Hannover 96

Slomka und Schmadtke streiten schon vor der Saison

Hannover 96 bewirbt sich um dem Abstieg: Schon vor Saisonbeginn beharken sich Trainer Mirko Slomka und Sportdirektor Jörg Schmadtke.

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Sein erster wichtiger Auftritt im Trikot mit der Nummer eins wurde von großen Sorgen überschattet. „Ich will mich hier etablieren. Aber ich hoffe auch auf eine ruhigere Saison als zuletzt“, sagt Florian Fromlowitz. Der Torhüter von Hannover 96, der nach dem Suizid seines Vorgängers Robert Enke im Herbst 2009 demonstrativ dessen Rückennummer übernommen hat, sollte im Testspiel gegen den FC Valencia einer Mannschaft den Rücken stärken, der keine ruhige Saison bevorstehen kann. Es gelang nicht ganz, die Niedersachen verloren 1:2.

Dies ist aber noch das geringste Problem der Hannoveraner: Die Finanznot ist so groß, dass der Kader äußerst dünn besetzt und damit die Rahmenbedingungen sehr schwierig sind. Weil sich Trainer Mirko Slomka und Sportdirektor Jörg Schmadtke zudem ein destruktives Kompetenzgerangel liefern, gilt das 96-Team als einer der ersten Anwärter auf den Abstieg in die 2. Liga. „Andere Vereine haben schon richtig Geld ausgegeben. Wir nicht“, sagt Schmadtke.

Bis auf das österreichische Abwehrraubein Emanuel Pogatetz (FC Middlesbrough) hat 96 noch keinen Profi verpflichtet, der berechtigte Hoffnung auf bessere Zeiten in der Bundesliga macht. Die Spielzeit nach der Enke-Tragödie und dem gerade so verhinderten Abstieg ist durch einen eisernen Sparkurs vorbelastet, den Präsident Martin Kind dem Verein verordnet hat. Und so betätigt sich Schmadtke längst als Verwalter des Mangels. Ein Umstand, den er erst gar nicht schön zu reden versucht: „Ich kann die Sorge der Fans angesichts unserer Personalpolitik verstehen.“

Was Schmadtke nicht darf, möchte Slomka aber unbedingt. „Wir dürfen uns mit 96 nicht kleiner machen, als wir sind“, sagt der ehrgeizige Trainer und fordert von seinem Sportdirektor Geld für namhafte Zugänge. Slomka bräuchte noch einen neuen Spielgestalter und einen guten Mann für das linke Mittelfeld. Nach seiner Rettungstat mit dem Klassenerhalt möchte er sich nämlich gerne als Trainer beweisen, der mehr als nur Abstiegskampf kann. Das kommende Jahr in Hannover dürfte daher durchaus Einfluss auf die weitere Karriere des Trainers nehmen, weshalb sich Slomka auch so angriffslustig gegenüber Schmadtke zeigt.

Der Streit hat aber böse Folgen: Neben einer desolaten Außenwirkung übt er auch Einfluss auf den Kader aus. Mit Christian Schulz mahnte bereits ein Routinier voller Sorge an, dass die Mannschaft unbedingt noch mit erfahrenen Profis verstärkt werden müsse. Dies scheint sogar den sparenden Kind überzeugt zu haben, der Zähne knirschend grünes Licht für zwei bis drei günstige Spieler gab. Trainer Slomka träumt von Hochkarätern wie Piotr Trochowski vom Hamburger SV. Sportdirektor Schmadtke aber fahndet lieber nach günstigen Perlen wie dem portugiesischen Angreifer Carlitos. Der Mann vom FC Basel wurde am Sonntag unter Vertrag genommen.

Kind nennt den Zwist zwischen Slomka und Schmadtke ein „gegenseitiges Miteinander“, das so schnell wie möglich ein Ende finden sollte. Weil es das Unternehmen Klassenerhalt gefährdet. Und weil es ganz schnell dafür sorgen kann, dass sich einer der beiden Streithähne nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen muss.

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