Champions League

Nur als Talente hatten Messi und Ronaldo Probleme

Das Champions-League-Finale Manchester United gegen den FC Barcelona ist die größte Verheißung, die der Fußball derzeit zu bieten hat. In Rom steigt das Duell der besten Ligen der Welt, das Duell der besten Klubs der Welt und das Duell der besten Spieler der Welt – die als junge Talente große Probleme hatten.

Der Trick ist nicht übel. Getarnt als Mitarbeiter einer Cateringfirma versuchte dieser Tage ein Dieb, sich Zugang zu den Büros von Manchester United zu verschaffen. Doch der Plan schlug fehl: Der hauseigene Sicherheitsdienst erwischte den Mann und jagte ihn vom Hof. Er wollte Karten für das Champions-League-Finale stehlen, wie ein Sprecher des Klubs bestätigte: „Die Tickets haben auf dem Schwarzmarkt einen Wert, der in die Tausende geht.“

Es mag vielen Menschen unsinnig erscheinen, dass andere Erdenbewohner bereit sind, bei Ebay 1099 Euro (plus 5,50 Euro Versand) für die Kurvenkarte eines Fußballspiels auszugeben. Wenn es aber eine Partie wert sein könnte, dann vielleicht die am Mittwoch im Olympiastadion von Rom (20.45 Uhr/live in Premiere Sat.1 und Morgenpost Online-ONLINE-Liveticker).

Manchester United gegen den FC Barcelona ist die größte Verheißung, die das Spiel derzeit zu bieten hat. Die ewige Stadt erlebt das Duell der besten Ligen der Welt, das Duell der besten Klubs der Welt und das Duell der besten Spieler der Welt. Cristiano Ronaldo trifft auf Lionel Messi. Mehr kann der Fußball nicht bieten. Findet auch Manchesters Kapitän Ryan Giggs, der schon manches großes Spiel bestritten hat: „Das ist ein Traumfinale, auf das wir uns alle freuen. Zwei große Klubs mit großer Geschichte, die Fußball auf die richtige Art und Weise spielen, weil sie so viele Klassespieler haben.“

Aus denen der aktuelle Weltfußballer und sein Stellvertreter herausragen. Auch wenn sie das Duell selbst kleinreden. „In Rom spielen zwei Klubs und nicht zwei Spieler gegeneinander. Ronaldo sieht das bestimmt genau so“, sagt Messi und hat mit seiner Vermutung recht. „Ich könnte ohne meine Mannschaft das Finale nicht gewinnen. Messi auch nicht“, sagt Ronaldo.

Trotz des zur Schau getragenen Teamgeists wissen beide, dass sie das Spiel allein entscheiden können. Selbst wenn sie wollten, könnten sie sich nicht dagegen wehren. Ihr Talent verbietet es.

Der Portugiese Ronaldo und der Argentinier Messi stehen über dem Spiel und seinen Zwängen. Auf den Taktiktafeln der Fernsehsender blinken ihre Namen zwar meist auf den Außenpositionen des Mittelfelds auf, zu bedeuten hat dies aber wenig. Die frei schwebenden Künstler dribbeln mit dem Ball, als sei dieser magnetisch, sie zirkeln ihn in den unmöglichsten Flugkurven aufs Tor, sie treten Freistöße mit chirurgischer Präzision, und sie spielen Kollegen mit Pässen so verblüffend frei, dass sich das Publikum in der Show eines Illusionisten wähnt. Oft genug spenden selbst gegnerische Anhänger Applaus. „Sie wurden bei der Geburt beschenkt“, sagt Manchesters Trainer Alex Ferguson.

Ronaldo wuchs auf Madeira auf, der Insel des ewigen Frühlings. Mit elf ging er in die Hauptstadt ins Internat von Sporting Lissabon, das mit Luis Figo bereits einen Weltfußballer produziert hatte. Der Junge aus der Provinz hatte es nicht leicht, wurde von den Stadtkindern wegen seiner Herkunft und seines Dialekts gehänselt. Ronaldo reagierte jähzornig und prügelte sich oft. Am besten wehrte er sich aber mit Fußball – zwischen zwei Toren konnte ihm keiner etwas anhaben. Da wirkten die anderen provinziell.

Die Attacken von damals hat Ronaldo nie vergessen. Noch heute benimmt er sich ab und an, als müsse er etwas beweisen. Ferguson hat ihm zwar die meisten Extravaganzen ausgetrieben. Es gibt aber noch Momente, in denen Ronaldo einen Haken zu viel schlägt, seinen Gegner unnötig demütigt oder mit großer Geste einen Elfmeter einfordert. Dann kommen Vorwürfe auf, er sei ein Ferrari fahrender, Brillanten im Ohr tragender Schnösel.

Lionel Messi und sein Kindheitstraum

Schön war Lionel Messi nie. Die Nase breit, die Augen klein, der Körper schmächtig. Und eigentlich ist Messi nur in Barcelona gelandet, weil er so aussieht. 1,60 Meter Körpergröße hatten ihm die Ärzte vorausgesagt, sollte er sich nicht einer Hormonbehandlung unterziehen. Diese konnte sich der in einem Stahlwerk arbeitende Vater nicht leisten. Da sich in Argentinien kein Klub an den Kosten beteiligen wollte, arrangierte ein Agent ein Probetraining in Barcelona. Messi war damals 13. Heute ist er 1,69 Meter groß und seinem Klub treu. Erst vergangene Woche hatte er Vertreter des neureichen Vereins Manchester City abgewimmelt, die ihm angeblich zehn Millionen Euro pro Jahr bezahlen wollten.

Mit City kann Messi aber nicht die Champions League gewinnen. Und diesen Kindheitstraum will er sich wie Ronaldo nun endlich richtig erfüllen. Während Ronaldo im Vorjahr im Finale gegen Chelsea auf dem Platz stand und das 1:0 erzielte, saß Messi bei Barcelonas Sieg 2006 über den FC Arsenal auf der Bank.

Dieses Schicksal droht ihm in Rom nicht. „Wir spielen den besten Fußball und haben deshalb den Titel verdient“, sagt Messi vor dem Finale. Und gibt dann doch zu, dass an diesem Abend nicht nur das Spiel zweier Klubs, sondern auch das Duell zweier Superstars ausgetragen wird. Er tut dies mit einem Lob, das zwar Ronaldo gilt, aber auch Messi selbst bestens beschreiben würde: „Er kann jedes Spiel entscheiden. Er ist brandgefählich und im Spiel Mann gegen Mann kaum zu stoppen.“