Schwimm-EM

Schwacher Biedermann schmachvoll behandelt

Der deutsche Schwimmstar wurde bei der EM aus der Lagenstaffel gestrichen, die beim letzten Wettbewerb der Titelkämpfe auch noch disqualifiziert wurde.

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Die Lagenstaffel der Frauen hat am „grünen Tisch“ Bronze gewonnen und an einem schwarzen Schlusstag bei der EM in Budapest die Ehre der deutschen Schwimmer halbwegs gerettet. Mit insgesamt neun Medaillen blieben die Schwimmer unter dem gesteckten Ziel von elfmal Edelmetall. Die Lagenstaffel der Männer wurde am Sonntag beim letzten Wettbewerb disqualifiziert. Eine Schmach gab es zudem für Paul Biedermann: Der Einzel-Europameister wurde wegen seiner schwachen Vorlaufleistung aus der Staffel genommen.

Dabei hatte es am Samstag noch Grund zum Jubeln gegeben. Der neue Sprung-Star Patrick Hausding sicherte sich mit Synchronpartner Sascha Klein vom Turm seinen zweiten Titel. Herausragend war vor allem die Leistung der 16 Jahre alten Silke Lippok, die über 200 m Freistil nur an der Doppel-Weltmeisterin Federica Pellegrini aus Italien scheiterte.

Silber gab es auch für Daniela Samulski über 50 m Rücken und die 4x200-m-Freistilstaffel der Männer. Dabei unterbot Biedermann in 1:45,47 Minuten die Jahres-Weltbestzeit von Rekord-Olympiasieger Michael Phelps (USA) um 14 Hundertstelsekunden.

Das Quartett des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) mit Jenny Mensing (Wiesbaden), Caroline Ruhnau, Daniela Samulski (beide Essen) und Silke Lippok (Pforzheim) profitierte von der Disqualifikation der Russinnen, denen der Sieg wegen eines Wechselfehlers aberkannt wurde. In 4:03,22 Minuten lag die DSV-Staffel hinter Großbritannien (3:59,72) und Schweden (4:01,18).

„Das ist natürlich glücklich. Aber es ist egal, wie es zustande gekommen ist. Am Ende zählt die Medaille“, sagte Schlussschwimmerin Lippok, die nach Gold mit der 4x100-m-Freistilstaffel und Silber über 200 m Freistil den Medaillensatz komplett machte. „Ich habe die Augen zu gemacht und durchgeballert. Die letzten 10 Meter waren der Horror“, sagte Lippok.

Die Männer riskierten alles - und wurden bestraft. Ausgerechnet beim Wechsel zwischen den Hamburger Brüdern Steffen und Markus Deibler passierte das Missgeschick. Dabei hatte Markus Deibler im Finale den Vorzug vor Biedermann erhalten.

„Es gibt aber keine Vorwürfe. Wir haben alles riskiert. Das kann passieren“, sagte Deibler. In 3:35,38 Minuten hätten Stefan Herbst (Leipzig), Hendrik Feldwehr (Essen) und die Deibler-Brüder eigentlich die viertschnellste Zeit erzielt. Den Titel sicherten sich die Franzosen (3:31,32) vor Russland (3:33,29) und den Niederländern (3:33,99).

Auch Deutschlands Sprinter gingen leer aus. Über 50 m Freistil verpasste Dorothea Brandt (Neukölln) als Vierte in 24,71 Sekunden Bronze um vier Hundertstelsekunden. Ihren zweiten Titel sicherte sich die 32 Jahre alte Schwedin Therese Alshammar (24,45). Steffen Deibler (22,24) wurde ebenso Sechster wie Caroline Ruhnau (Essen) über 50 m Brust (31,84).

Über 400 m Lagen schwamm Yannick Lebherz (Darmstadt) auf Rang fünf (4:15,72). Franziska Hentke (Halle/Saale) verpasste über 200 m Schmetterling als Sechste (2:09,01) klar eine Medaille. Jaana Ehmcke (Potsdam) blieb über 400 m Freistil in indiskutablen 4:18,89 als 19. gleich im Vorlauf auf der Strecke.