Champions League

ManU-Fan wird in Rom Opfer einer Messerattacke

Vor dem Champions-League-Finale ist ein Fan von Manchester United durch Messerstiche verletzt worden. Englische Fans wurden in den letzten Jahren immer wieder in Rom Opfer von Messerattacken. Uefa-Präsident Michel Platini hofft noch immer auf einen friedlichen Finaltag. Denn er erlebte als Spieler ein furchtbares Endspiel.

Ein Fan des englischen Fußball-Meisters Manchester United ist am Mittwoch im Zentrum Roms im Vorfeld des Champions-League-Finales gegen den FC Barcelona durch Messerstiche verletzt worden. Der Anhänger wurde ins Krankenhaus eingeliefert, sein Zustand soll nicht besorgniserregend sein, teilten die Ärzte mit. Der ManU-Fan wurde mit drei Messerstichen und durch eine Flasche verletzt. Über den Täter wurde zunächst nichts bekannt.

Die Angst vor körperlicher Gewalt im Umfeld des Spiels ist so groß, dass das britische Außenministerium Reisewarnungen ausgegeben hatte. Um Ärger aus dem Weg zu gehen, riet die Behörde ihren Landsleuten, Plätze zu meiden, auf denen es in der Vergangenheit bei Auftritten englischer Teams Auseinandersetzungen gegeben hatte. Weiter hieß es in der Erklärung: „Gehen Sie nicht zu Fuß zum Stadion, benutzen Sie nicht die U-Bahn und seien Sie rund um den Bahnhof sehr wachsam.“

Die Warnungen kamen nicht von ungefähr. Fast bei jeder Dienstreise englischer Klubs in die ewige Stadt kam es in den vergangenen Jahren zu schrecklichen Zwischenfällen. Puncicate nennen die römischen Ultras ihre grausame Tradition, gegnerischen Fans ein Messer in den Rücken oder in den Hintern zu rammen. Im März 2006 wurden drei Fans des FC Middlesbrough auf dem Campo de Fiore niedergestochen. Im Dezember 2007 erlitten drei Anhänger von Manchester United das gleiche Schicksal, vor zwei Monaten erwischte es einen Arsenal-Fan in einem Bus.

Die schlimmsten Ausschreitungen fanden aber dort statt, wo morgen auch das Finale ausgetragen wird: im Olympiastadion. Im April 2007 flogen Flaschen in den englischen Fanblock. Als die Gäste zurückwarfen, stürmte die Polizei den Block und schwang die Knüppel. Elf Personen wurden so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus mussten. Im Internet kursierte ein Video, auf dem Beamte einer jungen Frau eine Kamera aus der Hand und ihr dann mit der Faust ins Gesicht schlagen.

Klub, Fan-Organisationen und sogar Amnesty International forderten im Anschluss eine offizielle Untersuchung. Vergeblich. Was sie bekamen, war eine Videobotschaft des römischen Kapitäns Francesco Totti, der sich bei der Frau entschuldigte. Diese bedauerte im Anschluss jedoch, dass sich weder Polizei noch Stadt bei ihr gemeldet hätten. Bereits im Rückspiel kam es in Manchester zu erneuten Ausschreitungen.

Dass die Lage sich noch einmal zugespitzt hatte, lag auch an den englischen Medien. Ausnahmsweise schürte nicht (nur) der Boulevard, sondern die „Times“ die Panik. Wochenlang forderte die Zeitung einen neuen Endspielort. „Wie viele Leute müssen noch niedergestochen werden, bevor die Uefa zustimmt, das Finale zu verlegen?“, fragte die Zeitung bereits im März. Dieser Tage druckte sie eine römische Innenstadtkarte , in die No-Go-Areas für den Tag des Finals eingezeichnet waren. Überschrift: „Sicher durch die Stadt der Messer“.

Dies wollte sich die römische Politik nicht gefallen lassen. Bürgermeister Gianni Alemanno verfasste einen offenen Brief. „Die Kampagne gegen uns ist beleidigend“, schrieb der er und versucht dies durch einen recht kruden Vergleich zu belegen. Gebe man bei Google die Worte „niedergestochen“ und „London“ ein, fände man rund zehnmal mehr Einträge als bei der vergleichbaren Suche mit dem Stichwort „Rom“.

Dennoch nimmt Alemanno den Finaltag ernst. Er beantragte beim Innenministerium zusätzliche Polizeikräfte und kündigte an: „Wir werden alles dafür tun, etwaige Störungen auf ein Minimum zu beschränken.“ 30.000 Fans aus England wurden erwartet, nur 19.500 haben ein Ticket. Dem Rest wird außer einem innerstädtischen Alkoholverbot erstaunlich wenig geboten: Es gibt kein Public Viewing.

Die Uefa hatte wohl tatsächlich eine Verlegung diskutiert, befand diese aber für zu kurzfristig. „Ich bin für die Fans verantwortlich und hoffe, dass alles gut geht“, sagte Michel Platini vor dem Finale. Als Uefa-Präsident könne er den Sport nicht immer genießen, da er manchmal mehr auf die Sicherheit achte müsse.

Zu eindringlich seien die Erfahrungen von 1985, als vor dem Finale zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool 39 Menschen ums Leben kamen. „Ich war damals als Spieler im Heyselstadion und werde niemals vergessen, was bei einem Fußballspiel Schreckliches passieren kann“, betonte Platini.