Final Four

Hauptsponsor droht Pokalsieger Kiel mit Ausstieg

Nach dem Meistertitel auch der Pokalsieg: Ungeachtet der Betrugsaffäre, der Ermittlungen und des Rücktritts von Manager Uwe Schwenker spielt der THW Kiel die beste Saison der Vereinsgeschichte. Doch die Aufklärungsarbeit im Verein verläuft so schleppend, dass der Hauptsponsor mit Rückzug droht.

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Stefan Lövgren schaute schon vor der Zeremonie leicht bedröppelt, er ist recht erfahren in Champagnerduschen auf dem Podium. Als er am Sonntagnachmittag in der Hamburger Color Line Arena den Handballpokal in Empfang nahm, platterte es also wieder heftigst auf den 38 Jahre alten Schweden des THW Kiel ein. Der Kapitän nahm die obligatorische Tat seiner Mitspieler aber mannhaft, reckte das Objekt der Begierde gen Hallendach und stampfte schließlich völlig durchnässt in die Kabine.

Vier der sechs Kieler Pokalsiege hat Lövgren nun miterlebt, der am Sonntag durch ein 30:24 (15:12) im Finale gegen den VfL Gummersbach dürfte dennoch eine Besonderheit gewesen sein, es ist der letzte seiner Karriere gewesen. Im Sommer macht der Spielgestalter Schluss. „Jetzt werden wir schön feiern, ich bin aber so kaputt, dass ich drei freie Tage gebrauchen könnte.“

Lövgren durfte auch deshalb jubeln, weil Kiels zweiter Erfolg nach der Titelverteidigung in der Meisterschaft ein weiterer Beleg für die erfolgreiche Trotzarbeit der Männer von der Förde war. Ungeachtet der Manipulationsvorwürfe, staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und des Rücktritts von Manager Uwe Schwenker verrichten Kapitän und Kollegen ihren Dienst auf dem Spielfeld so verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk. Es scheint gar, als habe die vermeintlich schlimmste Affäre im deutschen Handball die verbliebene Belegschaft des Rekordmeisters eher gestärkt denn geschwächt. „Wir wollen einfach nicht verlieren, das ist unser Erfolgsgeheimnis“, sagte Torhüter Thierry Omeyer.

In der Liga schickt sich Kiel an, den eigenen Rekord und den von Lemgo (Meister mit jeweils nur sechs Minuspunkten) zu brechen, und in zwei Wochen steht das Duell um Europas Krone an. Im Champions-League-Finale treffen die Kieler zunächst daheim auf die teuerste Vereinsmannschaft der Welt, Ciudad Real. Eine Woche später findet das Rückspiel in Spanien statt. Es könnte für die Kieler also erneut eine Saison des totalen Triumphes geben, so wie 2007, als der THW Meisterschaft, Pokal und Champions League gewann. „Jetzt“, sagte Nationalspieler Dominik Klein, „wollen wir uns den letzten Pokal auch noch holen.“

Gerade der Sieg im Europacup von 2007 steht allerdings im Fokus, Kiel soll ihn mit Schmiergeldzahlungen von insgesamt 152.000 Euro abgesichert haben. Doch die Aufklärungsarbeit der unrühmlichen Affäre verläuft auch im Verein derart schleppend, dass der Hauptsponsor Provinzial mit dem Ausstieg drohen soll. Das Versicherungsunternehmen fordert laut „Spiegel“ eine Neugliederung der Gremien und nach der Demission Schwenkers weitere personelle Konsequenzen im Klub. Die Spieler indes scheint die seit zwei Monaten vorherrschende Unruhe nicht zu belasten. „Wir spielen Handball, das andere haben wir nicht zu klären“, sagte Kreisläufer Marcus Ahlm. „Ich hoffe aber, dass die Sache schnell geklärt wird.“

HSV-Desaster beim Final Four

Den erneuten Kieler Erfolg im so genannten Mekka des Handballs vermochten derweil die eigentlichen Hausherren am Sonntag nur noch als Zuschauer zu verfolgen. Nach einer desaströsen zweiten Hälfte hatte der HSV Hamburg am Samstag in der eigenen Arena gegen Altmeister Gummersbach im Halbfinale 27:35 (17:13) verloren und damit auch die letzte Chance auf einen Titel und die erhoffte Rettung einer durchwachsenen Saison verstreichen lassen. „Wir sind geschockt“, sagte Rückraumspieler Blazenko Lackovic mit Tränen in den Augen.

Dass Trainer Martin Schwalb dem Desaster in Halbzeit zwei nichts entgegenzusetzen hatte, könnte ihn nun den Job kosten. Vereinsboss Andreas Rudolph, der seit 2005 rund 15 Millionen Euro in den Klub investiert hat, antwortete auf die Frage nach dem Trainer nur: „Dazu sage ich nichts. Ich bin leer.“