Ski alpin

Viktoria Rebensburg gewinnt die WM-Generalprobe

Beim Weltcup-Riesenslalom in Zwiesel war keine Skirennfahrerin schneller als die Olympiasiegerin. Aber im deutschen Lager herrscht Alarmstimmung.

Erst gab es eine Blamage, der zweite Teil der Generalprobe aber lief nach Wunsch: Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg hat am Sonntagnachmittag das letzte Rennen vor der alpinen Ski-WM gewonnen. Einen Tag vor der Eröffnungsfeier in Garmisch-Partenkirchen, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erscheinen will, gelang der 21 Jahre alten Bayerin am Großen Arber bei Zwiesel der zweite Weltcup-Sieg ihrer Karriere. Sie überdeckte damit den missratenen WM-Test von Felix Neureuther beim Riesenslalom im österreichischen Hinterstoder (Rang 29) - vor allem aber präsentierte sich Rebensburg als zweite deutsche WM-Hoffnungsträgerin neben Maria Riesch.

Viktoria Rebensburg siegte nach der Verschiebung des Riesenslaloms auf Sonntag und einer Verkürzung der Strecke im Stile eines Champions. Trotz eines schweren Patzers im Finale brachte sie ihre Führung aus dem ersten Lauf ohne Probleme ins Ziel, die zweitplatzierte Federica Brignone aus Italien lag 0,53 Sekunden zurück, Dritte wurde Kathrin Zettel aus Österreich (0,89). „Ich habe keine Erklärung, warum ich so schnell bin. Ich habe nur versucht, Gas zu geben und Spaß zu haben“, sagte Rebensburg. Maria Riesch baute als Elfte ihren Vorsprung im Gesamtweltcup leicht auf 156 Punkte vor Lindsey Vonn aus den USA aus. Veronika Staber (Samerberg) gelang auf Rang zwölf das beste Weltcup-Ergebnis ihrer Karriere.

Der deutsche Sportdirektor aber schlägt Alarm. Vor dem ersten Rennen der WM (Super-G am Dienstag) würden die deutschen Ski-Rennläuferinnen noch einiges zu hören bekommen von ihm, kündigte Wolfgang Maier mit scharfer, eisiger Stimme in Zwiesel an. Der Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbandes (DSV) wollte sich vor allem die indisponierten Slalom-Fahrerinnen zur Brust nehmen - Maria Riesch ausdrücklich ausgenommen.

„Drei Medaillen“, sagte Maier, sollen es werden für die deutsche Mannschaft in den insgesamt elf WM-Wettbewerben bis zum 20. Februar. Doch die Einstellung einiger qualifizierter Läuferinnen passt Maier offensichtlich gar nicht. Die Slalom-Frauen galten vor der Saison als weltbeste Mannschaft, doch das Ergebnis am Freitag in Zwiesel nannte der erboste Maier schlichtweg „blamabel“. Von zehn Starterinnen kamen nur zwei ins Ziel, Katharina Dürr als Zehnte, Nina Perner als 14.

Der WM-Slalom findet erst am 19. Februar statt, neben Titelverteidigerin Maria Riesch sind dafür sechs Läuferinnen qualifiziert, doch Maier hatte nach der von ihm auch als „indiskutabel“ bezeichneten Generalprobe in Zwiesel die Faxen dicke: Nominiert wurden alle Qualifizierten, „das heißt aber nicht, dass sie auch alle starten dürfen“, sagte er erbost: „Anfang der Saison hatten wir fünf Starterinnen unter den besten 15“, aber dann seien alle außer Maria Riesch nur „eine Verteidigungspolitik gefahren. Die anderen schwimmen nur im Schatten von Maria, das geht so nicht.“

Beginnend mit dem Super-G am Dienstag muss es Maria Riesch aber ohnehin zunächst alleine richten. Unterstützung ist bis zum letzten WM-Wochenende nur von Viktoria Rebensburg zu erwarten - ein Start von Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl wird wegen Rückenprobleme dagegen immer unwahrscheinlicher. Bei den Männern ist ohnehin nur Felix Neureuther ein Medaillenanwärter, der Slalom der Männer findet allerdings erst am Schlusstag der WM-Wettbewerbe statt. Zuvor wird der Lokalmatador auch im Mannschaftswettbewerb und im Riesenslalom an den Start gehen.

Neureuther verpatzte am Sonntag die WM-Generalprobe. Beim Riesenslalom im österreichischen Hinterstoder, wo Philipp Schörghofer aus Österreich vor dem Olympia-Zweiten Kjetil Jansrud aus Norwegen (0,17 Sekunden zurück) sowie Olympiasieger Carlo Janka aus der Schweiz (0,20) seinen ersten Weltcup-Sieg feierte, kam der Partenkirchner nach einem schweren Patzer im zweiten Lauf nur auf Rang 29. „Das ist nicht besorgniserregend“, versicherte Neureuther, „ich bin trotzdem zuversichtlich für die WM.“ Erstes WM-Rennen der Männer ist am Mittwoch der Super-G, Neureuther aber will „erstmal das Weite suchen, damit ich runterkomme und mich auf die WM-Rennen konzentrieren kann.“