Handball

Bundesligist DHC Rheinland stellt Insolvenzantrag

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Während die Hängepartie um die Zukunft von Bundestrainer Heiner Brand auch am Montag weiterging, kassierte der deutsche Handball nach der WM-Schmach von Schweden den nächsten Tiefschlag. Bundesligist DHC Rheinland wird am Dienstag beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag stellen.

Das bestätigte Geschäftsführer Heinz Lieven am Montag. „Der Spielbetrieb wird zunächst aufrechterhalten. Ich habe aber wenig Hoffnung, dass sich ein neuer Sponsor findet", sagte Lieven dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Sobald der Insolvenzantrag eingereicht ist, steht der DHC Rheinland als erster Bundesliga-Absteiger fest. Das bestätigte Geschäftsführer Frank Bohmann von der Handball-Bundesliga (HBL) dem SID. „Das wäre bedauerlich. Aber das ist das Risiko in der Sportart Handball, die sich aus Sponsoring-Erträgen finanziert", sagte Bohmann.

Manager Bob Hanning von den Füchsen Berlin regte an, aus der traurigen Situation das Beste zu machen und hat eine revolutionäre Idee. „Die Bundesligaklubs könnten dem DHC bis zum Saisonende kostenfrei ihre eigenen talentierten Spieler schicken, damit der Spielbetrieb aufrechterhalten werden kann. Und die Talente bekommen Spielpraxis", sagte Hanning dem SID. Bohmann will über diesen Vorschlag unter anderem mit dem Insolvenzverwalter sprechen.

Die Insolvenz der Rheinländer ist die neueste Baustelle im deutschen Handball. Abgesehen vom schwachen Abschneiden bei der WM in Schweden und der ungeklärten Brand-Personalie steht die Verlängerung des Grundlagenvertrages zwischen HBL und dem Deutschen Handball-Bund (DHB) weiter in den Sternen. Die Liga hatte diesen fristgerecht gekündigt. Die dritte Gesprächsrunde findet am 11. März statt.

Beim Lizenzierungsverfahren war der DHC Rheinland nicht auffällig geworden. Alle wesentlichen Verbindlichkeiten und Versicherungsträger konnten nach Informationen der HBL bislang gedeckt werden. Ausschlaggebend für die wirtschaftliche Misere ist wohl die Pleite des Hallen-Namensgebers. Dadurch fehlt dem DHC Rheinland eine Summe von geschätzten 350.000 Euro. Zuletzt waren Gespräche mit vier japanischen Unternehmen gescheitert.

Bohmann zeigte sich von der Entwicklung in Dormagen überrascht, sieht aber „keine Versäumnisse" im Lizenzierungsverfahren der HBL. „Man kann nichts machen, wenn ein Sponsorpartner ausscheidet und seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann", sagte Bohmann.

Derzeit ist noch nicht klar, ob die Mannschaft am Mittwoch bei den Füchsen Berlin und am Sonntag gegen MT Melsungen überhaupt noch antritt. Der Mannschaftsbus steht wegen des Insolvenzverfahrens ab Dienstag nicht mehr zur Verfügung. Allerdings werden die Füchse ihrem Gegner einen Bus zur Verfügung stellen. „Der Ausfall des Spiels würde uns zwischen 80.000 und 100.000 Euro kosten, der Bus

2000 Euro. Außerdem wollen wir dem DHC Zeit geben, die Dinge zu ordnen", sagte Hanning.

Die Spieler des DHC Rheinland, die erst am Montag informiert wurden, erhalten fortan statt ihres Gehalts ein Insolvenzgeld. Sie können sich zudem in der Wechselfrist bis zum 15. Februar einen neuen Verein suchen. Die Lizenzunterlagen für die kommende Saison müssen bis zum 1. März eingereicht werden. Auch eine Meldung für die zweite Liga ist nach derzeitigem Stand der Dinge kein Thema.

( sid/pk )