"Auszeit"

ARD und ZDF geht es um Quote, nicht um Moral

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF stecken die Gebührengelder nicht weiter in die Tour de France. Dopingskandale waren nicht der Grund.

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Freuen Sie sich auch schon so auf den 29. April? Nur ein Wort: Traumhochzeit. Prinz William und seine Kate werden in der Kutsche durch London gefahren und sich im Anschluss da Jawort geben. Und Deutschland ist live dabei. ARD und ZDF übertragen den ganzen lieben langen Tag live. Beide. Parallel. Wir sitzen also in der ersten Reihe, sehen mit dem Zweiten besser und mit dem Ersten auch noch.

Verschwendung von Gebühren, finden die einen. Verschwendung von wertvollem Sendeplatz, meinen die anderen. Recht haben sie alle. Gehör aber finden sie nicht. Schließlich lassen sich die Öffentlich-Rechtlichen ihre Quote nicht von irgendwelchen Besserwissern kaputt machen. Und im Sport besetzen sie ja schließlich auch jedes Ereignis zu zweit. Ob Fußball-WM, EM oder Olympia – der gebührenfinanzierte Doppeltross zieht Jahr für Jahr um die ganze Welt.

Nur nicht mehr durch Frankreich. Gestern entschieden die Fernsehmacher doch tatsächlich, ab 2012 keine Livebilder mehr von der Tour de France zu zeigen. Sie wissen schon, dieses Rennen der radelnden Pharmaprobanden, an deren Ende Jan Ulrich der ARD Interviews gab, sofern die Bezahlung stimmte. Rudolf Scharping, Kanzlerkandidat a.D., kommentierte die schlechte Nachricht mit ungewohnter Ironie: „Es zeigt, dass die Produktion einer Telenovela offensichtlich billiger ist als eine Radsport-Übertragung“, sagte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.

Und traf damit ins Schwarze. In der Begründung der Sender bleibt eines hängen: Es geht um die Quote, nicht um die Moral. Diese besitzen hingegen die Zuschauer, die den künstlich hochgezüchteten Athleten nicht mehr länger zusehen wollen. Und wem es immer noch anders geht, dem bleibt ja auch im Jahr 2012 Eurosport: zwar nicht doping-, dafür aber garantiert gebührenfrei.