Nach Sexaffäre

Kempter pfeift wieder – Amerell greift Zwanziger an

Eigentlich verlief der DFB-Bundestag ganz nach den Vorstellungen von Theo Zwanziger. Der DFB-Präsident, der im Herbst erneut kandidieren wird, stärkte Bundestrainer Löw den Rücken und gab überraschend das Comeback von Michael Kempter bekannt. Das rief Manfred Amerell auf den Plan, der den DFB-Boss heftig attackierte.

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Theo Zwanziger kündigte feierlich das Comeback von Schiedsrichter Michael Kempter an, dann stärkte der DFB-Präsident Bundestrainer Joachim Löw demonstrativ den Rücken - doch mitten in die Harmonie platzten neue Attacken des ehemaligen Schiedsrichter-Beobachters Manfred Amerell. Amerell griff Zwanziger nach der Ansetzung von Kempter für das Drittliga-Spiel SV Sandhausen gegen Holstein Kiel am Samstag mit drastischen Aussagen an.

„Wenn Zwanziger Charakter hat, wird er sein Amt mit dem Untergang seines Kronzeugen Kempter verlieren. Es ist schon dreist, jemanden so kurzfristig anzusetzen, der die Öffentlichkeit belogen hat. Diese Nummer wird nach hinten losgehen. Seine Ansetzung ist ein Schlag ins Gesicht ehrlicher Menschen. Für einen Schiedsrichter ist es wichtig, ehrlich und glaubwürdig zu sein. Das ist Kempter nicht“, sagte Amerell und warf Zwanziger „demagogische Aussagen“ vor: „Dafür kann er mir ruhig wieder seine Anwälte auf den Hals hetzen.“

Drei Tage vor dem mit Spannung erwarteten Showdown vor Gericht in Augsburg, an dem Zwanziger nicht persönlich teilnehmen wird, behauptete Amerell, dass der DFB-Boss mit der Rückkehr von Kempter auf den Fußballplatz seinen „Kopf retten“ wolle. „Das ist die Not des Herrn Zwanziger, der sein Amt nicht verlieren will. Da er sein Schicksal mit Kempter verbunden hat, zaubert er ihn jetzt aus dem Hut“, sagte Amerell.

Zwanziger reagierte nach dem Bundestag gelassen. „Amerell ist ein Verrückter des Schiedsrichterwesens, das ist sein Leben. Ich habe Verständnis, dass für ihn da eine Welt zusammengebrochen ist, aber er hat den DFB freiwillig verlassen.“

Die Ankündigung, dass der 27-Jährige Kempter am Samstag in der Fußball-Provinz sein Comeback feiern wird, kam sehr überraschend. Erst am Mittwoch hatte Kempter den offiziellen Leistungstest bestanden. „Das ist für uns absolute Normalität, denn es gibt derzeit keine Vorwürfe, die gegen eine Ansetzung von Michael Kempter sprechen. Es gibt keine Erkenntnisse, die ihn auf irgendeine Art belasten. Er hat gezeigt, dass er körperlich und mental fit ist“, sagte Zwanziger, der in den letzten Wochen trotz der ungeklärten Affäre um Amerell stets auf die Rückkehr Kempters gepocht hatte.

Nach der Bekanntgabe des Kempter-Comebacks sprach DFB-Boss Zwanziger unter dem Applaus der Delegierten mit Blick auf die WM in Südafrika auch Löw sein volles Vertrauen aus. Trotz der Anfang Februar geplatzten Vertragsverhandlungen hofft Zwanziger auf eine erfolgreiche WM. „Wir wissen, dass die WM die Kraft eines gesamten Verbandes fordert. Und eins möchte ich klar sagen: Zwischen diesen Bundestrainer und mich passt kein Blatt Papier“, sagte Zwanziger. Der Vertrag von Löw läuft nach der WM in Südafrika aus.

Dass das Hauptaugenmerk des DFB-Bundestags eigentlich auf der Verabschiedung der Schiedsrichter-Reform lag, ging wegen der Causa Amerell trotz eines sehr emotionalen Vortrags von Herbert Fandel ein wenig unter. Erwartungsgemäß segneten die 252 anwesenden Delegierten bei der nur 90-minütigen Versammlung die Reform ohne Gegenstimme ab. Damit ist unter anderem auch der Weg frei für die neue Schiedsrichter-Kommission um den designierten Vorsitzenden Fandel, der auf der nächsten DFB-Präsidiumssitzung am 21. Mai inthronisiert werden soll.

Die Kernpunkte des 36 Seiten umfassenden Arbeitspapiers sind eine professionellere Betreuung der Schiedsrichter, Besetzung der entscheidenden Stellen mit neutralem Personal, mehr Transparenz und ein Ende der Wunschansetzungen. Zudem sollen die für die Benotung der Schiedsrichter zuständigen Beobachter noch besser ausgebildet werden. „Die Persönlichkeit des Schiedsrichters muss in Zukunft im Vordergrund stehen“, sagte Fandel, der den Delegierten sein Konzept sehr emotional vorgetragen hatte.

„Wenn ich den Schiedsrichter als Leistungssportler begreife, ist es selbstverständlich, dass man um ihn herum die höchstmögliche Fachkompetenz aufbaut. Darüber hinaus müssen wir, den Leitgedanken der absoluten Neutralität, Unabhängigkeit und Transparenz folgend, sehr sorgfältig darauf achten, dass entscheidende Stellen im Schiedsrichterbereich entsprechend neutral besetzt sind“, sagte Fandel. SID ms nt