Schalke-Trainer

Für Magath war klar, dass Löw gegen Kuranyi ist

Die Ausbootung Kevin Kuranyis für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika durch Joachim Löw schlägt hohe Wellen in der Bundesliga. Auf Morgenpost Online äußert sich erstmals Felix Magath zu der umstrittenen Entscheidung des Bundestrainers. Er hätte sie so erwartet, sagte der Trainer von Schalke 04.

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„Es war doch im Grunde klar, dass Löw so entscheiden würde“, sagt Schalkes Trainer und spielte damit auf die Sitzung der Nationalmannschafts-Oberen vor wenigen Wochen an. Im Rahmen dieser Klausur hatte Löw erstmals eine Nominierung Kuranyis nicht mehr ausgeschlossen, eine endgültige Entscheidung aber nicht getroffen. „Warum hätte man sich sonst nach 30 Spieltagen zusammen gesetzt und darüber diskutiert, ihn mitzunehmen, und sich dann doch wieder auf das Saisonende vertagt“, fragt Magath und äußert gleich eine Vermutung: „Man wird sich wohl noch angeschaut haben, ob Kevin in den letzten Spielen auch noch Tore schießt.“

Dies ist dem Angreifer, der sich im Oktober 2008 unerlaubt von der Nationalmannschaft entfernt hatte und deswegen suspendiert wurde, nicht gelungen. Kuranyi konnte seinen bislang 18 Saisontoren in den vergangenen vier Spielen kein weiteres hinzufügen. Löw sagte zu seiner Entscheidung, dass ihr rein sportliche Aspekte zugrunde lägen. Der damalige Vorfall habe keine Rolle gespielt. Damit handelt er gegen die vorherrschende Meinung im Land. Nahezu alle Experten von Franz Beckenbauer bis Uwe Seeler hatten sich für eine Rückkehr Kuranyis ausgesprochen. Auch in Umfragen war die Stimmung eindeutig für den Schalker.

„Wie jeder Fußballer habe ich schon als kleines Kind davon geträumt, an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu dürfen“, kommentierte der Stürmer auf seiner Homepage die Nachricht, die ihm Löw am Morgen mitgeteilt hatte: „Dieser Traum ist jetzt bereits zum zweiten Mal geplatzt. Deshalb ist es klar, dass mich diese Entscheidung sehr traurig macht.“ Er wünsche Trainer und Mannschaft in Südafrika aber das Beste und werde vor dem Fernseher die Daumen drücken.

Magath versteht den Frust seines Spielers, der Schalke nach der Saison wohl ablösefrei verlassen wird. „Natürlich ist Kevin jetzt enttäuscht. Das kann ich gut verstehen“, so der Trainer, „ich sage aber auch: Jeder Trainer muss seine Entscheidungen allein treffen. Darum beurteile ich diese Entscheidung von Löw nicht. Jeder hat sie zu akzeptieren.“