Eisschnelllauf

Innenminister kanzelt Claudia Pechstein ab

Die Berliner Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bleibt Beamtin auf Lebenszeit bei der Bundespolizei. Allerdings geht Innenminister Thomas de Maiziere davon aus, dass ihre Sportkarriere beendet ist - Pechstein selbst eher nicht.

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Ein Strauß Blumen wird wohl nicht auf ihrem Schreibtisch stehen, wenn Claudia Pechstein spätestens kommenden Dienstag auf einer Berliner Dienststelle der Bundespolizei zur Arbeit erscheint. Denn für ihren obersten Dienstherren, Innenminister Thomas de Maiziere, ist die 38-jährige Spitzensportlerin von nun an „eine Polizistin wie jede andere auch“.

Das Disziplinarverfahren gegen Polizeihauptmeisterin Pechstein wurde, wie das Bundesinnenministerium (BMI) mitteilte, eingestellt; sie bleibt trotz ihrer zweijährigen Dopingsperre wegen erhöhter Blutwerte Beamtin auf Lebenszeit. Weil aber erneut ein Antrag auf Zulassung zum Training abgeschmettert wurde, muss sie nun Innendienst verrichten.

Die zuständige Bundespolizeiakademie in Lübeck eröffnete im Juli 2009 das Disziplinarverfahren. Nach einer Anhörung Pechsteins und Einsicht in die vielen unterschiedlichen Gutachten, die Pechsteins verdächtige Blutwerte zum Expertenstreit machen, kam der Ermittler zur Auffassung, dass immer noch „vernünftige Zweifel“ am Dienstvergehen, Doping, bestünden. Am 7. Juli setzte die Behörde die Pechsteinseite über den Bericht in Kenntnis. Und stellte klar, die Sportgerichtsbarkeit lasse auch die indirekte Beweisführung zu, wie die Sperre wegen erhöhter Retikulozytenwerte, das Disziplinarverfahren orientiere sich aber am Strafrecht, weshalb man „zu Recht zum Ergebnis (des Freispruchs) kommen“ müsse.

Dass der erfolgreichsten deutschen Winterolympionikin, die zuletzt ein halbes Jahr krankgeschrieben war, ein ausgedehntes Rennen auf Inlineskates möglich war, obwohl ein ärztliches Gutachten ihr Arbeitsunfähigkeit bescheinigte, stößt ihren Vorgesetzten übel auf. Obwohl Pechstein wohl formal nichts vorzuwerfen ist. Ihr Rennen fiel auf einen Urlaubstag. Arbeitsrechtlich befand sie sich aber in einer Grauzone. „Ich sage es mal so: Eine krankgeschriebene Beamtin hat alles zu tun, ihre Dienstfähigkeit wieder herzustellen“, brummte de Maiziere. Auch die medienwirksame Eröffnung einer Currywurstbude rief Unmut hervor. „Stilbildend“ sei ihr Verhalten nicht, kanzelte de Maiziere die umtriebige Rekonvaleszentin ab. „Sie legt Wert drauf, dass sie Polizistin ist. Jetzt lege ich Wert darauf, dass sie Polizistin ist.“ Pechstein teilte lapidar mit: „Ich habe volles Verständnis für die Erwartungshaltung meines Arbeitgebers.“

Auch für die vollmündige Ankündigung Pechsteins, in Sotschi 2014 ihre sechsten Olympischen Spiele zu bestreiten, kann sich das BMI nicht erwärmen. Es ist noch offen, ob sie nach Ablauf ihrer Sperre im Februar 2011 wieder in die Sportförderkompanie aufgenommen wird.