Bundesinnenminister

Pechstein ärgert ihren Chef Thomas de Maizière

Claudia Pechstein muss wieder als Bundespolizistin zur Arbeit erscheinen, das hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière nachdrücklich klar gemacht. Aber da sie sich nun nach Ablauf ihrer Sperre wieder für den Eisschnelllauf-Weltcup qualifiziert hat, beantragte Pechstein sogleich bezahlten Sonderurlaub.

Claudia Pechstein fordert Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) heraus: Am Montag beantragte die Olympiasiegerin bei ihrem Dienstherren für die anstehenden Wettkämpfe der Eisschnelllauf-Saison einen bezahlten Sonderurlaub. Während ihr Anwalt Alexander Friedhoff den Antrag bei der Bundespolizei-Akademie einreichte, befand sich die 38-jährige Berlinerin gerade auf dem Flug zum Weltcup nach Salt Lake City, wo sie vor neun Jahren zwei Olympiasiege erkämpft hatte.

Nach Ende ihrer Zweijahressperre wegen überhöhter Blutwerte am vergangenen Dienstag war auch Pechsteins Krankschreibung aufgehoben worden. Bei der Bundespolizei hatte sie daher ihren Antrag auf Erholungsurlaub bis zum 11. März eingereicht und genehmigt bekommen. Nach Auffassung Pechsteins hat sich nun mit der Qualifikation für den Weltcup und ihrem Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft ihre persönliche Situation geändert. „Nach Paragraf 7 Nr. 81 der Sonderurlaubsverordnung für Bundesbeamte kann – wenn dienstliche Gründe nicht entgegenstehen – Urlaub unter Fortzahlung der Besoldung gewährt werden“ unter anderem für die aktive Teilnahme an sportlichen Welt- und Europameisterschaften, heißt es in ihrem Antrag. „Die tatbestandlichen Voraussetzungen liegen hier vor“, führte ihr Anwalt weiter aus. „Dienstliche Gründe sollten dem Antrag nicht entgegenstehen, sonst hätte man ihr ja nicht den Erholungsurlaub gewähren dürfen, der den gleichen Zeitraum betrifft“, erklärte Pechsteins Manager Ralf Grengel.

Einen Tag vor Ablauf der Sperre hatte die Bundespolizei Pechstein aus der Sportförderung entbunden und von ihr wieder Dienst als Vollzugsbeamte gefordert. Als Begründung hatte das Bundesinnenministerium (BMI) angegeben, dass Pechstein keine Chance mehr auf einen Olympia-Start habe und die Plätze in der Fördergruppe jüngeren Athleten vorbehalten sein sollten. Minister Thomas de Maiziere hatte zudem ihr Verhalten mit dem Wechsel aus Krankschreibungen und Urlaubsanträgen während der Sperre als „nicht stilbildend“ gerügt.

„In der Sportausschuss-Sitzung des Bundestages vom vergangenen Mittwoch wurde mehrheitlich betont, für die Beamtin Pechstein müssen die gleichen Regeln gelten, wie für alle anderen Beamten auch. Von daher sollte der Genehmigung des Antrages nichts im Wege stehen“, hofft Grengel. Vom BMI war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.