Kommentar

Barcelonas Triumph rettet die Champions League

Vielleicht war es unverdient, dass Chelsea das Finale der Champions League dermaßen unglücklich verpasste. Doch angesichts der Leistungen in dieser Saison freut sich jeder Fußball-Fan, dass die Außerirdischen aus Barcelona das Endspiel erreichten. Der ganz große internationale Erfolg ist eben doch nicht käuflich.

Wohl selten zuvor haben so viele Menschen bei einem Treffer für einen Klub gejubelt, der nicht unbedingt der ihres Herzens ist. Der finale Schuss von Iniesta gegen den FC Chelsea war ein Tor für das Gute im Fußball. Der FC Barcelona steht für Technik, Raffinesse, Inspiration und vollendete Ballkunst, er zelebriert dieses Spiel. Die Spieler tragen den Ball förmlich ins Tor nach einer Endlos-Stafette von Kombinationen, nicht nur gegen Christian Lell & Co. Diesen Feinschmecker-Fußball will jeder sehen.

Der FC Chelsea dagegen steht seit Jahren für Gefrierschrank-Fußball, 1:0-Siege, Athletik und für Geld, das der Klub nicht mehr hat und doch mit vollen Händen ausgibt. Der Schuldenstand soll mittlerweile eine Milliarde Euro betragen.

Man mag zwar bezweifeln, ob es verdient war, dass die Londoner das Finale dermaßen unglücklich verpassten – allein schon aufgrund der Schiedsrichter-Leistung. Auch haben die elf blauen Kühlschränke auf zwei Beinen Barcelonas Spielfreude fast bis zur Schockstarre eingefroren, was international bisher niemandem gelungen ist. Doch wer die Leistungen in diesem Jahr zugrunde legt, kann nicht umhin, die Außerirdischen aus Barcelona, die ihre Liga dominieren und die 100-Tore-Grenze geknackt haben, im Finale von Rom zu begrüßen.

Barcelonas Triumph rettet die Champions League, der nichts schlechter täte als Langeweile. Und wie langweilig wäre es wohl gewesen, wenn wieder dieselben Mannschaften im Finale gestanden hätten wie im Vorjahr – und diese zudem noch aus einem Land kommen? Wer würde sich dafür auf Dauer interessieren außer den englischen Fans?

Noch ein Gutes hat das Tor von Andres Iniesta: Es lehrt, dass man den Zufallsfaktor im Fußball auch mit noch so vielen Millionen, die Präsident Roman Abramowitsch in sein Star-Ensemble und mittlerweile vier Trainer von Format gesteckt hat, nicht völlig ausschalten kann. Fußball bleibt ein unberechenbares Spiel. Und das ist gut so.