Eisschnelllauf

Pechstein-Start wird Medienereignis

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80 Journalisten kommen aus aller Welt, die Tribünen sind gut gefüllt: Das Comeback von Claudia Pechstein beschert Erfurt am Samstag einen Eisschnelllauf-Boom für einen Tag.

80 Journalisten kommen aus aller Welt, die Tribünen sind gut gefüllt: Das Comeback von Claudia Pechstein beschert Erfurt am Samstag einen Eisschnelllauf-Boom für einen Tag. „Es ist verrückt. Vor einem Weltcup kämpfen wir hier mit Plakaten und Flyern um jeden Besucher. Jetzt strömen die Leute von allein“, sagt Organisator Marian Thoms.

Pechstein hat sich für ihr Comeback die Test-Veranstaltung „International Race“ in der thüringischen Landeshauptstadt ausgeguckt. Bei dem wöchentlichen Jedermann-Wettbewerb verbessern junge Läufer ihre Zeiten. „Sonst kommt da nur die Oma mit oder mal die Eltern der Läufer“, sagt Thoms, Ehemann der zurückgetretenen Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms. Plötzlich steht die Weltpresse vor der Tür.

Um noch in diesem Winter im Weltcup zu starten, muss Pechstein eine Zeitnorm erfüllen. Kurzfristig wurde das Event beim Weltverband ISU angemeldet. Spannend findet Thoms das trotzdem nicht: „Es ist doch klar, dass sie die Zeit schafft. Sonst würde eine Claudia Pechstein doch nicht starten.“

Pechstein selbst ist kritischer. „Es muss an diesem Tag alles stimmen“, sagt die Berlinerin. Zwei Versuche hat sie am Samstag, um am kommenden Wochenende in Salt Lake City (USA) wieder einen Weltcup bestreiten zu dürfen. Ab 13.00 Uhr muss sie die 3000 m in 4:

15 Minuten laufen, anschließend die 1500 m in 2:03,50.

Pechsteins Sperre wegen erhöhter Blutwerte war am 8. Februar ausgelaufen. Die Berlinerin ließ zuletzt durch weitere medizinische Gutachten nachweisen, dass ihre schwankenden Blutwerte auf eine Anomalie zurückzuführen sind. Sie glaubt, dass sie auch nach Ablauf ihrer Sperre weiter schwankende Werte aufweist. Deshalb wird sie über den deutschen Verband (DESG) in der nächsten Woche eine Ausnahmegenehmigung beim Weltverband ISU beantragen. Bei ihrem ersten Start muss sie sich auf Dopingtests gefasst machen.

Ungeachtet des Streits mit der ISU ließ Pechsteins Trainer Joachim Franke durchblicken, dass die Zeitnorm für seine Läuferin kein Problem darstelle und im Vorfeld schon geknackt wurde. Zwar lag der Trainingsumfang zuletzt im Vergleich zu früher nur noch bei 50 Prozent, dennoch ordnete Franke seine Läuferin auf den langen Strecken hinter Martina Sablikova und Stephanie Beckert schon wieder auf Rang drei ein.

Skeptischer äußerte sich die Konkurrenz aus dem Ausland. „Es wird schwer für sie“, sagte Olympiasiegerin Christine Nesbitt. Die Kanadierin läuft derzeit von Sieg zu Sieg und greift nach dem Triumph im Gesamtweltcup. „Claudia hat eine negative Presse. Außerdem ist sie in der ganzen Zeit nicht jünger geworden“, sagte Nesbitt.

Sprint-Queen Jenny Wolf wollte sich zunächst auch nicht über Pechsteins Form äußern. „Man sollte erst einmal abwarten, wie sie läuft“, sagte die Olympiazweite. Wolf meinte aber auch: „Ich weiß nicht, wie sie drauf ist. Die Normzeit wird sie aber schaffen.“

( sid/ dpa )