WTA-Masters

Das Damen-Tennis auf dem absteigenden Ast

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Jörg Winterfeldt

Foto: AP

Das WTA-Finale offenbarte einmal mehr die Probleme des Damen-Tennis. Dort stand unter anderem die Russin Wera Zwonarewa, die eigentlich gar nicht in Doha sein sollte. Es fehlt eine Spielerin, die durch Konstanz und Brillanz besticht. Die Maßnahmen etwas zu verändern, zeigen nicht die gewünschten Reaktionen.

Doha wäre so gern mehr gewesen, als der Beweis, dass Reformen nötig sind. Doha wäre gern ein großes Tennisspektakel gewesen: die weltbesten Frauen des Sports vor begeisterten Zuschauermassen, Werbung für den Standort, der sich reif genug erachtet, Olympische Spiele auszurichten.

Dass die Hoffnungen enttäuscht wurden, ließ sich schon beobachten, bevor gestern binnen gut zwei Stunden die Russin Wera Zwonarewa gegen die Amerikanerin Venus Williams das Finale der Jahresabschlussmeisterschaft der Spielerinnenvereinigung WTA 7:6, 0:6, 2:6 verlor. Die Rangliste dient als zuverlässiger Indikator der Branchendefizite: Die Serbin Jelena Jankovic schließt die Saison als Führende ab, obwohl sie noch nie ein Grand-Slam- oder WTA-Championships-Finale erreicht hat. „Wenn ich alles jetzt erledige“, kontert sie den peinlichen Vorwurf, „was bleibt dann für 2009?“


Seit die Belgierin Justine Henin im Frühsommer überraschend die Karriere beendete, fehlt den Frauen eine Weltklassespielerin von vergleichbarer Konstanz und Brillanz. Verletzungen, eigenwillige Terminplanungen und Lustlosigkeit der Asse verursachen den Eindruck, die Ausgeglichenheit habe sich auf niedrigem Niveau eingependelt: Das miserable Zuschauer- und Medieninteresse am Finalturnier der acht Weltbesten trägt dem Rechnung.

Zwonarewa nur Ersatz

So hätte Zwonarewa in Doha gar nicht antreten dürfen. Sie rutschte nur ins Teilnehmerfeld, weil ihre Landsfrau Maria Scharapowa sich verletzt abgemeldet hatte. Turniersiegerin Venus Williams profitierte davon, dass ihre jüngere Schwester Serena in den Gruppenspielen nach dem ersten Satz die Gegenwehr beträchtlich reduzierte und 7:5, 1:6, 0:6 verlor, bevor sie sich krank meldete, um nach Südafrika und Kenia zu reisen.

Flink verweist die WTA, die noch zwei Jahre in Doha gastieren will, bevor das Turnier 2011 nach Istanbul weiterzieht, darauf, dass die Lösung des Problems bereits beschlossen ist: Ein neuer Terminkalender von 2009 an mit einer kürzeren Saison, aber aggressiver abgesicherten Antrittsverpflichtungen für die Spielerinnen.

Die Winterpause wird von sieben auf neun Wochen gestreckt, die Spielerinnen müssen neben Grand Slams und WTA-Championships künftig nur zehn statt zwölf der 20 Topturniere bestreiten.

Strafen verpuffen

„Fans können mehr Stars und Rivalitäten auf den größten Bühnen des Sports beobachten“, prahlt WTA-Chef Larry Scott. Doch bahnt sich an, dass die Maßnahmen nicht den verkündeten Effekt bringen. Einerseits haben in Doha gerade Serena Williams und Ana Ivanovic die nicht justiziable Taktik gegen unliebsame Pflichten vorgeführt: Als sie vor den abschließenden Gruppenspielen keine Chancen aufs Weiterkommen besaßen, meldeten sie sich krank.

Zudem zeigen sich die Stars von den ausgelobten Preisgeldern, die 2009 um 20 Prozent auf 85 Millionen Dollar wachsen, so üppig versorgt, dass die angedrohten Strafen verpuffen. Serena Williams hat nie mehr als 13 Turniere pro Jahr gespielt, seit sie vor 13 Jahren Profi wurde.

An den Pflichtturnieren, zu denen künftig Indian Wells, Miami, Madrid und Peking zählen, will sie nicht uneingeschränkt teilnehmen: Seit die Schwestern und ihr Vater Richard 2001 in Indian Wells übel rassistisch beleidigt wurden, haben sie das kalifornische Turnier gemieden. „Ich werde in Indian Wells nicht mehr spielen“, sagt Serena.