Formel 1

Großes Lauda-Lob für den nervenstarken Rosberg

Während der von der Pole Position gestartete Sebatian Vettel und Rekordweltmeister Michael Schumacher in Shanghai enttäuschten, fuhr der nervenstarke Nico Rosberg ein beeindruckendes Rennen. "Mit einem unterlegenen Auto Dritter zu werden, ist eine Glanzleistung", lobte Niki Lauda.

Für den einen war die richtige Taktik eine Bauchentscheidung, der andere hatte schlicht „frech gezockt“. Am Ende konnten sowohl der britische Champion Jenson Button als auch die deutsche Mercedes-Hoffnung Nico Rosberg mit ihrer Wahl zufrieden sein: Button wollte den Sieg im Großen Preis von China im McLaren nicht auf das Glück zurückführen, sondern auf seine Cleverness. Rosberg, der Dritte des hektischen Rennens, ließ mit seiner Abgebrühtheit seinen Teamkollegen Michael Schumacher ganz schlecht aussehen.

Button und Rosberg sind auf Rang eins und Platz zwei der Gesamtwertung furios bei neuen Arbeitgebern in die Formel-1-Weltmeisterschaftssaison gestartet. „Jetzt fühle ich mich als richtiges Mitglied des Teams“, jubilierte Button, der sich der Hausmacht von Lewis Hamilton, am Sonntag Zweiter, zu erwehren hatte. Rosberg sagte: „Es passt im Moment alles. Das Team hilft mir wirklich.“

Rosberg behielt die Nerven, als für Rennbeginn leichter Regen angekündigt wurde. Während viele andere während der ersten Safetycar-Phase in Runde eins die Box anwiesen, die Regenreifen bereit zu legen, drehten Rosberg und Button im leichten Nieselregen unbeirrt ihren Runden auf Trockenreifen. „Du kannst reinkommen, wenn es dir zu nass wird“, funkte der McLaren-Kommandostand Button an. Der fühlte sich sicher genug. „Ich habe mich fürs Weiterfahren entschieden.“ Als es dann heftiger zu regnen begann, bewahrten ihn die Strategen vor einer Dummheit. „Ich wollte wieder draußen bleiben“, berichtete Button, „aber dann haben sie gesagt: ‚Es reicht, wir machen dir Regenreifen drauf.’“

Die risikoreiche Wahl hätte für Rosberg ebenso gut im Kiesbett enden können. „Das war echt hart an der Grenze“, gab er zu. „Ich habe gehofft, dass es nicht anfängt, mehr zu regnen. Dann hätte ich danebengelegen.“ So aber konnte er die Führung übernehmen und zunächst einen Vorsprung auf Jenson Button herausfahren. Erst sein kleiner Ausrutscher brachte Button näher heran, so dass er ihn und später auch Hamilton ziehen lassen musste. Der Respekt der Branche war ihm dennoch gewiss. „Mit einem unterlegenen Auto hier den dritten Platz zu erringen, war wirklich eine Glanzleistung“, schwärmte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda.

Die zu „Regenkönigen“ erkorenen deutschen Piloten Sebastian Vettel als Sechster und Michael Schumacher auf Platz zehn enttäuschten auf ganzer Linie. „Das war ein schwieriges, ein absolutes Chaosrennen“, jammerte Vorjahressieger Vettel. Der Red-Bull-Pilot hatte es sich unnötig schwer gemacht. Denn ein verpatzter Start des Schnellsten vom Samstag führte dazu, dass er an der Box erst nach Teamkollege Mark Webber abgefertigt wurde. Er musste sich am Ende des Feldes einreihen.

Statt erstmals die Spitze des WM-Klassements zu erobern, konnte Vettel nie weiter als auf Platz fünf vorstoßen. Allerdings hätte er es ohnehin schwer gehabt, die beiden McLaren-Piloten einzuholen. In der Qualifikation ist der Red Bull derzeit unbesiegbar, im Rennbetrieb auf den langen Geraden sind dagegen die McLaren dank des F-Schacht-Systems der Konkurrenz deutlich überlegen. Dass Button und Hamilton auf den letzten Runden noch einmal zittern mussten, lag an den abgefahrenen Reifen. Schwer steuerbar trudelten die Boliden ins Ziel. „Das ist mein bester und süßester Sieg“, jubelte der neue WM-Führende.

Hamilton, der den ersten Doppelerfolg für McLaren seit Monza 2007 perfekt machte, zog sich den Zorn seiner Kollegen zu. Dass er trotz vier Reifenwechseln bis auf Rang zwei vorfuhr, war auch seinem aggressiven Fahrstil in der Boxenstraße geschuldet. Er legte sich auf die rabiate Tour mit Michael Schumacher, Jaime Alguersuari und Sebastian Vettel an. So musste er nach dem Rennen um den zweiten Platz bangen, da das Duell mit Vettel, dem er bedrohlich nahe gekommen war, von den Rennkommissaren untersucht wurde. Am Ende beließen es die Schiedsrichter bei einer Verwarnung für ihn und Vettel. Der Heppenheimer bemühte sich, das Positive aus dem spektakulären Rennen zu ziehen. „Unter dem Strich ein paar Punkte mitzunehmen, war wichtig. Ich glaube, es hätte noch viel schlimmer kommen können.“

Schlechter als Vettel und Schumacher schnitten aus deutscher Sicht Adrian Sutil im Force India als Elfter und Nico Hülkenberg im Williams als 15 ab. Timo Glock überstand wegen Motorenproblemen an seinem Virgin nicht einmal die Einführungsrunde. Er kam wenigstens nicht in die Verlegenheit, die falsche Reifenwahl zu treffen.