Wettskandal

Wettbetrüger wieder auf freiem Fuß

Milan S., Bruder des Drahtziehers des größten Wettskandal im deutschen Fußball, Ante S., ist wieder raus aus der Haft - gegen Auflagen. Offenbar ist er weniger tief verstrickt als bisher angenommen.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen Wettbetrüger Milan S. von der Haft verschont. Mittwochvormittag setzte sie den Haftbefehl gegen Auflagen vorläufig außer Kraft. Die Tatvorwürfe gegen Milan S. sollen sich als nicht so schwerwiegend herausgestellt haben, wie zunächst von den Ermittlern angenommen. Milan S. ist der ältere Bruder des mutmaßlichen Drahtziehers des zweiten Wettskandals um international verschobene Fußballspiele, Ante S. Die Bochumer Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch, dass ein Verdächtiger des Wettskandals aus der Haft entlassen wurde.

In dem bislang größten Wettskandal im deutschen Fußball waren Ende vergangenen Jahres fünfzehn Verdächtige festgenommen worden. Europaweit wurde damals gegen 200 Beschuldigte ermittelt. Inzwischen sitzen in Deutschland noch neun der Beschuldigten in Untersuchungshaft. Nach ersten Aussagen der Festgenommenen sind in der Türkei Anfang dieses Jahres weitere 73 Verdächtige festgenommen worden.

Die Ankläger gehen davon aus, dass mindestens 200 Spiele in neun europäischen Ländern verschoben worden sind, darunter 32 in Deutschland. Den Beschuldigten wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Seit Juni 2008 ist der europäische Fußballverband Uefa in die Ermittlungen einbezogen, nicht dabei war jedoch der Deutsche Fußballverbund (DFB). Den entstandenen Schaden beim zweiten Wettskandal beziffern die Ermittler der Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft auf mehrere Dutzend Millionen Euro.

Betroffen sein sollen international drei Spiele der Champions League, zwölf der Europa League und ein U-21-EM-Spiel. In Deutschland sollen auch Zweit- und Drittligaspiele betroffen sein. Die Beschuldigten sollen bei asiatischen Wettanbietern hohe Summen auf manipulierte Spiele gesetzt zu haben. Die Wettgeschäfte liefen über einen Londoner Wettanbieter ab.

Anfang dieser Woche war im Zusammenhang mit dem Wettskandal ein erstes Urteil ergangen: Gegen einen 25 Jahre alten Profifußballer wurde eine zehnmonatige Bewährungsstrafe verhängt.

Schon im ersten Wettskandal vor fünf Jahren hatte Ante S. eine Schlüsselrolle gespielt. Damals verurteilte ihn das Berliner Landgericht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten, der an den Spielverschiebungen beteiligte Schiedsrichter Robert Hoyzer erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten.