Transferpolitik

Bayern will im Winter die halbe Abwehr verkaufen

Auch der spektakuläre Sieg im Pokal-Achtelfinale beim VfB Stuttgart befeuert die Münchner Personaldebatte um neue Verteidiger.

Foto: pa/dpa, Revierfoto, Peter Kneffel / pa/dpa, Revierfoto, Peter Kneffel/dpa/Thomas Eisenhuth

Es gibt Wörter, die Louis van Gaal mit Vorliebe nutzt. Unglaublich ist so eines, das inflationären Eingang in seine Ausführungen findet.

Am Mittwochabend aber war das van Gaal’sche „unglaublich“ durchaus passend, als der Trainer des FC Bayern über das zuvor Gesehene referierte. 6:3 (2:2) hatten die Münchner im Achtelfinale des DFB-Pokals beim VfB Stuttgart gesiegt.

Unglaublich fand van Gaal vor allem die Tatsache, „dass wir in drei Tagen elf Tore schießen, aber auch sechs bekommen.“ Bereits am Sonntag trafen beide Mannschaften in der Liga aufeinander. 5:3 endete die erste Begegnung. Mit diesen zwei Siegen, sagte der Münchner Trainer noch, könnten er und die Seinen frohe Weihnachten genießen, auch wenn ihn das Resultat nicht richtig zufrieden stellte, für die Zuschauer aber sei es ein Spektakel gewesen.

Das Spiel am Mittwoch war eines mit vielen Episoden. Mit solchen, die die schon seit Wochen andauernden Personaldebatten beim FC Bayern befeuerten. Aber auch mit Geschichten, die den Mythos Pokal bedienten. Mit der von Jörg Butt etwa, dem Münchner Torhüter, der beim Stand von 3:2 für die Bayern einen Elfmeter verursachte, den Strafstoß dann aber parierte.

Es war auch der Abend von Mario Gomez, dem mit seinem Tor zum 2:0 der 19. Treffer in den vergangenen 15 Pflichtspielen gelang. Oder aber der von Miroslav Kloses, der für Gomez eingewechselt wurde und seine ersten beiden Treffer seit drei Monaten erzielte. Oder aber jene Aktion von Bastian Schweinsteiger, die ihm wohl einen Spitzenrang in der ewigen Fairplay-Wertung sichern dürfte. In der 67. Minute wurde er von Khalid Boulahrouz zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Florian Meyer zeigte dem Stuttgarter Gelb-Rot. Schweinsteiger intervenierte, das Foul sei nicht sanktionswürdig gewesen.

Kurzum, es war ein denkwürdiger Abend, ein unterhaltsamer dazu. Neun Tore, ein Elfmeter, zwei Gelb-Rote Karten – auch Stuttgarts Kapitän Matthieu Delpierre musste vorzeitig vom Platz. Hochklassiger Fußball aber war es nicht, weil beide Abwehrreihen den Dienst verweigerten.

Weil auch die Münchner nach dem Motto agierten: Hauptsache vorne mehr Tore als hinten Fehler produzieren. „Wir sind in der Vorweihnachtszeit, da diskutiert man nicht über Fehler“, plauderte Münchens Präsident Uli Hoeneß dann auch mit der Großzügigkeit des Siegers. Es bedarf aber keiner großen Fantasie, um sich vorzustellen, welche Auswirkungen solche Aussetzer wohl in der Champions League hätten.

In München jedenfalls gibt es einige Personalien, bevorzugt im Defensivbereich, die die besinnlichen Tage reichlich hektisch werden lassen dürften. Martin Demichelis’ Abgang nach Spanien ist seit Donnerstagabend perfekt. Edson Braafheid darf ebenfalls gehen.

Und auch Daniel van Buyten bekam von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge signalisiert, dass er sich Gedanken machen solle. „Für ihn wird es nicht einfach, in die Mannschaft zu kommen.“ Im zentralen Bereich setzen die Münchner auf Rekonvaleszent Holger Badstuber, im Januar ist er wieder dabei, und Breno. Ein riskantes Unterfangen, zwei 21-Jährigen die Innenverteidigung zu überlassen.

Offiziell sind die Bayern auf der Suche nach einem Außenverteidiger. Sportdirektor Christian Nerlinger war jüngst in England, um Leighton Baines vom FC Everton zu beobachten. Einen „interessanten Mann“, nannte ihn Rummenigge. Doch jener ließ nun wissen: Er habe sich im Sommer an Everton gebunden. „Ich habe nicht die Absicht zu wechseln.“ Ausgang offen.

Unklar bleibt weiter die Causa Mark van Bommel. Am Mittwoch beorderte van Gaal seinen Kapitän frühzeitig auf die Bank, er wollte eine leichte Blessur erkannt haben. Von Missverständnis war hinterher die Rede. Eines, das keine Bedeutung habe. Fakt ist: Van Bommels im Sommer auslaufender Vertrag soll nicht verlängert werden. Das hat ihm der Verein jüngst mitgeteilt.

Mit Hoffenheims Luiz Gustavo haben die Münchner wohl schon Ersatz gefunden, auch wenn Rummenigge betont, es gäbe noch keine Entscheidung. Ob van Bommel im Winter geht? „Ich glaube nicht“, sagte Rummenigge. Er habe keine konkreten Gespräche mit anderen Klubs geführt, sagte van Bommel und nutzte dann eine Phrase, der sich Fußballer gerne bedienen. „Stand heute“, sagte er, „bleibe ich“.