie die Jungs so spielen.

Morgenpost Online: Mit wem tauschen Sie sich über die Bundesliga aus?

Van der Vaart: Vor allem mit Joris Mathijsen vom HSV, mit dem ich befreundet bin. Manchmal telefoniere ich auch mit Bayerns Arjen Robben. Spätestens wenn wir uns alle bei der Nationalmannschaft treffen, tauschen wir Neuigkeiten aus den Ligen aus.

Morgenpost Online: Sie haben als Profi schon in vier europäischen Ländern gespielt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Van der Vaart: Ich denke, in den Niederlanden gibt es die beste Jugendarbeit. Die Liga ist nicht die stärkste, aber voll mit technisch gut geschulten Spielern. In der Bundesliga wird sehr körperbetont gespielt, in Spanien dagegen wird viel Wert auf technisch hochklassigen Fußball gelegt. England hat mich zunächst wegen des hohen Tempos geschockt, das kannte ich so nicht. Doch jetzt habe ich mich daran gewöhnt und kann sagen, dass die Liga hier stärker ist.

Morgenpost Online: Tottenham hat im Gegensatz zu anderen englischen Klubs nicht hemmungslos auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Für wen hätten Sie Geld ausgegeben?

Van der Vaart: Für Wesley Sneijder. Es ist ein ganz besonderes Feeling, mit ihm zu spielen. Wir haben schon als Jungs zusammen gekickt, bevor wir es dann ins Profiteam von Ajax Amsterdam schafften. Zum Glück spielen wir heute noch zusammen in der Nationalelf.

Morgenpost Online: Trotz des Tripels mit Inter und des zweiten Platzes bei der WM ging Ihr Freund bei der „Weltfußballer“-Wahl leer aus. Wie beurteilen Sie das?

Van der Vaart: Ich war zuerst schon überrascht, das Wesley nicht unter die Top Drei gewählt wurde. Aber wenn wir ehrlich sind, dann ist Lionel Messi aktuell der beste Fußballspieler der Welt. Von daher ist die Wahl gerecht.