Triatholon

Beim 10. BerlinMan-Triathlon gab es nur Sieger

Alle 418 Sportler, die am Ziel ankamen, konnten sich am Sonntag am Wannsee freuen. Die Zuschauer feierten auch noch den letzten Kämpfer. Der Landesmeistertitel ging an Julia Leenders und Christian Hoffmann

Ein Sommer-Sonntag, warm, eher sogar heiß, etwas drückend und bestenfalls ein paar vereinzelte Schleierwolken am Himmel – nicht gerade der ideale Tag, um über Stunden sportliche Höchstleistungen zu bringen. Eher ein Sonntag, an dem man getreu dem Uralt-Schlager „Pack die Badehose ein…“ an den Wannsee fährt, ab und zu badet und die Zeitung liest. 405 Männer und 57 Frauen packten gestern auch ihr Schwimmzeug ein, aber auch das Fahrrad und die Laufschuhe und quälten sich über Stunden rund um das Strandbad Wannsee, beim 10. BerlinMan, einem Triathlon der mittleren Distanz, den die Morgenpost als Medienpartner begleitete. Bei den Männern siegte ein junger Mann aus Gera, der seit vier Jahren in Kassel studiert. Daniel Gebert, kam nach 2,2 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 20 km Laufen in einer Zeit von 4:05,15 Stunden ins Ziel, stürzte gleich erstmal mehrere Becher warme Cola in sich hinein und war total glücklich. „Das ist mein bislang größter Erfolg“, strahlte der 26-Jährige, der den Start beim BerlinMan mit einem Besuch bei Freunden verbunden hatte. „Während der Vorlesungszeit trainiere ich so acht bis zwölf Stunden die Woche, sonst auch mal 25 Stunden. Das ich hier in Berlin gewonnen habe, ist einfach riesig, denn das war mein geplanter Saison-Höhepunkt.“

Auch der Däne Jens Koefoed, der gut sechs Minuten nach dem Sieger als Zweiter ins Ziel kam, sprach umgehend der zuckrigen Limonade zu, Christian Hoffmann setzte sich, nachdem er 50 Sekunden hinter Koefoed die Strapazen hinter sich gebracht hatte, erstmal hin und stand dann auch längere Zeit nicht mehr auf. „Ich bin sehr zufrieden, hatte in keiner der Disziplinen Probleme und bin gut durchgekommen“, sagte Hoffmann, 29, der als Mechaniker in einem Fahrradgeschäft in Friedenau arbeitet und sich nach seinem dritten Platz hinter zwei auswärtigen Startern jetzt Berlin-Brandenburgischer Meister nennen darf. „Ich wollte unbedingt aufs Treppchen, bin als Vierter vom Rad gestiegen und habe beim Laufen noch einen gekriegt – ein optimaler Wettkampf.“

Erholung als vierte Disziplin

Während bei den Männern Gebert auf der Laufstrecke noch an die Spitze stürmte und Hoffmann noch auf Platz drei, war der Wettbewerb bei den Frauen vom Start bis ins Ziel die große Show der Julia Leenders. Die Referentin beim Landessportbund schwamm, radelte und lief am schnellsten. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagte die 27-jährige ehemalige Moderne Fünfkämpferin vom LTC Berlin, die gut sechs Minuten vor Evi Neuscheler vom SCC und rund 18 Minuten vor Antje Ungewickell (TuS Neukölln) ins Ziel kam. „Dass ich als erste aus dem Wasser kommen würde, wusste ich, aber mir ist auf der dritten Runde der Vorbau von meinem Fahrrad gebrochen und ich bin den Rest mit lockerem Lenker gefahren. Da hatte ich Angst, jetzt kämen alle von hinten. Aber ich hatte gute Beine und wohl einen sehr, sehr guten Tag.“

Ein Blick in den Zielraum, nur ein paar Schritte von der oft 25 Meter langen Schlange derer, die wirklich nur die Badehose eingepackt hatten und Einlass ins Strandbad begehrten, genügte, um zu wissen: 2,2 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 20 km Laufen an einem heißen, leicht schwülen Sommer-Sonntag ist nichts für Schwächlinge. Die vierte Disziplin scheint da Erholung zu sein. Man trinkt, tauscht Erfahrungen aus. Denen, die bis zu 7:30 Stunden nach dem Start hinter einem ins Ziel kommen, wird kaum Beachtung geschenkt. Als allerdings Regina Vollbrecht ins Ziel kam, unterbrachen alle ihre Gespräche und die Pflege der geschundenen Körper. Denn Regina Vollbrecht ist seit Geburt an blind, hatte die Distanz an der Seite ihres Partners Frank Druska hinter sich gebracht. Im Wasser und beim Laufen mit einem Band verbunden, die Radstrecke absolvierten beide auf einem Tandem. „Ich bin 2001 und 2002 schon bei einigen Ironman-Triathlons gestartet und hier jetzt das erste Mal über die mittlere Distanz“, sagte die 33-Jährige vom SCC, die sich zuletzt eher dem Marathon widmete und da auch seit 2007 den Weltrekord der Blinden hält, nach 6:14,27 Stunden im Ziel. „Mit meiner Zeit bin ich sehr zufrieden.“ Regina Vollbrecht ist eine von 418 Siegern, so viele kamen ins Ziel.