Hertha-Manager zu Ablösen

Michael Preetz ist auch mit wenig Geld optimistisch

Gleich in seinem ersten Jahr als Hertha-Geschäftsführer muss Michael Preetz die Aufgabe meistern, mit wenig Geld gestiegene Ansprüche zu erfüllen. Morgenpost Online sprach mit ihm über explodierende Ablösen, schwierige Verhandlungen mit neuen Stars und seinen unveränderten Optimismus.

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Morgenpost Online: Schon 17500 verkaufte Dauerkarten, ein gut gestarteter Vorverkauf zum Saisonstart gegen Hannover – überraschen Sie solche Zahlen, Herr Preetz?

Michael Preetz: Nein, sie freuen mich ausschließlich. Wenn wir jetzt auf ein überdurchschnittliches Dauerkartenergebnis zusteuern, zeigt das, dass wir die Euphorie des Vorjahres mit in die neue Saison nehmen können, wie wir es uns vorgenommen haben.

Morgenpost Online: Ist der neuerliche Vertrauensvorschuss der Berliner auch Belastung?

Preetz: Wir haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass alle wissen müssen, wie und wo Hertha BSC momentan einzuordnen ist. Wir wissen, was die Konkurrenz leisten kann; aber wir wissen auch um unsere gewachsene Basis in der Mannschaft, um unseren Teamspirit und einen sehr guten Trainer.

Morgenpost Online: Auch andere Zahlen verblüffen: Die Bundesliga steuert bei den Transferausgaben auf eine neue Rekordmarke zu. Die insgesamt 171 Millionen Euro, die im Vorfeld der Saison 2007/08 investiert worden waren, werden wohl schon bald übertroffen sein. Staunen Sie auch?

Preetz: Teilweise, ja. Noch mehr würde ich mir wünschen, dass auch wir unseren Beitrag zu diesem neuen Rekord leisten könnten (lacht). Im Ernst: Unsere wirtschaftliche Situation ist bekannt, wir müssen maßhalten.

Morgenpost Online: Wie passen genannte Summen zur scheinbar allgegenwärtigen Wirtschaftskrise? Hat sie den Fußball anders als erwartet verschont?

Preetz: Die Auswirkungen sind schon zu spüren und werden auch noch stärker zu spüren sein. Eher ist es wohl so, dass durch einige große Transfers innerhalb der Bundesliga oder ins Ausland einiges Geld angehäuft wurde, das nun reinvestiert werden kann.

Morgenpost Online: Befeuert das mehr denn je die Bildung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Preetz: Wenn man sieht, wie wahnsinnig eng es vergangene Saison oben wie unten zuging, spricht das schon dafür, dass der Wettbewerb in der Bundesliga intakt ist. Ich rechne damit, dass sich auch die kommende Saison durch große Attraktivität auszeichnen wird.

Morgenpost Online: Dennoch gehört Hertha unwidersprochen zum weniger wohlhabenden Teil der Klubs. Bleiben Sie optimistisch, dass Hertha, der Tabellenvierte des Vorjahres, weiter mit den großen Klubs der Bundesliga mithalten kann?

Preetz: Ich sprach eingangs von Mannschaftsgeist, Taktik und unserem Trainer. Natürlich wollen wir Akzente setzen und für Überraschungen sorgen. Und wir haben ja durchaus nachgewiesen, dass wir uns in der Rolle des unterschätzten Außenseiters nicht unwohl fühlen.

Morgenpost Online: Herr Preetz, Ihr Dortmunder Kollege Michael Zorc nennt die Marktpreise „in einem gewissen Segment deutlich überhitzt“. Teilen Sie diese Einschätzung?

Preetz: Ja, absolut! Die Preisklasse Spieler, die einst drei Millionen kostete, ist inzwischen leicht dreimal so teuer. Normal sind solche Summen mitunter nicht mehr.

Morgenpost Online: Wie stark prägen Sie die wirtschaftlichen Nöte gleich zu Beginn Ihrer Tätigkeit?

Preetz: Es lässt sich schon sagen, dass ich so von Anfang an zu sehr genauem Hinsehen gezwungen bin. Jeder Transfer muss absolut passen, wenn wir unsere Ziele erreichen, also den Abstand nach vorne reduzieren und den nach hinten vergrößern wollen.

Morgenpost Online: Deswegen testet Hertha ab heute mit Andre Ayew einen jungen Franzosen für Mittelfeld und Angriff.

Preetz: Ja, das stimmt. Er wird für etwa eine Woche mit uns trainieren und soll auch in den Testspielen gegen St. Pauli und Lübars zum Einsatz kommen.

Morgenpost Online: Das gilt auch für Verteidiger Nemanja Pejcinovic. Gibt es Fortschritte in den Verhandlungen?

Preetz: Die Gespräche laufen. Es geht ums Geld. Aber klar ist, dass die Innenverteidiger-Position bei Neuverpflichtungen oberste Priorität hat.

Morgenpost Online: Der geringste Bedarf besteht im Angriff. Haben Sie denn noch Kontakt zu Andrey Voronin, der sich derzeit mit dem FC Liverpool auf die neue Saison vorbereitet?

Preetz: Nein, zurzeit haben wir keinen Kontakt. Dass beide Seiten Interesse aneinander haben, wurde mehrfach bekundet. Dazu fehlte schon im Mai das Geld. Aber vergangene Saison war seine Verpflichtung auch nicht geplant und kam erst am allerletzten Tag der Transferpflicht zustande. Was daraus wurde, weiß jeder: Joe Simunic war eminent wichtig – aber für mich war es vor allem Andrey Voronin, der den Unterschied ausgemacht hat. Er hat die Tore geschossen, die diese fantastische Euphorie ausgelöst haben.