Mercedes

Nico Rosberg – Der Rekordweltmeisterbesieger

Auch im vierten Saisonrennen ließ Nico Rosberg seinen Mercedes-Teamkollegen Michael Schumacher hinter sich. "Das ist großartig", freut sich der 24-Jährige. Wenn sich der Rekordchampion nicht bei den kommenden Grand Prix in Europa steigert, muss bei den Silberpfeilen wohl umdisponiert werden.

Das ganze Timing geht Nico Rosberg leicht von der Hand. Die Formel-1-Teams harren gerade in Shanghai mit gepackten Koffern bis der Ascheflug über Europa nachlässt, um heimfliegen zu können. Rosbergs berühmter Teamkollege Michael Schumacher jammerte: „Ich will so schnell wie möglich nach Hause, weil die Familie wartet.“

Rosberg hingegen blieb nach dem Rennen am Sonntag, dass er mit dem zweiten dritten Platz in Folge auf dem Podium beendete, völlig entspannt: „Ich hatte ohnehin einen Abstecher nach Thailand eingeplant“, sagte der junge Pilot, „da fahre ich jetzt für eine Woche hin.“

Die Reaktion der beiden Mercedes-Kollegen auf das isländische Vulkanchaos wirkt bezeichnend für ihre jeweilige Saison. Der berühmte Comebackmann Schumacher fährt trotz aller möglichen psychologischen Sticheleien bisher meilenweit hinterher und liegt nach vier Rennen lediglich auf Platz zehn der Saisonwertung, sein junger blonder Rennstallkamerad Rosberg liegt auf Rang zwei mit besten Aussichten: Zum europäischen Auftaktrennen in knapp drei Wochen in Barcelona gilt der Sohn des finnischen Ex-Weltmeisters Keke Rosberg und einer Deutschen nun nicht nur als ernsthafter Titelkandidat, sondern als erster Teamkollege, der den großen Schumacher stets im Griff hat. Als Denkmal-Demontierer. Als Rekordweltmeisterbesieger.

Während die Zunft sich am Sonntag einen Spaß daraus machte, einer nach dem anderen an der Legende vorbei zu rauschen, staunen sogar Mercedes-Leute, dass Schumacher die Konkurrenzfähigkeit mit den Topleuten sogar bei wachsender Routine abgeht. „Michael musste sich erst eingewöhnen, aber wir haben starke Fortschritte gesehen“, sagte sein Förderer, Teamchef Ross Brawn, „in Malaysia war der Abstand nicht mehr groß, in Shanghai war es eine Überraschung, die wir verstehen müssen: Das geht gegen den Trend der letzten drei Rennen.“

Längst steht nicht mehr alles unter einem guten Stern bei Mercedes, und manchmal klingen sie gar, als könne nicht sein, was nicht sein darf. „Michael ist eine Institution – keine Angst: Er hat das Autofahren nicht verlernt“, verteidigte Norbert Haug seinen Helden, der nur noch in Werbespots alle Hindernisse mühelos links liegen lässt. Den Motorsportchef von Mercedes aber erschütterte die Minute Abstand zwischen seinen beiden Fahrern so sehr, dass er dazu neigte, es auf Fehler an Schumachers Chassis zurückzuführen: „Nach einer Berührung war das Fahrzeug krumm“, befand Haug, „ich denke, an diesem Auto ist etwas – das müssen wir allerdings erst noch untersuchen.“

Auch Schumachers Freund Brawn, der Ingenieur, der Meister der eingehenden Fehleranalyse mag die unerwartete Formkurve des Helden nicht ohne weiteres akzeptieren: „Es ist seltsam, dass ein Fahrer in langsamen Kurven Probleme hat“, klagte Brawn, „normalerweise passiert das in schwierigen und schnellen Kurven.“

Sogar Schumacher selbst, der seine Darbietung ganz realistisch einschätzt („Das ganze Wochenende war kein gutes Wochenende für mich – und wohl auch von mir“), zeigte Anzeichen leichter Verwirrung: Nach dem Qualifying erklärte er zunächst Rosbergs Vorsprung damit, dass der Kollege mit anderen Heckflügeln gefahren sei. Dann geriet er in eine blöde Lage: Beide waren mit exakt dem gleichen Material auf der Strecke.

Beflissen werkeln die Mercedes-Leute nun an einer Runderneuerung ihres Autos, das der Konkurrenz bisher technisch unterlegen ist. Brawn räumt ein, dass Mercedes’ Boliden bisher „nicht die richtige Gewichtsverteilung hatten“. Während das Team das bis zum Rennen in Barcelona zu korrigieren hofft, droht die Kopie des Strömungssystems von McLaren, das etwa Shanghai-Sieger Jenson Button höhere Geschwindigkeiten auf langen Geraden ermöglicht, frühestens zum Rennen in Istanbul einsatztauglich zu werden. Bisher wurde erst eine Vorstufe getestet, bei der die Fahrer die Luftströmung noch nicht mit den Knien verändern können.

Spätestens wenn Schumacher auch in Europa keine Trendwende einzuleiten vermag, steht den Mercedes-Bossen eine Grundsatzdiskussion ins Haus, die sie bisher mit Macht zu verhindern trachten: Rosbergs 40 Punkte Vorsprung auf Schumacher drohen bald zum Grund zu werden, den Nachwuchsmann mit Priorität zu behandeln, wenn nur noch er potenziell die Fahrerweltmeisterschaft gewinnen kann.

„Vor der Saison hatte ich gehofft, auf dem gleichen Niveau wie Michael zu fahren. Jetzt bin ich vor ihm. Das ist großartig“, sagt Rosberg, lässt sich aber wie bei Schumachers Tricksereien nicht beirren, als der sich mal von Rosberg die niedrigere Startnummer, mal die angeblich bessere Garage vermachen ließ. Er beanspruche keine Vorzugsbehandlung: „Von Anfang an sind wir im Team gleich behandelt worden. Auch als jeder Michael als Nummer eins und mich als Nummer zwei gesehen hat, war das so. Wir haben beide die gleichen Möglichkeiten.“