Werder Bremen

Özils Vereinstreue hat einen millionenschweren Haken

Eigentlich sollte Mesut Özils Bekenntnis zu Werder die Bremer freuen. Doch die Treue des Spielers bringt den Verein in die Zwickmühle.

Foto: picture-alliance / Pressefoto UL/picture alliance

Fernsehteams hatten sich zum Trainingsplatz des TuS Bad Waltersdorf in der Steiermark aufgemacht. Werder Bremen übt seit Tagen in Österreich für die neue Saison, das Interesse daran war bisher aber eher mäßig gewesen. Doch gestern gab es Berichtenswertes. Mesut Özils Ankunft wurde erwartet, der nach seinem WM-Urlaub das erste Mal wieder in Werder-Kluft zu sehen war.

Das reicht momentan, um als Attraktion durchzugehen. Denn Özil galt international als Wechselkandidat Nummer eins. Europas Topklubs wollten ihn, zumindest lauteten so die Spekulationen. Özil selbst stellte es am Wochenende so dar, dass alles ganz anders sei. Bei Werder Bremen steht er noch bis Sommer 2011 unter Vertrag, und so sagte er der „Bild am Sonntag“: „Zunächst ist doch die Situation für die nächsten zwölf Monate geklärt.“

Seine Aussagen zu seiner Zukunft sind zwar seit Monaten gleichlautend, doch mehr denn je bedürfen sie der Interpretation. Mit seinem Bekenntnis für Werder geht er als braver Spieler durch. Vertragstreue, das will er wohl vermitteln, ist für ihn noch ein Wert. Doch ganz so sittsam geht es in seinem Fall nicht zu. Özil liebäugelt mit einem Wechsel, den sein Management im Hintergrund fieberhaft betreibt und Werder unter den gegebenen Umständen nicht ausschlagen könnte.

Özils Berater Reza Fazeli gibt unumwunden zu verstehen, dass sein Klient die Bremer verlassen wird. Nur zitieren lassen mag der gewiefte Iraner sich nicht, und auch den Zeitpunkt von Özils Abgang lässt er offen. Denkbar wäre, dass er erst im nächsten Sommer Werder verlässt. Das zu erwartende Handgeld für einen ablösefreien Profi in der Kategorie des 23 Jahre alten Offensivspielers würde Özil und Fazeli mehr als glücklich machen. „Özil wird die erste Verstärkung von Real Madrid im Jahr 2011 sein“, berichtete am Montag die spanische Sportzeitung „As“.

Dieses ablösefreie Szenario aber wäre für Werder, um es mit den Worten des Bremer Managers Klaus Allofs zu sagen, „eine Katastrophe“. Denn die Bremer Klubpolitik und wirtschaftliche Maxime ist darauf ausgelegt, Topspieler beizeiten zu verkaufen, wenn die sich nicht länger an den Klub binden wollen. Allofs hat vor kurzem verkündet, dass die Verhandlungen mit Özil über eine Vertragsverlängerung gescheitert seien.

„Die fehlende Lücke konnte nicht mit Zahlen gefüllt werden“, hatte er gesagt. Weil Özils Abgang ohne einen Euro Erlös aber eine viel größere Lücke bei Werders Finanzierungsmodell hinterlassen würde, betont Allofs mittlerweile unverblümt seine Verkaufsbereitschaft. Etwa 15 Millionen Euro sollen ihm vorschweben, auf so eine Summe kann Werder nur schwer verzichten.

„Wenn ein Angebot kommt, werden wir umgehend mit Mesut und seinem Berater reden“, teilte Allofs deswegen mit. Werders Problem ist jedoch, dass es keine standesgemäße Offerte gibt, wie Allofs bestätigte: „Es gibt derzeit kein Angebot für Özil.“ Klubs wie Real Madrid oder der FC Barcelona, die der Özil-Seite vorschweben, sind für diese Saison personell bestens ausgelastet.

Um einen Wechsel nicht noch weiter zu erschweren, ist dennoch Eile geboten. Werder wäre an Verkaufsverhandlungen vor dem 17. oder 18. August gelegen. Da trägt der Klub die erste Qualifikationspartie für die Champions League aus. Würde Özil mitspielen, wäre er bei einem späteren Wechsel zu einem anderen, international vertretenen Klub für die Gruppenspiele des Wettbewerbs gesperrt – den Bremern würden damit Argumente für einen lukrativen Transferabschluss fehlen.