Bayer Leverkusen

Völler zu Ballack – "Er hat es selbst in der Hand"

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Über Ballacks Zukunft in der DFB-Auswahl wird spekuliert. Aber erst einmal muss der 34-Jährige bei Bayer Leverkusen seine Topform wieder erreichen.

Das Wetter war trostlos, als Michael Ballack am Freitagmittag mit den Kollegen von Bayer Leverkusen auf den Trainingsplatz trottete. Das graue Szenario passte zu der Schlagzeile der größten deutschen Tageszeitung, die feststellte: „Die Nationalelf braucht Michael Ballack nicht mehr!“

Der Nationalmannschafts-Kapitän zeigte sich von diesem Frontalangriff aber äußerlich völlig unbeeindruckt. Er ging im dunklen Trainingsanzug seiner Arbeit nach, schließlich hat der 34-Jährige nach zwei schweren Verletzungen und langen Pausen in den vergangenen acht Monaten Nachholbedarf. Am Ende der Einheit ging er mit dem Ballnetz auf dem Rücken kommentarlos an den Journalisten vorbei.

Wer sich äußerte, war Leverkusens Sportdirektor. „Im Grunde hat es Michael doch selbst in der Hand. Für uns ist das Thema zweitrangig. Für uns ist wichtig, dass er hier wieder funktioniert und in Topform kommt“, sagte Rudi Völler.

Die "Bild"-Zeitung behauptete zwei Tage nach dem 1:1 Deutschlands gegen Italien in Dortmund, dass Ballack nicht mehr benötigt werde. Sami Khedira von Spaniens Rekordmeister Real Madrid, aber vor allem WM-Star Bastian Schweinsteiger vom deutschen Meister Bayern München hätten auf Ballacks Position zentral vor der Abwehr mehr als überzeugt. Der 98-malige Nationalspieler Ballack hatte durch ein Foul von Kevin Boateng im FA-Cup-Finale mit dem FC Chelsea die WM-Endrunde in Südafrika verpasst und wegen einer weiteren Verletzung den Großteil der laufenden Saison gefehlt.

Rudi Völler geht sehr gelassen mit der ewigen Diskussion um den einst so unumstrittenen Leitwolf um. „Michael Ballack war lange einer unser wenigen Weltklassespieler. Es hat nun eine Veränderung gegeben, der Fundus von Talenten hat sich vervielfacht. Das ist auch sehr schön“, sagte der Weltmeister von 1990 mit Blick auf Spieler wie Mesut Özil und Thomas Müller oder die in dieser Saison so überragenden Kandidaten wie Mario Götze, Mats Hummels oder Sven Bender.

Das hatte sich vor dem Jahreswechsel noch ganz anders angehört, als zum Beispiel WM-Spielführer Philipp Lahm in der Kapitänsfrage seinen Hut in den Ring geworfen hatte oder Bundestrainer Joachim Löw in einem Interview erklärte, irgendwann müsse jeder erkennen, „dass die Zeit vorbei ist, in der man Top-Leistungen bringen kann“. Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hatte damals „Respektlosigkeit der Persönlichkeit Michael Ballack gegenüber“ beklagt.

„Wichtig ist, dass Michael mit Joachim Löw Kontakt hat. Michael wird sich seine Gedanken gemacht haben. Und er wird so reagieren, wie man reagieren muss. Ich bin optimistisch, dass er wieder in Topform kommt. Er ist kurz davor“, sagte Völler und ergänzte zum Thema Nationalelf: „Alles andere ist Zugabe. Ich persönlich würde mich für ihn freuen.“

Ähnlich wie Rudi Völler hat sich auch Leverkusens Trainer Jupp Heynckes zu der Causa geäußert und auch ein wenig Kritik an der öffentlichen Erwartungshaltung geübt. „Wenn ein Spieler nach einer so langen Verletzungspause ein Spiel über 90 Minuten macht, wird sofort wieder spekuliert: Wann kann er wieder für die Nationalmannschaft spielen? Das ist etwas, was ich nicht nachvollziehen kann. Er soll erstmal bei uns Fuß fassen, seine Matchpraxis kriegen, seine Leistung steigern, im Training intensiv arbeiten - und dann kann man weitersehen“, sagte Heynckes, fügte dann aber etwas süffisant an: „Der Bundestrainer kann abwarten, das, was er bisher auch so famos gemacht hat.“

( sid/fb )