Dauerregen

Hamburger Derby HSV gegen St. Pauli abgesagt

Wegen extremer Regenfälle ist die Partie des Hamburger SV gegen Lokalrivale FC St. Pauli am Samstagabend abgesagt worden.

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Das für Sonntagnachmittag (15.30 Uhr) vorgesehene Bundesliga-Derby zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli ist wegen extremer Regenfälle abgesagt worden. Die starken Niederschläge der vergangenen zwei Tage machen einen ordnungsgemäßen Spielbetrieb in der Hamburger Arena unmöglich. Die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingesetzte Platzkommission mit Schiedsrichter Günter Perl aus Pullach entschied am Samstagabend, dass die Partie wegen Unbespielbarkeit des Platzes entfallen muss. Da auch die Prognosen für Sonntag keine Wetterbesserung versprachen, wurde die Partie abgesetzt. „Es hat ganz einfach zu viel geregnet. Da war nichts zu machen“, sagte HSV-Pressesprechen Jörn Wolf.

Unmittelbar vor der Partie war in der HSV-Arena ein neuer Rollrasen verlegt worden. Die Arbeiten waren erst am Freitagabend abgeschlossen worden. Der HSV versicherte, dass nicht der rund 100.000 Euro teure Untergrund Schuld an der Absage trüge. Allein der Dauerregen der letzten 48 Stunden sei verantwortlich. Die Neuansetzung des Derbys wird zu Beginn der kommenden Woche bekannt gegeben.

Schon vor der Partie hatte es Unruhen gegeben. Am Donnerstag parkte eine ganze Reihe von Polizeiautos vor der Arena des Hamburger SV. 80 Beamte waren gekommen, um die Tribünen des 57.000 Zuschauer fassenden Stadions zu durchschreiten. Mitte der Woche hatten sie Rauchbomben gefunden, die von einigen „Fußballfans“ versteckt worden waren. Am Freitag und auch wenige Stunden vor dem geplanten Lokalderby wurde die Suchaktion wiederholt.

Mittelfeldspieler Fabian Boll, der nicht nur beim Millerntorklub unter Vertrag steht, sondern auch als Oberkommissar beschäftigt ist, fühlte sich berufen, die Anhänger beider Lager zur Fairness aufzurufen: „Lasst es uns unten auf dem Rasen austragen. Es sollte auf den Straßen keine dritte Halbzeit geben.“

Die Hamburger Polizei hat sich auf einen Großkampftag eingestellt. 1800 Einsatzkräfte sollen verhindern, dass es zu Ausschreitungen kommt. Denn für die Lokalrivalen hätte sportlich viel auf dem Spiel gestanden, dementsprechend angespannt waren die Fans. Der HSV kämpft um den Anschluss an die Europapokal-Plätze, St. Pauli gar um die Zugehörigkeit in der deutschen Eliteklasse. „Das Spiel ist für uns das wichtigste überhaupt in dieser Saison. Wenn wir eine Chance haben wollen, oben dabei zu sein, dann müssen wir gewinnen“, sagte Armin Veh, bevor er von der Absage des Spiels erfuhr. Der Trainer hatte sich sogar schon um das Nervenkostüm seiner Kicker gesorgt: „Ich hoffe, dass wir mit dem Druck fertig werden.“ Doch das wurde Samstagabend Makulatur.

Mit Bestürzung nahm Lokalrivale FC St. Pauli die Absage auf. Die Mannschaft hatte am Samstagvormittag auf ihrem Übungsgelände die letzte Trainingseinheit absolviert. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass jetzt in der schneelosen Zeit ein Spiel abgesagt werden muss“, sagte Teammanager Christian Bönig. „Ich muss jetzt jeden Spieler einzeln anrufen, um ihm die Nachricht zu überbringen.“ Der FC St. Pauli wollte das Spiel im eigenen Millerntor-Stadion auf zwei Videowänden übertragen. 12.000 Zuschauer sind erwartet worden. Die Technik muss nun wieder demontiert werden.

Dennoch verändert sich die Ausgangslage der beiden Vereine nicht. Während sich die Verantwortlichen und Profis des FC St. Pauli nach dem Aufstieg im vergangenen Sommer darüber im Klaren waren, dass es zum Abstiegskampf kommen würde, hechelt der HSV dem hohen Anspruch hinterher. Im Sommer hatten die Hamburger Granden ihrem 47 Millionen Euro teuren Profikader den Einzug in die Champions League als Saisonziel ausgegeben, derzeit belegte das Team nur den siebten Platz – und das Derby wird schon als „Finale“ betrachtet.

Veh hatte das Duell mit dem Stadtnachbarn zum Charaktertest ausgerufen. „Wer vor diesem Spiel nicht heiß ist, im eigenen Stadion gegen St. Pauli, der hat den falschen Beruf gewählt, dem ist nicht zu helfen“, sagte der Trainer.

Auf dem Prüfstand hätte auch das Verhältnis zwischen Mannschaft und Anhängern gestanden. Nach dem letzten Heimspiel der Hinrunde gegen Leverkusen (2:4) war es schon zu Demonstrationen vor dem Kabinentrakt und der Geschäftsstelle gekommen. Für das Derby sollten die Kräfte gebündelt werden, die Fanklubs hatten dazu aufgerufen, sich frühzeitig vor dem Stadion zu treffen, um auf den Zufahrtsstraßen ein Spalier zu bilden. Doch dazu kommt es nun nicht.

mit dpa