EM 2008

Wie Michael Ballack doch noch ins Finale kam

Der Kapitän spielt doch. Michael Ballack ist trotz Wadenverletzung für das EM-Finale gegen Spanien aufgestellt. Dass Bundestrainer Jogi Löw kurz vor dem Anpfiif nun doch mit seiner Wunsch-Elf antreten kann, hat nicht zuletzt ein Mann bewirkt.

Aufatmen bei Joachim Löw und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Am späten Sonntagnachmittag erhielt der Bundestrainer grünes Licht für einen Einsatz seines Kapitäns Michael Ballack im EM-Finale am Abend gegen Spanien in Wien. Die medizinische Abteilung mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Dr. Josef Schmitt an der Spitze hatte ganze Arbeit geleistet und den „Capitano“ trotz seiner Wadenprobleme rechtzeitig für das Endspiel fit bekommen. Bundestrainer Löw spielt mit Thomas Hitzlsperger und Torsten Frings, der sogenannten "Doppelsechs".

„Müller-Wohlfahrt macht das schon“, hatte zuvor bereits Ex-Nationalspieler Fredi Bobic vorausgesagt, der die Fähigkeiten des „Wunderheilers“ aus München und Boris-Becker-Freundes aus eigener Erfahrung kennt. „1996 hat Mull Jürgen Klinsmann für das Finale gegen Tschechien fitbekommen, obwohl dieser vier Tage zuvor einen Muskelfaserriss erlitten hatte“, erklärte der frühere Torjäger im DSF.

Bei Ballack war es zwar die Wade, die Prognosen für eine Finalteilnahme waren aber ebenso schlecht wie damals bei Klinsmann. „Es wird sehr eng. Im Moment sieht es nicht so aus, dass er spielen kann“, hatte der Bundestrainer noch am Samstagabend erklärt und in Tim Borowski und Bastian Schweinsteiger schon zwei Alternativen für die Position im zentralen Mittelfeld genannt. Teammanager Oliver Bierhoff hatte einen Einsatz Ballacks als „sehr unwahrscheinlich“ bezeichnet.

Der DFB-Kapitän, der 2002 das WM-Finale gegen Brasilien (0:2) in Yokohama wegen einer Gelbsperre verpasst und als Zuschauer Höllenqualen erlitten hatte, war aber wohl wild entschlossen, trotz seiner Schmerzen auf die Zähne zu beißen. Seit Freitagmorgen hatte der 31-Jährige über Schmerzen in der rechten Wade geklagt und konnte deshalb an den beiden letzten Trainingseinheiten seines Teams vor dem Match gegen die Iberer nicht teilnehmen.

Am Sonntagvormittag hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch ein großes Geheimnis aus dem Gesundheitszustand von Ballack gemacht und noch nicht mal verraten, ob der Mittelfeldspieler beim sogenannten Anschwitzen teilgenommen hatte. Dass sich der „Chef“ zu dieser Zeit aber weiter intensiv behandeln ließ, seine Wade Stück für Stück gelockert wurde, ist ein offenes Geheimnis.

„Für Michael Ballack ist es die große Möglichkeit, seinen ersten großen Titel zu gewinnen. Dafür rennt er, dafür kämpft er. Ballack ist der absolute Führungsspieler, er dirigiert die Mannschaft auf dem Platz. Ballack ist im Spiel gegen Spanien der Schlüssel zum Sieg“, hatte Franz Beckenbauer vorher schon prophezeiht. Da stand aber noch nicht fest, dass der England-Legionär vom FC Chelsea tatsächlich die große Chance hatte, sein Finaltrauma zu beenden. Denn nach insgesamt neun zweiten Plätzen wollte Ballack im Ernst-Happel-Stadion unbedingt den großen Wurf landen.

Die deutsche Mannschaftsaufstellung gegen Spanien: 1 Lehmann - 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm - 8 Frings, 15 Hitzlsperger - 7 Schweinsteiger, 13 Ballack, 20 Podolski - 11 Klose. - Trainer Löw.