Kolumne "Boxenfunk"

Schumacher wird viel zu früh abgeschrieben

Bei Mercedes fährt Michael Schumacher in einem Rennstall, der nicht so viel ins neue Auto investieren konnte wie andere Spitzenteams.

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Es ist nur noch schwer zu ertragen. Erst wird Michael Schumacher wie ein Messias gefeiert. Als Heilsbringer, der die kriselnde Formel 1 erlöst. Schwärmerisch war der Unterton vieler Kollegen bei der eilig einberufenen Telefonkonferenz am Vortag des Heiligen Abends, als sie den Erlöser nach den Beweggründen seines Comebacks befragten. Etwa drei Monate später, nach drei Rennen, ist vom einstigen Überschwang nicht mehr viel übrig geblieben. Im Gegenteil: Michael Schumacher wird hart kritisiert. Er sei nicht mehr der, der er mal war.

Wie verwunderlich, nach drei Jahren Pause. Sein Teamkollege würde ihn dauerhaft in den Schatten stellen. Ach, hat irgendwer jemals behauptet, Nico Rosberg sei ein Nasenbohrer? Fahrerisch gehört der junge Mann zur Spitze. Abgesehen davon ist er viel jünger, perfekt trainiert (übrigens von der gleichen Sportklinik wie Schumacher) und hat sich Chancengleichheit garantieren lassen.

Auch das war in Michael Schumachers Vergangenheit anders. Da hatte er immer den klaren Nummer-eins-Status. Bei Mercedes wird das nicht passieren. Sowohl Ross Brawn als auch Norbert Haug sind als absolut faire Sportsmänner bekannt. Und: Das Auto, das Schumacher jetzt fährt, war für Weltmeister Jenson Button konzipiert – mit klarer Tendenz zum Untersteuern, was Schumacher überhaupt nicht mag.

Der Messias kommt also nach drei Jahren Pause als 41 Jahre alter Rennrentner zurück in die Formel 1, zu einem Rennstall, der gerade Weltmeister geworden ist, von Mercedes gekauft wurde und der aus Budget- und Zeitmangel nicht so stark ins neue Auto investieren konnte wie andere Topteams. Und bei diesem Rennstall trifft er auf einen jungen, gut aussehenden und gebildeten Teamkollegen, der zu den Topfahrern im Zirkus gehört.

Michael Schumacher gewöhnt sich ein paar Rennen lang an das alte Leben, schneidet gut, aber nicht überragend ab – und wird schon wieder abgeschrieben. Dabei hat der Mann nur das, was vielen fehlt: Spaß an der Arbeit.

Peter Lauterbach (33) reist seit zehn Jahren mit der Formel 1 um die Welt und ist Reporter beim Pay-TV-Sender Sky. Er betrachtet jeden Montag die Formel 1 bei Morgenpost Online.