Kolumne "Abseits"

Welche Stars außer Kuranyi eine WM verpassten

Erst bootete Bundestrainer Joachim Löw Schalkes Stürmer Kevin Kuranyi aus, dann musste er die verletzungsbedingte Absage von Nationaltorwart Rene Adler hinnehmen. Die beiden reihen sich in eine lange Liste von Stars ein, denen die Teilnahme an einer WM verwehrt blieb. Ein Klub spielte dabei häufig eine Rolle.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Vielleicht hätte Kevin Kuranyi den VfB Stuttgart niemals verlassen sollen. Bundestrainer Joachim Löw hätte ihn dann gewiss öfter spielen sehen, und als Stuttgarter hätte ihn in Dortmund auf der Tribüne auch niemand angepöbelt. Schalker haben es dort bekanntlich schwerer, und so verhält es sich auch mit den Chancen, als solcher zur WM zu fahren. Verpasser trugen oft das königsblaue Trikot.

Nicht nur Helmut Schön bezeichnete Ernst Kuzorra als „größten Spieler seiner Zeit“. Er wurde vor dem Krieg sechsmal Meister und war Kapitän der Schalker, aber er verpasste alle Turniere. Als er ein junger Kerl war, gab es die WM noch nicht, und vor der WM 1934 nannte er Reichstrainer Otto Nerz in einer heftigen Taktikdiskussion „Arschloch“. Das brachte ihm eine vierjährige Pause ein. Als er drei Monate vor der WM 1938 unter Sepp Herberger sein Comeback gab, marschierte Hitler in Österreich ein, und die Auswahl an Nationalspielern vergrößerte sich erheblich. Für einen 33-Jährigen war da kein Platz mehr, und Kuzorra trat lieber zurück.

Legendär ist auch das Pech des Linksaußen Erwin Kremers vor der WM 1974 in Deutschland. Es kann auch als Dummheit bezeichnet werden, im letzten Saisonspiel den Schiedsrichter „blöde Sau“ zu nennen und auf dessen Nachfrage die Titulierung zu bestätigen mit der Einleitung: „Noch mal für Doofe…“ Der DFB wollte solche Spieler nicht bei der WM. Sein Mundwerk kostete Kremers den Ruhm, ein Weltmeister zu sein.

Kevin Kuranyi war Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 etwas zu unternehmungslustig, bloß nicht auf dem Platz. Eine Diskonacht weniger und er wäre vielleicht Teil des Sommermärchens geworden.Im Zweifel gegen Schalke hieß es übrigens auch vor der vergangenen EM, als Jermaine Jones zu den drei kurzfristig Aussortierten gehörte. Dann wären da noch die Pechvögel Olaf Thon und Jörg Böhme, die 1986 und 2002 zwar mit in den Flieger gestiegen waren, aber ohne Einsatz vorzeitig wieder abreisten, weil sie sich im Training verletzt hatten. Die Fans des Kultklubs mögen all das bedauern, doch Bundestrainer trösten sich: Es ist noch nie ein Schalker Weltmeister geworden, höchstens auf der Ersatzbank.

Natürlich haben auch schon andere eine WM verpasst und ihr Pech nicht fassen können. In Stefan Kuntz (VfL Bochum/1986) und Martin Max (1860 München/2002) schauten sogar zwei Torschützenkönige in die Röhre.Aber auch wer für Klubs mit einer etwas größeren Lobby spielte, muss zuweilen zuschauen. Mario Basler entschied 1998 noch das Pokalfinale für die Bayern und seufzte dennoch: „Und so ein Mann fährt nicht mit zur WM!“ Bundestrainer Berti Vogts war er schlicht zu undiszipliniert. Mit Sebastian Deisler hätte es solche Probleme nicht gegeben, aber dessen Knie streikte sowohl 2002 als auch 2006.

Für Mehmet Scholl machte sich 2006 eine Faninitiative stark, damit er zum Karriereende doch noch eine WM erleben könne. „Mehmet für Deutschland“ sammelte 175 000 Stimmen und überreichte „aus Sympathie für den Regenwald“ nur die ersten 23 von 4100 Seiten, die der Drucker ausgespuckt hätte, in der DFB-Zentrale. Es nutzte nichts.

Gründe fanden sich immer: zu jung, zu alt oder verletzt – wie jetzt Torwart René Adler. Einem seiner Vorgänger erging es übrigens noch schlimmer: Bernd Franke erlitt vor der EM 1972 eine Gehirnerschütterung und vor der WM 1978 einen Beinbruch. Dabei war er nicht mal Schalker...