Eisschnelllauf

Claudia Pechstein kehrt zurück aufs Eis

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Marcel Stein

Foto: Bongarts/Getty Images

Genau 50 Tage nach Durchsetzung ihrer Sperre wegen auffälliger Blutwerte hat Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein in Berlin wieder ein Eis-Training absolviert. Zwar fühlt sich die Sportlerin nicht mehr "so als Aussätzige", doch bleiben Kollegen distanziert.

Nachdem sie die ersten Runden gedreht hatte, kam Claudia Pechstein noch einmal an die Umrandung der Eisbahn. Sie erkundigte sich, ob noch jemand Fragen hätte, es sei nicht gerade „mollig“ in der Halle und wie lange sie noch trainieren würde, wisse sie nicht. Pechstein sorgte sich um die Gesundheit der Fragesteller.

Letztlich unnötig, nur 36 Minuten dauerte die erste Einheit, die die 37-jährige Berlinerin nach der Aufhebung ihrer Trainingssperre durch den Internationalen Sportgerichtshof Cas wieder gemeinsam mit Athleten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) absolvierte. Weil der Weltverband ISU die fünfmalige Olympiasiegerin Anfang Juli wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt hatte, durfte sie das bislang nicht.

Eingewöhnen stand auf dem Plan

Die jüngste Zeit verbrachte sie daher allein – auf dem Fahrrad, auf Rollen. Nun wieder Eis, und nicht mehr allein. „Es ist natürlich schön mit der Gruppe, man fühlt sich nicht mehr so als Aussätzige“, sagte Pechstein. Ernsthaft zur Sache ging es in der Eisschnelllaufhalle im Sportforum noch nicht, „eingewöhnen“ stand auf dem Plan. Auch die Männer waren zuletzt nicht auf dem Eis. Pechstein übt meist Männern, weil es ihr mehr bringt. Am Montag hatte die Langstreckenspezialistin vier Sprinter an ihrer Seite und deren Bundestrainer Bart Schouten.

Allein an das Eis mussten sich Pechstein und die Männer nicht gewöhnen. Auch das Gefühl füreinander müssen sie erst wieder finden. Pechstein tat einiges dafür, es wurde gelacht, geplaudert. Es sah aus, als suchte die Sportlerin die Nähe der Kollegen. Am Ende wirkte sie zufrieden. Durch die Art des Trainings „war es nicht so viel miteinander, sondern mehr individuell“, sagte die Berlinerin und fand es „schön, dass Bart Schouten sich von sich aus gemeldet hat“ und ihr mitteilte, wann und wie trainiert wird.

Schouten hätte sich gefreut, wenn die zahlreichen Reporter wegen seiner Männer erschienen wären. Er versucht, die Angelegenheit professionell zu behandeln. „Aus menschlicher Perspektive muss man loyal sein. Das macht die DESG, und ich vertrete Verbandslinie“, sagte der Niederländer. Claudia sei oft dabei gewesen und es habe immer Spaß mit ihr gemacht. Jetzt sind die Gegebenheiten allerdings andere. „Aber ich habe kein Problem damit umzugehen“, so der Coach, „bei einigen Jungs ist das vielleicht anders.“

Im Oktober wird das Hauptverfahren eröffnet

Dieser Eindruck entstand durchaus. Distanziert wirkten manche Äußerungen. „Nichts ist so wie vorher“, befand Sprinter Samuel Schwarz. Die neue Situation bezeichnete er als „eine absolute Besonderheit“. Doch er habe keine Zeit, sich damit zu beschäftigen und müsse seine eigenen Ziele verfolgen: „Mittlerweile hat man akzeptiert, dass da was im Unklaren ist.“

Zur Klärung beitragen soll ein von Pechstein angestrebter Langzeittest unter Leitung der Nationalen Antidopingagentur (Nada). Pechstein betonte am Montag noch einmal: „Ich habe nichts getan.“ Im Oktober wird das im Hauptverfahren vor dem Cas erörtert. Bis dahin trainiert die Berlinerin, am Dienstag um 9.30 Uhr geht sie mit den Mehrkämpfern aufs Eis. Da wird es deutlich intensiver zugehen als am Montag.